Neuer Gesundheitsskandal

Kommentar: Kranke Versicherte, aber gesünderes Deutschland

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An der Bewertung gibt´s nach den Meldungen der vergangenen Woche nichts zu deuteln: Deutschland hat einen neuen Gesundheitsskandal. Und wie so oft liegt nicht gerade der Fehler im System, doch begünstigt dieses betrügerische Manipulationen. Von Frank Pröse 

Im Wirrwarr des zwischen den Kassen organisierten sogenannten morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs werden im Zusammenspiel von Krankenkassen und Ärzten den Versicherten Hunderte Millionen Euro vorenthalten, weil die Klientel auf dem Papier kränker eingestuft wird als sie eigentlich ist. Wie krank aber muss erst dieser mit hehren Absichten konstruierte solidarische Finanzausgleich zwischen den Versicherungen sein, wenn es sich für sie lohnt, Patienten bestimmte Handicaps anzudichten? Und es lohnt sich! Sonst würde die Kassenärztliche Vereinigung die Bereitwilligkeit der Ärzte zur Teilnahme am Betrug ja wohl nicht damit begründen können, von den Kassen massiv unter Druck gesetzt worden zu sein, medizinisch inkorrekte Diagnosen zu stellen. Da wurden offensichtlich Fehlanreize gesetzt, welche die Kassen geradezu animiert haben, sich aus dem prall gefüllten Solidartopf zu bedienen. So etwas wird gerne auch mal Rattenrennen genannt.

Was dieser Tage öffentlich wurde, war der Politik schon länger bekannt. Auch war sie längst mit Forderungen konfrontiert, das über Gebühr komplexe und intransparente System zu überarbeiten. Jetzt erst hat die Öffentlichkeit Kenntnis von dem Skandal, jetzt endlich reagieren die Angesprochenen, machen sich großspurig zum Anwalt der übervorteilten Versicherten, derweil die unmittelbar Beteiligten sich für die Missstände nicht zuständig erklären.

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Es ist freilich müßig, die Verantwortlichkeiten klären zu wollen. Alle zusammen müssen den Umverteilungsmechanismus neu justieren. Das ist die erste, weil auf der Hand liegende Konsequenz aus dem Skandal. Zur zweiten gehören zumindest Zweifel an den bisher von den Kassen vorgelegten Statistiken zum Gesundheitszustand der Bevölkerung. Basieren die nämlich auf den von vielen Ärzten manipulierten Diagnosen, kann das Fazit nur lauten: Die Deutschen sind gesünder als gedacht. Die Zunahme an Diabetes, Bluthochdruck, Rückenkleiden und Depressionen - alles gar nicht so schlimm? Oder stimmen die Angaben wenigstens in der Tendenz oder haben die Kassen etwa einen Betrugskoeffizienten eingerechnet? Fragen über Fragen, die an dieser Stelle nicht beantwortet werden können, die aber zumindest hoffen lassen auf ein Deutschland, das gesünder ist, als es die Statistik ausweist.

Quelle: op-online.de

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