Frankfurt - Wir haben gelernt: Wenn noch während der Aufführung das Licht im Zuschauerraum angeht, soll das, was auf der Bühne geschieht, an uns appellieren. Von Axel Zibulski

© Monika Rittershaus
Rettet den Rhein: Der Auftritt der Rheintöchter wirkt wie eine Solidaritätsadresse an das benachbarte Occupy-Zeltlager.
Am Ende von knapp sechs Stunden „Götterdämmerung“ geht in der Oper Frankfurt das Licht an, und zum auswogenden Nachspiel des Tetralogie-Finales schaut uns das ganze Personal aus vier Abenden „Ring des Nibelungen“ entgegen, samt Urmutter Erda, Riesen und Waldvöglein. Und weil die Götter, ob Wotan, Fricka oder Freia, zu Randerscheinungen in die Seitenloge werden, müssen wir einsehen: Jetzt liegt’s an uns, es besser zu machen.
Mit diesem gewiss nicht neuen, aber nachdrücklichen Appell endet Vera Nemirovas Inszenierung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Als stets präsentes Leitmotiv der Ausstattung ist auch in der „Götterdämmerung“ jene in Ringe teilbare und somit vielfach verschwenkbare Scheibe im Bühnenbild von Jens Kilian geblieben, die bereits dem Vorspiel und seiner ans Gewesene erinnernden Szene der drei Nornen den schiefen Boden bereitet. Deren Wissensseil scheint sich zwischen den Statisten, die Wotan, Siegfried, Fafner oder die Rheintöchter markieren, fast zu verheddern – eine starke, in ihrer Intensität freilich bis auf Weiteres nicht erreichte Szene ist der Regisseurin da gleich am Anfang gelungen.
Was sich in „Siegfried“ bereits angedeutet hatte, setzt sich nun in der „Götterdämmerung“ fort: An Stelle eines tragenden Konzepts stehen in Vera Nemirovas „Ring“ viele Ideen, manche gute, manche weniger gute. Wie ein Gruß an die wohl ähnlich machtlosen Banken-Kritiker im Zeltlager neben dem Opernplatz wirken die als Schlauchboot-Aktivistinnen ausstaffierten Rhein-Töchter samt Banner „Rettet den Rhein!“ – putzig.
Und wir? Was sollen wir jetzt besser machen? Weniger gieren nach Geld und Macht? Wussten wir schon. Frankfurts Premierenpublikum freilich jubelte. Vielleicht musste es am Bankenplatz noch einmal gesagt werden.
Quelle: op-online.de
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