Ein letztes Aufgebot

Kommentar: Schulz als SPD-Kandidat im Gespräch

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Frank Pröse

So schnell ändern sich die Zeiten. War die Zustimmung des SPD-Konvents zum europäisch-kanadischen Freihandelsabkommen Ceta auch als Zustimmung für einen Kanzlerkandidaten Sigmar Gabriel gewertet worden, mehren sich nun offenbar auf einmal die Stimmen, die den Genossen EU-Parlamentspräsident Martin Schulz für diese Kandidatur favorisieren. Von Frank Pröse 

Es lässt sich herrlich darüber spekulieren, warum jetzt ziemlich wahllos ein Name nach dem anderen in die Arena geworfen wird, in der sich ja in noch aussichtsloserer Position Frank-Walter Steinmeier und Manuela Schwesig tummeln. Eindeutig aber ist: Wenn die Partei kein geeignetes Personal hat, kann sie eben auch keines überzeugend anbieten. Dann wird sogar einer wie Schulz ins Gespräch gebracht, was den Verdacht nährt, die EU-Administration tauge plötzlich nicht mehr als Auffangbecken für Politiker mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum. Ja, diese Wertung ist bösartig, entspringt aber der erfolglosen Suche nach einer befriedigenden Antwort nach dem Warum, gibt es doch keinen signifikanten substanziellen Unterschied zwischen Gabriel und Schulz. Beide agieren als Steigbügelhalter der Schröderschen Agenda 2010 neoliberal, helfen der SPD also nicht bei der dringend notwendigen Rückbesinnung auf originäre Werte und Ziele, mit der allein die Partei sich Hoffnung auf einen Wahlerfolg machen könnte. Gabriel ist zudem wegen seiner opportunistischen Haltung wenig gelitten, Schulz wegen seiner Hilfestellungen für den in der LuxLeaks-Affäre sturmreif geschossenen Steuervermeider Juncker sowie seiner Weigerung, während seines privaten EU-Wahlkampfes aufs Tagegeld der EU zu verzichten.

Wenn der SPD nichts Besseres als dieses letzte Aufgebot einfällt, bleibt nur der Trost, dass diese Personalien ja nur bei einem Erfolg von Rot-Rot-Grün eine Relevanz hätten. Und der ist mit solchen Köpfen an der Spitze unwahrscheinlich.

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Quelle: op-online.de

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