Präsidentschaftswahlen in den USA

Donald Trump wird immer unbeliebter - auch in eigener Partei

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Donald Trump treibt Teile seiner eigenen Partei zur Verzweiflung. Foto: Jim Lo Scalzo

Washington - Drei Monate noch bis zur Präsidentschaftswahl in den USA und die Republikaner sind in heller Aufruhr: Ihr Kandidat Donald Trump lässt sich nicht unter Kontrolle bringen. 

Auflösungserscheinungen bei der Grand Old Party: Die US-Republikaner wissen nicht mehr, wie sie mit ihrem wild um sich schlagenden Präsidentschaftskandidaten Donald Trump umgehen sollen. Der 70 Jahre alte Immobilienmilliardär aus New York hat die Partei drei Monate vor der Wahl am 8. November in die vielleicht tiefste Krise seit Watergate gestürzt. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Alle Entwicklungen rund um die Präsidentschaftswahlen in den USA lesen Sie in unserem News-Blog.

Donald Trump wird immer unbeliebter

Trumps Umfragewerte sind im freien Fall. Im wichtigen Swing State Pennsylvania liegt der Republikaner nach einer neuen Umfrage elf Punkte hinter Clinton, in New Hampshire 17 Punkte und in Michigan neun Punkte. Selbst im konservativen Südstaat North Carolina, wo Trump für einen Wahlsieg im November unbedingt gewinnen muss, liegt Clinton noch knapp vorn. Landesweit hat Clinton einen Vorsprung im zweistelligen Bereich.

Viel schlimmer aus Sicht der Republikaner ist aber, dass der Kandidat Trump offenbar völlig beratungsresistent ist. Einflussreiche Größen in der Partei wie der frühere Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Newt Gingrich, erreichen ihn nicht. Der frühere Parteichef Michael Steele, sprach am Donnerstag Klartext. "Wenn Du diesen Job haben willst, dann wäre es gut, wenn Du anfängst, Dich so zu verhalten. Sonst ist es vorbei."

Die Parteiführung ist stocksauer

Die Parteiführung ist nach einer Serie Trumpscher Fehltritte binnen weniger Tage, gipfelnd in dem tagelangen Streit mit den Eltern eines muslimischen US-Soldaten, der im Irak gefallen war, stocksauer. Parteichef Reince Priebus "platzt vor Wut" über Trump, wird kolportiert. Nach den Negativschlagzeilen hatte Trump nichts Besseres zu tun, als führenden Köpfen der eigenen Partei, darunter Abgeordnetenhaus-Chef Paul Ryan, trotzig die Gefolgschaft bei wichtigen Vorwahlen zu verweigern.

Der politische Gegner hat inzwischen jeden Respekt vor Trump und seiner Partei verloren. "Er hat eine Schraube locker", sagt William Weld, Vizepräsidentschaftskandidat für die chancenlose Libertarian Party und immerhin republikanischer Ex-Gouverneur von Massachusetts, unverblümt im Sender NBC. "Er kann vielleicht ein Unternehmen führen, Immobilien oder eine Wäscherei vielleicht, aber nicht das Weiße Haus." Die "New York Times" sprach am Donnerstag in Bezug auf Trump vom "Verhalten eines Kleinkindes". Die Zeitung schrieb bewusst nicht Baby, weil Trump schon einige wenige Worte verwende.

Vertrauen der Wähler ist auf dem Tiefpunkt

Die Republikaner bezahlen im Moment auch die Rechnung für eine Politik, die mit George W. Bush angefangen hat und in eine Blockadehaltung gegenüber Präsident Barack Obama mündete. Das Vertrauen der Stammwählerschaft in die Politikfähigkeit der Partei ist auf einem Tiefpunkt, die politischen Errungenschaften sind nach Jahren der parlamentarischen Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus an einer Hand abzuzählen. Die Wählerschaft schrie nach einem Anti-Establishment-Kandidaten, das heterogene Feld der Vorwahl-Kandidaten machte den Showman Trump dann möglich.

Die Folge: Die Republikaner müssen nicht nur befürchten, den Kampf um das Präsidentenamt zu verlieren und den Demokraten damit eine mindestens zwölfjährige Regentschaft zu überlassen. Sie bangen auch um die Mehrheit im Senat, wenn nicht sogar im Abgeordnetenhaus. Im Senat müssen die Demokraten nur vier der 100 Sitze "umdrehen", im Abgeordnetenhaus müssten sie 30 Sitze hinzugewinnen.

Bisher schneiden die konservativen Kandidaten in den Bundesstaaten noch alle besser ab als Trump als Präsidentschaftsbewerber, doch auch das ist nicht garantiert. "Trump könnte die Senatoren-Kandidaten mit sich runterziehen", analysiert der Politblog "FiveThirtyEight".

Manche glauben: Trump will gar nicht Präsident werden

Bei den Parlamentariern geht die nackte Angst um ihren Job um. Einige stellen die Frage, ob Trump überhaupt wirklich Präsident werden will, manche mutmaßen, er würde selbst eine erfolgreiche Wahl gar nicht annehmen. Wieder andere streuen das Gerücht, in der Partei sei eine geheime Kommandoaktion im Gange, die Trump als Kandidaten noch vor der Wahl absägen will. Eher Nervosität als Substanz, aber Ausdruck der Gefühlslage einer Partei, die Großes vorhatte. Die US-Medien sprechen martialisch von einem innerparteilichen Bürgerkrieg, "eine neue Stufe der Panik" sei erreicht, urteilt die "Washington Post".

Immerhin: Aus dem Trump-Lager, das noch am Mittwoch verkündet hatte, die Einheit sei nie größer gewesen, kam am Donnerstag erstmals so etwas wie Einsicht. Er habe sich ködern lassen, sei mit seinen jüngsten Attacken den Demokraten auf den Leim gegangen, räumte ein Trump-Vertrauter in US-Medien ein.

dpa

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