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Haus der Kinder in Münster: Neubau und Komplettsanierung zu teuer

Neubau ist derzeit unbezahlbar

Münster - Sanieren oder neu bauen, das ist nun die Frage, an deren Beantwortung sich Münsters Polit-Ausschussmitglieder überfordert sehen. Sie verweisen das Problem an die Gemeindevertretersitzung. Von Jasmin Frank

© Frank

Sanierung pur oder mit energetischen Maßnahmen - diese Frage stellt sich beim Haus der Kinder.

Die enormen Schäden an der Kindertagesstätte „Haus der Kinder“ lassen das Parlament nicht zur Ruhe kommen. Am Montag war deshalb eine gemeinsame Sitzung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses sowie des Haupt- und Finanzausschusses einberufen worden, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen.

Bereits im November des vergangenen Jahres war entschieden worden: Es muss etwas getan werden; und zwar schnellstmöglich. Deshalb war damals als Beschlussvorschlag für die Gemeindevertretung zunächst der Auftrag an den Gemeindevorstand erteilt worden, eine Containerplanung in die Wege zu leiten, denn früher oder später muss der Kindergarten ausgelagert und auf dem Gelände an der Kulturhalle untergebracht werden.

Nun ging in den Ausschüssen die Debatte weiter, ob ein Neubau oder eine Sanierung angestrebt werden soll. Nach der bisherigen Kostenschätzung des Architekten Rudolf Happel würden sich die Kosten für eine Komplettsanierung auf 1,4 Millionen Euro belaufen, für einen Neubau wären etwa zwei Millionen Euro fällig. Als Neubau käme eine zweigeschossige Vari-ante in Frage, da diese zehn bis 15 Prozent günstiger sei als ein eingeschossiger Bau.

Grundlegende Maßnahmen und energetische Sanierung

Die Sanierungskosten setzen sich aus zwei Teilen zusammen: 750.000 für grundlegende Maßnahmen und 650.000 für die energetische Sanierung. Anwesend war neben Happel auch Bauphysiker Guido Mrziglod, der einen energetischen Vergleich zwischen Bestand, Sanierung und Neubau vorstellte und dabei verschiedene Möglichkeiten in seine Berechnung mit einbezogen hatte, so eine Sanierung mit und eine ohne Wärmerückgewinnung sowie eine weitere Version ohne Wärmerückgewinnung, dafür aber mit thermischer Solaranlage zur Warmwasserbereitung.

Ähnlich sah die Vielfalt in den errechneten Neubauvarianten aus. „Bei einer kompletten Sanierung des Kindergartens kann von einer Endenergieeinsparung von etwa 50 Prozent ausgegangen werden. Ein zweigeschossiger Neubau lässt etwa zehn bis 20 Prozent bessere Energiekennwerte als ein sanierter Bestandsbau erwarten“, informierte der Fachmann und zog sein Fazit: „Bezogen auf die zu erwartende Energiekosteneinsparung erscheinen die vermutlichen Mehrkosten eines Neubaus allerdings nicht wirtschaftlich.“

Nach diesem Urteil waren sich alle Fraktionen schnell einig: Ein Neubau kommt aufgrund der prekären Haushaltslage der Gemeinde derzeit nicht in Frage. Doch bei der Beschlussfassung über die der Gemeindevertretung zu empfehlende Sanierungsvariante gab es erhebliche Differenzen. So meinte Boris Rudolf für die CDU-Fraktion: „Wir haben die Pflicht, schnellstmöglich die Schäden zu beheben, zum Wohle der Kinder und der Erzieherinnen, so dass wieder ein reibungsloser und sicherer Kindergartenbetrieb möglich ist. Dafür benötigen wir aber keine energetische Sanierung für 650.000 Euro. Dieses Geld können wir anderweitig besser verwenden.“

SPD spricht von „Billigsanierung“

„Fassungs- und sprachlos“, befand sich die Gegenseite für einen kurzen Moment nach diesem Statement, legte dann aber ihre Meinung ausführlich dar. „Der jetzige Zustand der Kindertagesstätte ist von der Mehrheitsfraktion zu verantworten und nun strebt diese eine Billigsanierung an“, ereiferte sich Klaus Bulang von der SPD-Fraktion. Und Gerhard Bonifer-Dörr argumentierte für die Alternative Liste Münster und Altheim (ALMA): „Sicherlich muss den begrenzten Mitteln der Gemeinde Rechnung getragen werden, weshalb ein Neubau eben nicht in Frage kommt. Aber preisgünstig ist in diesem Fall eben nicht zukunftsweisend. Wir wollen Eltern und Kinder nicht mit einer Billiglösung abspeisen und sehen in dem Vorschlag der CDU keinen Mut zur Zukunft.“

Auch wenn Rudolf dann noch einmal darauf verwies, dass die von seiner Fraktion vorgeschlagenen Maßnahmen keine Billigvariante seien sondern das Ziel hätten, eine einwandfreie Sanierung zu gewährleisten, tobte die Diskussion lange Zeit hin und her. Bauphysiker Mrziglod wies zudem darauf hin, dass bei verschiedenen Sanierungsmaßnahmen ohnehin bestimmte energetische Arbeiten rechtlich vorgeschrieben seien. Werde etwa die Außenfassade in Angriff genommen, käme die Gemeinde um eine Dämmung des Gebäudes nicht herum. Insgesamt waren die Meinungen der Münsterer Fraktionen jedoch nicht unter einen Hut zu bringen, zudem wollten SPD und ALMA eine größere Bedenkzeit vor einer Empfehlung haben, so dass eine neuartige Vorgehensweise beschlossen wurde: Die Ausschüsse verzichteten auf einen Beschlussverschlag für die Gemeindevertretung, so dass diese nun bei ihrer nächsten Sitzung selbständig zu einem Ergebnissen kommen muss.

Quelle: op-online.de

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