Groß-Zimmern ‐ Laute Rhythmen dröhnen durch den Raum. Aufmerksam lauschen die Jugendlichen den Liedern, die ihnen Jakob Vogelsang vorspielt. Sie kennen die Musik, die von Metall über Hip-Hop bis zum Rap reicht. Ungewöhnlich sind jedoch Texte wie: „Nigger, Nigger, zurück an die Ketten. Nigger, als Sklave wirst du verrecken“. Gehezt wird gegen Juden, im „Polackentango“ wird gedroht: „Wir kommen wieder, im feldgrauen Ehrenkleid“. Von Ulrike Bernauer

© Bernauer
Rechtsradikale Texte hören sich die Neuntklässler im Rahmen der Ausstellung „Versteckspiel“ aufmerksam an.
„Diese Lieder sind alle verboten“, erklärt der 20-jährige Vogelsang Neuntklässlern des Gymnasialzweigs der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) beim Besuch der Ausstellung „Versteckspiel“, die in dieser Woche im Jugendzentrum zu sehen war. 15 Klassen der Gesamtschule besuchten dieses „Versteckspiel“. Am Montag wurde die Wanderausstellung eröffnet, die sich besonders mit Symbolen der heutigen Neonazis auseinandersetzt. Bürgermeister Achim Grimm erinnerte sich an eine Begegnung mit Rechten als er 18 Jahre alt war. „Beim Kirchentag in Berlin trat eine Gruppe Rechtsradikaler auf. Die schockierenden Sprüche sind mir heute noch im Gedächtnis“, berichtete er.
Das war wohl mit ein Grund, warum Grimm die Ausstellung nach Groß-Zimmern holte. „Heute sind viele Faschisten auf den ersten Blick nicht zu erkennen“, beschreib der Referent des Abends, Helge von Horn.
Ihre Eltern kommen aus dem Kongo, die Schülerin ist hier aufgewachsen und hat einen deutschen Pass. „Ich habe Angst, jemandem zu begegnen, der so denkt“, meinte Penelope. Bisher habe sie zum Glück keine Erfahrungen mit Rechten gemacht und der Umgang in der Klasse untereinander sei okay, meinte sie.
Dem stimmte auch Alexander Toth zu. Der 15-Jährige hat ebenfalls eine dunkle Hautfarbe. „Ich habe keine Angst, weil es genug Leute gibt, die anders denken. Aber wenn man hier lebt, muss man schon offen sein und viel Selbstironie ist angesagt“, meinte er.
Konzentriert hörten sich die Schüler nicht nur die Texte an, aufmerksam verfolgen sie auch den Film über die neuen Rechten. Der zeigt „NPD-Größen“, wie den Bundesvorsitzenden Udo Voigt, wie er ins Publikum ruft: „Das deutsche Volk vereinen, Verräter hinwegfegen“, aber auch Aussteiger der rechten Szene, die über ihre Erfahrungen berichten. „Was könnt ihr tun?“, fragte Stab die Schüler und drückte seine Verwunderung darüber aus, dass es unkommentiert blieb, dass er am Anfang In- und Ausländern trennte. „Eigentlich hättet ihr da protestieren müssen“, versuchte er zu sensibilisieren. „Ich würde erst mal mit denen reden und fragen, ob sie überhaupt wissen, wofür sie stehen“, antwortete eine Schülerin. Alexander Toth will auf jeden Fall wählen gehen, wenn er 18 ist: „Jede nicht abgegebene Stimme ist eine verlorene Stimme. Die Rechten haben so viel Erfolg, weil sie geschlossen zur Wahl gehen“, meinte er.
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