Wenn das Vertrauen fehlt

Kommentar: Auf dem Weg zum neuen Kalten Krieg

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Der Krieg in Syrien wird derzeit begleitet vom Krieg der Worte zwischen den Supermächten USA und Russland. Es wird gesprochen, nur nicht mehr miteinander. Dafür wird der Ton gegenseitiger Vorwürfe immer schärfer. Von Frank Pröse

Und weil für die USA im Syrien-Konflikt die „Geduld mit Russland am Ende“ ist, sucht Moskau die direkte Konfrontation, fühlt sich plötzlich nicht mehr an ein bilaterales Abkommen zur Beseitigung atomwaffenfähigen Plutoniums gebunden. Eine Rückkehr zum Abrüstungsvertrag verbindet Putin zugleich mit kaum erfüllbaren Bedingungen, denn die neue Eskalationsstufe auf dem Weg zu einem durchaus möglichen neuen Kalten Krieg spielt ihm in die Karten, hilft es doch der Reputation als Supermacht. Russland bietet nämlich über den Austausch von Unfreundlichkeiten vor aller Öffentlichkeit jenen die Stirn, die es vor nicht allzu vielen Jahren als Regionalmacht verspottet haben. Jetzt ist Putin in einer starken Position, er hat sein Land als maßgebliche Macht im Nahen Osten etabliert, mindestens auf Augenhöhe mit den USA. Insofern und eingedenk der Persönlichkeitsstruktur und des Machtstrebens von Wladimir Putin liegt die Strategie Moskaus also auf der Hand. Welches Ziel aber verfolgt Washington mit der Beendigung des Dialogs, zumal damit feststeht, dass nur noch über Gewalt ein Ende des Krieges herbeigeführt werden kann?

Das Sterben auch in Aleppo geht weiter, weil im Weißen Haus wie im Kreml niemand ernsthaft an einer friedlichen Lösung in Syrien interessiert ist, solange noch jede Seite nach der besseren Ausgangsposition zur Fortsetzung des Kalten Krieges sucht. Völkerrecht und Menschlichkeit, die von einer wieder einmal hilflosen UN eingeklagt werden, spielen angesichts dieser Konkurrenz der Supermächte in Syrien keine Rolle mehr. Die USA wollen das syrische Volk zwar „nicht im Stich lassen“. Doch der verbalen Beteuerung des US-Außenministers sollte angesichts der sehr eingeschränkten militärischen Möglichkeiten ebenso wenig Bedeutung beigemessen werden wie den Forderungen nach Luftschlägen aus der Ecke von US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Es ist eine diplomatisch verkleisterte Floskel, mehr nicht. Der Krieg in Syrien wird aus heutiger Sicht mit einem Blutbad enden - und das im 21. Jahrhundert! Dann wird die Welt vielleicht wieder in zwei Blöcke aufgeteilt sein, die sich feindlich gegenüberstehen. Wer hätte eine solche Konfrontation vor einem Vierteljahrhundert beim Fall des Eisernen Vorhangs für möglich gehalten?

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Quelle: op-online.de

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