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Mastsanierung an der Hochspannungstrasse zwischen Münster und Urberach dauert fünf Wochen

Drahtseilakt für den Energiefluss

Münster - Ein spannungsgeladener Drahtseilakt spielt sich derzeit im wahrsten Sinne des Wortes hoch über den Dächern der Schule auf der Aue in Münster ab. Von Thomas Meier

© Th. Meier

Querverstrebungen austauschen und Lackschäden ausbessern: Über der Aue-Schule in Münster herrscht derzeit rege Betriebsamkeit.

Artisten gleich kraxeln dort seit Anfang der Woche hochspezialisierte Arbeiter in den Masten der 110 Kilovolt-Hochspannungsleitung herum, die zwischen Münster und Urberach verläuft. Rund fünf Wochen werden die Instandsetzungsarbeiten währen.

110.000 Volt Spannung hat der Strom in den armdicken Kabeln. Auf zehn Kilometern Länge sorgen rund 30 sogenannte Donau-Masten dafür, dass die gefährliche Ladung auch hoch droben in den Lüften bleibt.

Verantwortlich für diesen Teil des Stromnetzes ist die RWE AG (bis 1990 Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG) mit Hauptsitz in Essen, einer der größten Energieversorgungskonzerne Europas und gemessen am Umsatz der zweitgrößte Deutschlands. Laut Pressesprecher Jürgen Esser dienen diese Arbeiten der Mast-ertüchtigung. Die Trasse befinde sich dank steter Wartung in gutem Zustand. Baukontrolleure von RWE-Deutschland hätten im Vorfeld die Mastspitzen per Fernglas und auch durch Inspektionen aus dem Helikopter heraus in Augenschein genommen. Nun seien die Arbeiter in 30 bis 70 Meter Höhe beispielsweise mit dem Austausch diagonaler Verstrebungen beschäftigt, an denen Wind und Wetter bereits sichtbare Spuren hinterlassen haben. Der Austausch sei ein vorbeugender, und nicht an allen Masten müssten zwingend solche Arbeiten vonnöten sein. Und so kann Esser auch erst nach Abschluss der Arbeiten sagen, was dieser Durchgang in luftiger Höhe kosten wird.

Lange Leitung

Seit dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie kommt dem Hochspannungsnetz in Deutschland eine noch gewichtigere Bedeutung zu. Der Begriff „Stromnetz“ umfasst dabei das Verbundnetz zur Versorgung der Verbraucher durch die Energieversorgungsunternehmen mit elektrischer Energie. Das in Europa üblicherweise mit 110 kV betriebene Verteilnetz sorgt dabei für die Grobverteilung des Stroms. Weitere kleinere Leitungen führen dann in die verschiedenen Regionen und Ballungszentren. Das deutsche Stromnetz ist etwa 1,78 Millionen Kilometer lang, davon fallen über 76 000 Kilometer auf die Hochspannungsebene.

Die 110 kV-Stromleitungen sind an den Masten mit Porzellan-Isolatoren befestigt, die bei den derzeitigen Arbeiten unberührt bleiben. Die Leitungen selbst sind nicht isoliert, was sie gefährlich macht. Üblicherweise werden die Hochspannungsleitungen mit Dreiphasen-Wechselstrom betrieben. Dies hat zwar Vorteile bei der Transformierbarkeit, bringt jedoch – gerade bei großen Entfernungen – auch höhere Übertragungsverluste mit sich. Die hohen Spannungen schließlich sind notwendig, um auch hohe Mengen übertragen zu können, denn der Strom ist durch den Querschnitt der Leitungen begrenzt.

Hochspannungsleitungen werden vorwiegend als Freileitung gebaut, weil diese erheblich preiswerter und verlustärmer als Erdkabel beziehungsweise Seekabel sind. Allerdings sind die hochgehängten Stromer seit Jahrzehnten nicht unumstritten. Weniger wegen der mit den Trassen einhergehenden „optischen Landschaftsverschmutzung“ als vielmehr durch die Sorge um gesundheitliche Beeinträchtigung. Die Diskussion über Elektro-smog kommt immer wieder auf. Auch ist der Landschaftsverbrauch durch die Überlandleitungen ein hoher. Unter den Trassen gelten überdies spezielle Baubedingungen.

Quelle: op-online.de

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