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Lesekreis des Geschichtsvereins nimmt alte Dokumente unter die Lupe und entdeckt dabei historische Schätze der Stadt Münster

Gedächtnis der Gemeinde erhalten

Münster - Wichtige Daten der großen Geschichte sind gut untersucht, von der Entdeckung Amerikas über die Französische Revolution bis hin zum Fall der Mauer. Von Jasmin Frank

Das Lesen alter Schriften erfordert Übung und Konzentration.

© jas

Das Lesen alter Schriften erfordert Übung und Konzentration.

Doch wer kümmert sich um die Details der Historie, über den Alltag der Menschen vor hunderten von Jahren und über die Geschehnisse in kleinen Gemeinden wie Münster? Weil an den Universitäten zumeist die großen Fragen der Menschheit beantwortet werden wollen, gibt es überall im Land Heimat- und Geschichtsvereine, die sich mit den Begebenheiten vor Ort befassen, und so ist es auch in Münster.

„Unser Verein hat sich anlässlich der 750-Jahr-Feier der ersten urkundlichen Erwähnung Münsters im Jahr 2004 gegründet. Nach einem Blick ins Archiv war uns schnell klar, dass wir einen regelmäßigen Lesekreis brauchen, der die alten Dokumente in Augenschein nimmt“, informiert Ernst-Paul Winter, der den Lesekreis „Alte Schriften“ leitet. Jeden zweiten Montag im Monat treffen sich die Freunde alter Urkunden, Briefe und Protokolle in den Räumen des Museums an der Gersprenz und nehmen handschriftliche und für den Laien kaum zu entziffernde Schriftstücke unter die Lupe.

Themen, die aktuell für Münster von Bedeutung sind

„Wir orientieren uns gerne an Themen, die aktuell für Münster von Bedeutung sind, so haben wir uns im vergangenen Jahr mit dem Umbau der Pfarrkirche Sankt Michael beschäftigt, der vom Ende des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts vollzogen wurde“, erläutert Waltraud Thomas, die seit vielen Jahren Ahnenforschung betreibt und die Stammtafel ihrer Familie bis in das Jahr 1690 zurückverfolgen kann. Derzeit steht „das Feuerlöschwesen der Gemeinde Münster“ auf der Tagesordnung der etwa acht Personen, die sich mit Geduld und Fleiß den Archivalien widmen.

„Es ist nicht leicht, sich die Handschriften anzueignen, aber ich betreibe seit mehr als 30 Jahren Familienforschung, und da muss man vor allen Dingen eines: lesen, lesen und nochmals lesen. Und dabei gilt: Übung macht den Meister. Irgendwann erkennt man die Handschriften auf Anhieb, hat sich an die gewundene Sprache gewöhnt und es sind einem zahlreiche Begriffe geläufig, die heute an sich niemand mehr kennt“, berichtet Winter von seiner Arbeit.

Nur eine einzige Feuerspritze

Der Vorsitzende Ernst-Peter Winter zeigt: Was wie ein L aussieht, entpuppt sich als B.© jasDer Vorsitzende Ernst-Peter Winter zeigt: Was wie ein L aussieht, entpuppt sich als B.

Herausgefunden haben die Hobby-Forscher bereits, dass es in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst nur eine einzige Feuerspritze für die Ortschaften Langstadt, Harpertshausen, Altheim und Kleestadt gab, die in Langstadt stationiert war. Wie mühsam es war, einen Brand in Altheim zu löschen, wenn erst mit dem Pferdefuhrwerk oder gar zu Fuß die Feuerspritze aus Langstadt geholt werden musste, ist gut vorstellbar, zumal die Häuser zur damaligen Zeit vorwiegend aus Fachwerk bestanden. Als es dann um die Anschaffung neuer Feuerspritzen für die anderen Gemeinden ging, musste geklärt werden, wer das alte Exemplar zu welchem Preis bekam. „Eine Freiwillige Feuerwehr wurde in Münster nach einem Großbrand in der Bachgasse im Jahr 1872 gegründet und war damit die zweite überhaupt im Kreis. Das war zwar an sich eine gute Sache, jedoch gab es Anfangsschwierigkeiten, sodass der damalige Bürgermeister Roßkopf das ganze Projekt beenden wollte. Doch das Kreisamt forderte ihn auf, weiterzumachen und es kam zu Neuwahlen des Vorstands“, erläutert Winter und zeigt auf seinem Dokument die entsprechenden Stellen vor.

Wie kompliziert die damalige Sprache war, zeigt ein Schreiben des Bürgermeisters aus dem Jahr 1876: „Vorstehendes Wahlprotokoll übersenden wir Hoher Behörde unter dem gehorsamsten Anfügen, daß wir sowohl gegen die Wahl als die Gewählten Nichts zu erinnern haben.“ Ganz zufrieden ist Winter mit der Auswertung der Quellen nicht, denn er meint: „Wir sehen leider häufig nur eine Seite der Briefwechsel. Zum einen sind nicht alle Dokumente erhalten geblieben, zum anderen sind sie in vielen verschiedenen Archiven untergebracht. Als wir zur Geschichte unserer Schule geforscht haben, mussten wir uns in Würzburg, Mainz, Münster und Darmstadt umschauen.“

„Durch die Schriftstücke viel über das Leben der Menschen erfahren“

Dennoch sind die Autodiktaten mit großem Enthusiasmus bei der Arbeit, und auch die jüngere Generation kann sich für die Forschung begeistern. „Ich habe ein allgemeines Interesse für Geschichte und finde, dass wir durch die Schriftstücke viel über das Leben der Menschen erfahren, und das ist richtig spannend“, freut sich der Jüngste in der Gruppe, Horst Hartmann, und Winter fügt hinzu: „Wenn sich keine jungen Leute finden, bei unserem Projekt mitzumachen, geht das Gedächtnis der Gemeinde verloren.“

Wer das verhindern will, kann sich dem Heimat- und Geschichtsverein anschließen und vielleicht sogar schon etwas zur nächsten Ausstellung zum 140-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr beitragen, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Weitere Informationen gibt es beim Vorsitzenden Kai Herd unter Telefonnummer  06071 604536.

Quelle: op-online.de

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