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Internetkriminalität - neben möglichem finanziellen Schaden auch Vertrauensverlust

Wie ein Wohnungseinbruch

Groß-Zimmern (bea) J  Nichts Böses ahnt Erika Musterfrau (der Name wurde geändert, die tatsächliche Empfängerin ist der Redaktion bekannt) als sie am frühen Morgen ans Telefon geht. „Ich habe eine komische E-Mail von Dir erhalten“, eröffnet ihr eine Freundin.

Mit dem Internet kann man sich viel Arbeit erleichtern, E-Mails sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Schwierig wird es, wenn man Opfer eines Internetbetrügers geworden ist. Foto: Bernauer

Mit dem Internet kann man sich viel Arbeit erleichtern, E-Mails sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Schwierig wird es, wenn man Opfer eines Internetbetrügers geworden ist. Foto: Bernauer

Musterfrau habe sie per Mail von einer spontanen Reise nach Madrid, bei der ihr alles, einschließlich Reisepass, Bargeld und Kreditkarten gestohlen worden sei, um finanzielle Hilfe gebeten.

Den meisten der so angeschriebenen Freunden kam der Hilferuf im wahrsten Sinne des Wortes spanisch vor und sie meldeten sich umgehend bei Musterfrau.

Diese war also den ganzen Tag damit beschäftigt, zu telefonieren, an ihr E-Mail-Account bei Yahoo traute sie sich nicht mehr ran. Ein Anruf im Polizeipräsidium Südhessen war eine ihrer ersten Aktionen. „Hierbei handelt es sich um einen Betrugsversuch, dem auch nachgegangen wird“, so Polizeipressesprecher Christopher Roth. Betrug liege nämlich erst dann vor, wenn tatsächlich einer der Angeschriebenen Geld überweist. Der Betrugsversuch als solcher jedoch ist bereits strafbar.

Musterfrau ist mit ihrer Anzeige erst einmal juristisch abgesichert, sollte einer der Angeschriebenen tatsächlich auf die Email reinfallen. „Zivilrechtlich kann aber dennoch ein Geschädigter gegen Sie vorgehen“, hat ihr der ermittelnde Beamte erklärt. Die Frau, deren E-Mail-Adresse sozusagen gekapert wurde, ist in mehrfacher Hinsicht geschädigt. Sie hat nicht nur versucht, den ganzen Tag Freunde zu erreichen, um sie zu warnen und einige Zeit auf dem Polizeipräsidium verbracht. Als sie sich dann doch traut in ihre E-Mail zu schauen, stellt sie fest, dass ihr ganzer Verteiler und alle Adressen gelöscht sind. Da die Geschädigte für die Waldschule in Groß-Zimmern arbeitet, ist ihr Verteiler entsprechend groß. „Das machen die Betrüger, damit die Betroffenen nicht eine Warnung an die Adressaten schicken können“, erklärt der Beamte.

Neben den Adressen hat Musterfrau aber auch das Vertrauen verloren. „Es ist fast so, als wäre bei mir eingebrochen worden“, sagt sie. Da sie kürzlich umgezogen ist, will sie auch ein neues Konto eröffnen, von Onlinebanking hält sie jetzt erst mal Abstand. Ihre langjährige E-Mail-Adresse wird sie aufgeben, ob sie bei ihrem Provider bleibt, weiß Musterfrau noch nicht. „Das hängt davon ab, wie kooperativ die sich jetzt gegenüber der Polizei verhalten.“

Ausgesprochen gering beurteilt Marc Freitag, stellvertretender Leiter des Kommissariats für Internetdelikte im Polizeipräsidium Südhessen, die Chancen, die oder den Betrüger zu ergreifen. „Solange Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger sich gegen die Vorratsdatenspeicherung von Telefon- und Internetdaten wehrt, ist es schon fast unmöglich, die IP-Adresse des betrügerischen Absenders heraus zu bekommen.“

Wie genau die E-Mail-Adresse und der Verteiler von Frau Mustermann ausgespäht wurden, auch dazu kann Freitag nur Vermutungen anstellen, es gebe inzwischen viel zu viele Methoden. Zunehmende Internetkriminalität könne man jedoch in letzter Zeit feststellen.

Der Polizeibeamte kann Musterfrau auch kein Fehlverhalten attestieren. „Man kann sich nicht hundertprozentig schützen.“ Einige Tipps hat Freitag aber dennoch für Internetnutzer: möglichst die neueste Software heranziehen, den Virenschutz aktuell halten und nicht bei mehreren Internetanbietern - wie beispielsweise bei Yahoo oder ebay - das gleiche Kennwort benutzen. Zudem sollten die Passwörter in gewissen Abständen geändert werden. Ist aber ein Trojaner auf dem Rechner, nutzt auch das komplizierteste Passwort nichts, es wird beim Eintippen gleich noch woanders hin übertragen.

Musterfrau wird wohl nun ihren Rechner neu aufsetzen müssen, um sicher zu sein, dass keine Schadsoftware weiterhin ihr Unwesen treibt.

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