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Kirchengemeinden und Weltläden rütteln mit kritischem Film Gemüter in fast vollbesetztem Kaisersaal auf

Kühlschrank Vorstufe der Mülltonne?

Münster/Eppertshausen - Es sind Fakten, die schockieren: Rund die Hälfte der Lebensmittel der westlichen Welt - bis zu 20 Millionen Tonnen alleine in Deutschland - landen jedes Jahr auf dem Müll. Das sind jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot. Von Michael Just

© Just

Gut gefülltes Kino: Rund 150 Besucher wollten den Film „Taste The Waste – warum schmeißen wir Essen auf den Müll?“ sehen. 

Mit dem Essen, was in Europa und Amerika weggeworfen wird, könnten alle Hungernden der Welt nicht nur einmal, sondern dreimal satt werden.

Der Film „Taste The Waste – warum schmeißen wir Essen auf den Müll?“ geht dem Problem auf den Grund. Jetzt wurde er als Sonderprogramm im Münsterer Kino in einer Aktion der evangelischen und katholischen Gemeinden Münster, Altheim und Eppertshausen, des evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald und den drei Weltläden in Dieburg, Eppertshausen und Babenhausen gezeigt. Im Anschluss wartet noch eine Diskussionsrunde.

Auch außerhalb der Kirche Präsenz zeigen

„Die Beteiligten wollten schon immer mal was zusammen angehen. Dazu passt das Thema ideal zu uns“, sagt Klemens Euler vom Eppertshäuser Weltladen. Die Idee stammt von Pfarrer Christoph Samens, der Kinobetreiber Dieter Müller gut kennt und auch schon mit dem Film „Die unbequeme Wahrheit“ von Al Gore einen Denkanstoß im Kaisersaal gab. Dass die Kirche in diesem Fall als Filmvorführer agiert, lobt Annette Herrmann-Winter vom Dekanat Vorderer Odenwald: „Wir zeigen damit, dass wir gesellschaftspolitisch etwas zu sagen haben.“ Dazu sei es gut, auch einmal außerhalb des Gotteshauses auf sich aufmerksam zu machen. Für Christoph Sames kommt die Kirche ihrem Auftrag nach Bewahrung der Schöpfung, für Gerechtigkeit und Frieden nach.

Mit rund 150 Besuchern konnte sich die Resonanz an der Kinokasse sehen lassen. Der 90-minütige Film von Valentin Thurn, gedreht im vergangenen Jahr, zeigt erschütternd die Vielzahl von Gründen für die Lebensmittelvernichtung auf. Sie reichen von überzogenen Hygiene- und Lebensmittelgesetzen, Strategien der Supermärkte, dass nur ganz frische, optisch schöne Lebensmittel in stets vollen Regalen Umsatz bringen, Handelsklassen, die für massenhaft Ausschuss sorgen bis hin zu Verbrauchern, die nur nach dem Auge kaufen. Es gibt mancherorts Farbtabellen für Lebensmittel, manche Gurke landet gleich auf dem Müll, nur weil sie zu krumm ist. Dass viele Kühlschränke nur Vorstufen zum Mülleimer sind, funktioniert vor allem auch deshalb, weil die westlichen Länder die Verschwendung bezahlen.

Verrottende Lebensmittel sind Belastung für Umwelt

Doch dies alles zeigt sich eher unbemerkt auch als folgenschwer: In der Herstellungs- und Transportkette wird ein Meer an Treibstoff und Energie verschwendet, mit dem man ganze Kraftwerke einsparen könnte. Bei der Verrottung der Lebensmittel wird Methangas als Klimakiller frei. Und in der Dritten Welt verdrängt der skandalöse Massenbedarf die heimische Nahrungsmittelproduktion und führt zu Hunger.

Da der Film erst um 20.30 Uhr startete, blieb zur anschließenden Diskussion um 22 Uhr nur noch ein kleiner Kreis von etwa ein Dutzend Personen. Die wichtigste Frage hier: Was kann jeder einzelne tun? „Bewusster planen und einkaufen, dabei regionale Produkte auf Wochenmärkten mit wenig Zwischenhändlern bevorzugen“, lauteten Lösungsansätze. Dazu das eigene Kaufverhalten überdenken: „Die meisten Menschen sind gegen die Massentierhaltung. Beim Einkaufen zählt dann aber doch nur der Preis“, führte Herrmann-Winter an. Eine weitere Forderung aus der Runde: Der Aufdruck „mindestens haltbar“ sollte in eine „Gütegarantie“ umbenannt werden. Nur so komme man weg von der Ansicht über ungenießbare Lebensmittel nach der Mindesthaltbarkeit.

Umdenken notwendig

Für Pfarrer Harald Christian Röper ist eine komplett neue Denkweise für die Achtung von Nahrungssmittel notwendig. Mit der industriellen Übertragung von Massenproduktion auf die Landwirtschaft sei dies aber schwierig. Pfarrer Christoph Sames bezeichnete es als reichlich irrational, dass selbst auf Salz, das zuvor Jahrtausende im Berg lagerte, Vorschriften ein Haltbarkeitsdatum verlangen.

Der Abspann des Films offenbarte dazu selbst eine Groteske: Den förderte nämlich die EU, obwohl sie durch viele ihrer Richtlinien selbst zur großangelegten Lebensmittelvernichtung beiträgt. Da bleibt nur Kopfschütteln und die Aussage einer Frau im Film: „Das ist schlimm, aber so ist die Welt.“

Quelle: op-online.de

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