Wittlingers „Heilig’ Blitzje!“ am Volkstheater Frankfurt

Heißer Tanz um Erbe auf dem Lande

008.03.10|KulturFacebook
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Wo ein Giftmischer Traktor fährt und ein Brandstifter die Kühe melkt, sind wir auf dem Land. So stellt sich die Agrarwelt im modernen Volksstück dar. Ein solches präsentierte das Volkstheater Frankfurt seinem Premierenpublikum. Von Markus Terharn

© Volkstheater

Enkelin Bärbelchen (Julia Schneider) hält zu Jakob (Walter Flamme).

Das kennt dieses Milieu kaum aus eigener Anschauung, kam mit Karl Wittlingers „Heilig’ Blitzje!“ in zwei kurzweiligen Stunden aber voll auf seine Kosten.

Den alemannischen Originaltext hat der unentbehrliche Hausautor Wolfgang Kaus in den Vogelsberg verlegt und für Hessen mundgerecht gemacht. Regisseurin Natascha Retschy lässt die Darsteller gekonnt auf schmalem Grat balancieren. Behutsame Personenführung verhindert, dass die derb bis bösartig gezeichneten Figuren zu Karikaturen ihrer selbst werden.

Dennoch bieten die Rollen saftiges Schauspielerfutter, das die Akteure dankbar annehmen. Allen voran der 83-jährige Walter Flamme in der Partie des Hofbauern Jakob Hahn, bei dem Züge von Demenz mit geistiger Wach heit wechseln. Zu Beginn sitzt er am Tisch mit Neffe Hugo und Nichte Elsbeth, die es kaum erwarten können, dass er das Zeitliche segnet – nicht ohne ihnen vorher den Hof überschrieben zu haben. Ansonsten fiele der an Enkelin Bärbelchen, die in Hamburg studiert, aber just daheim zu Gast ist, wie auch ihr junger Verehrer Sigi.

Gesprächsweise offenbart sich die garstige Vorgeschichte: Hugo und Elsbeth haben Bärbelchens Eltern mit einem Knollenblätterpilz-Gericht aus dem Weg geräumt; Knecht Michel hat mit dem titelgebenden Trick ihren verrotteten Hof abgefackelt und die Versicherung betrogen. Da sackt der alte Jakob zusammen und wird als tot in der Truhe verstaut. Der Tanz ums Erbe beginnt ...

Das gibt Anlass zu urkomischen Situationen und deftigem Dialogwitz. Der tiefschwarze Humor lässt oft vergessen, dass dieses Bühnenwerk eigentlich keine Komödie ist. Aber Horst Krebs mimt den Michel so schlitzohrig, Steffen Wilhelm den Hugo so miesepetrig, Silvia Tietz die Elsbeth so schlappmäulig, dass es eine Lust ist. Als turtelnde Frischverliebte gefallen Julia Schneider und Dennis Pfuhl, als gewissenhafter Notar grüßt Thomas Koob. Bärbel Christ-Heß und Claudia Rohde haben die Mitwirkenden in abgewetzte Bauernkluft gesteckt, und Rainer Schöne hat ihnen eine herrlich rustikale Bühne gebaut. Diese Inszenierung ist den Besuch wert!

Auf dem Spielplan bis 30. April

Quelle: op-online.de

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