Frankfurt - „Made in China“ steht auf vielen Konsumgütern, die aber nichts verraten über fernöstliche Alltagskultur. Sie folgen eher westlichen Standards, die das „Reich der Mitte“ so stark verwandelt haben wie zuvor Bürgerkrieg und Maos Kulturrevolution kaum zusammen. Von Reinhold Gries
Selbst im kulturell oft entwurzelten China stellt sich die Frage, was „typisch chinesisch“ ist. Vor diesem Hintergrund neuer Selbstvergewisserung sucht auch die Pekinger „Popcorn Idea Factory“ nach eigener Identität und entfaltet ihre Sicht der Alltagsdinge dazu nun im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst (MAK).
Da geht es nicht um Ming-Vasen oder Lackmöbel, sondern um geblümte Thermoskannen, elektrische Fliegenfänger oder geschlitzte Kinderhosen, die aus westlicher Sicht genauso exotisch wirken wie chinesische Hochkultur. Eine Edelstahl-Thermoskanne ist dort noch immer hohes Familiengut, trotz verfügbarer Heißwasserspender. Vor allem Ältere füllen ihr Wasser in die gemusterten Kannen ab, mit denen sie einst als „Modellarbeiter“ oder Sänger ausgezeichnet wurden. Daneben steht die graue Purpursand-Teekanne, in schlicht eleganter Form produziert aus „Erde des Überflusses“ der Provinz Jiangsu. Darin hält sich speziell zubereiteter Tee lange warm und behält den Duft.
Das Kreativ-Team der „Popcorn Idea Factory“ hat sein kulturanthropologisches Ziel erreicht: Zwischen Motorrad-Rikschas und China-Fahrrädern, goldenen Sparschweinen, elektrischen Fußbadewannen für die Reflexzonen, nach Mondphasen gemixtem „Acht-Kostbarkeiten-Reisbrei“ und allgegenwärtiger „Banknotenprüfmaschine“ tut sich eine Welt auf, die von unserer (noch) erheblich verschieden ist.
Quelle: op-online.deRubriklistenbild: © p
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