Eine Chance bekommen

Kommentar zum Thema Sterbehilfe für Minderjährige

+

Zum ersten Mal wurde bei einem todkranken Minderjährigen in Belgien aktive Sterbehilfe geleistet. Seit 2014 ist dies in dem Land legal. Auch dieser Fall und die öffentliche Debatte zeigen: Sterbehilfe ist ein weltweit scharf diskutiertes Thema. Von Peter Schulte-Holtey

In vielen Ländern ist sie verboten, in Deutschland wurde geschäftsmäßige Sterbehilfe Ende vergangenen Jahres vom Bundestag unter Strafe gestellt. In den Niederlanden ist dagegen wie in Belgien Sterbehilfe selbst für Minderjährige erlaubt, allerdings erst ab zwölf Jahren. Dieser Fall zeigt aber auch: Wie human eine Gesellschaft ist, entscheidet sich nicht an der Schleifung von Tabus, sondern darin, wie sie Hilflosen Unterstützung anbietet. Der Ausbau der menschenwürdigen Sterbebegleitung ist dringend erforderlich. Damit ist ein Auftrag an unserer Gesellschaft verbunden: Nicht das Sterben muss aktiv verkürzt, sondern diejenigen müssen wesentlich mehr unterstützt werden, die Sterbenden beistehen in den schwersten Stunden ihres Lebens: Angehörige und Hospizgruppen.

Und es ist richtig, dass in Deutschland nicht an der Strafbarkeit der aktiven Sterbehilfe gerüttelt wird. Der Staat darf kein Signal für eine freizügigere Auslegung von Verbotsnormen geben. Die Gefahr, dass dies in der Praxis als Schritt hin zu einer immer großzügigeren Auslegung der Sterbe-Unterstützung missverstanden werden könnte, ist viel zu groß. Wenn Menschen eine Chance bekommen, menschenwürdig zu sterben, wenn auch junge Schwerkranke vorab Regelungen treffen, ab wann sie keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr wollen, und sie sich bei Ärzten gut aufgehoben fühlen, ist das die bessere Alternative.

Bundestag will geschäftsmäßige Sterbehilfe verbieten

Quelle: op-online.de

Kommentare