Helfer berichten

Mindestens 25 Tote bei Luftangriffen auf Aleppo

Aleppo - Während die Welt über mögliche Kriegsverbrechen im syrischen Aleppo streitet, schlagen weiter Bomben im von Rebellen gehaltenen Teil der umkämpften Stadt ein. Auch die Helfer sind in Lebensgefahr - wegen einer heftig kritisierten Kriegstaktik.

Neue Luftangriffe nahe einem Markt im Rebellengebiet Aleppos haben nach Angaben von Helfern mindestens 25 Menschen getötet. Zudem seien am Mittwoch mehr als 20 Personen bei dem Bombardement im Stadtteil Al-Ferdous in der umkämpften syrischen Stadt verletzt worden, teilte die Organisation der Weißhelme mit. Die Angriffe wurden offensichtlich von den Truppen von Machthaber Baschar al-Assad oder deren Verbündetem Russland ausgeführt. Aktivisten berichteten, es seien wieder bunkerbrechende Bomben eingesetzt worden.

Am Dienstag waren nach Tagen relativer Ruhe erstmals wieder schwere Bombardements auf Aleppo niedergegangen. Dabei starben nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 27 Menschen. Die Weißhelme berichteten sogar von 41 Todesopfern.

Bei den Weißhelmen handelt es sich um eine Hilfsorganisation, die im umkämpften Aleppo und anderen Gebieten des Bürgerkriegslandes Überlebende nach Angriffen sucht. Ihre Informationen haben sich in der Vergangenheit als verlässlich erwiesen. Bei den Kämpfen werden auch viele Kinder verletzt.

Wiederholte Angriffe häufig angewandte Kriegstaktik

Die Helfer waren bei der Suche nach Überlebenden selbst in Lebensgefahr, weil ein weiteres Bombardement das Gebiet kurz nach ihrem Eintreffen erschütterte, wie Weißhelm-Sprecher Ibrahim al-Hadsch berichtete. Wiederholte Angriffe auf dasselbe Gebäude sind eine häufig angewandte Kriegstaktik, um die Rettung von Opfern zu verhindern.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF)  kritisierte diese regelmäßigen Doppelschläge scharf. „Wenn die Teams der Rettungswagen den betroffenen Ort erreicht haben, greifen Kampfflugzeuge zweites Mal an“, hieß es in einer MSF-Stellungnahme unter Berufung auf einen Sanitäter in Ost-Aleppo. „So erhöht sich die Zahl der Verletzten und Getöteten, und zusätzlich werden Krankenwagen zerstört. Wir verlieren ausgebildete Helfer und Fahrzeuge.“ Im belagerten Ostteil der Stadt seien derzeit nur noch elf Krankenwagen einsatzfähig.

Aleppo ist das am stärksten umkämpfte Gebiet im syrischen Bürgerkrieg. Anhänger des Regimes kontrollieren den Westen Aleppos, Rebellen den Osten. Dieser Teil der Stadt erlebte Ende September die heftigsten Angriffe seit Ausbruch des Konflikts im Jahr 2011. Die Gewalt in der ehemaligen Handelsmetropole nach einer gescheiterten Waffenruhe führte zuletzt zu tiefen Spannungen zwischen den USA und Russland.

dpa

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