Drei Viertel der Menschen werfen den etablierten Parteien Realitätsferne vor

So viel Politikverdrossenheit war noch nie

Berlin/Offenbach - Die etablierten Parteien in Deutschland entfernen sich immer weiter von der Lebenswirklichkeit der Bürger. Wie aus einer Emnid-Umfrage für den Sender N24 hervorgeht, sind mittlerweile drei Viertel der Bevölkerung dieser Ansicht.

Auf die Frage „Sind politische Parteien realitätsfremd?“ antworteten 32 Prozent mit „Ja, sehr stark“ und 42 Prozent mit „Ja, stark“. „Nein, eher nicht“ meinten 20 Prozent, und nur zwei Prozent sagten „Nein, gar nicht“. Gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“ versuchte der Politikwissenschaftler Gero Neugebauer die zumindest empfundene Realitätsferne zu erklären: „Die parteiinterne Kommunikation funktioniert nicht. Bestimmte Gruppen werden nicht mehr vertreten“, sagte er. Dies führe dazu, „dass in der Tat nur noch ein kleiner Ausschnitt der Wirklichkeit an der Spitze ankommt“.

Der Politikwissenschaftler Jürgen Falter von der Uni Mainz meinte, dass es Politikverdrossenheit immer gegeben habe, aber: „In dieser Höhe hat das jedoch eine neue Qualität. Gründe sind, dass die Parteien in Wahlkämpfen stets so tun, als würden sie anschließend allein regieren, und dann in Koalitionen Kompromisse eingehen müssen. Da fühlt sich der Bürger verschaukelt.“ Auch die Globalisierung verunsichere die Menschen, ist sich Falter sicher. Sie habe „viele Gewissheiten infrage gestellt“. Hinzu käme die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als alternativlos dargestellte „Politik der offenen Grenzen“. Falter: „Dies hat fundamentale Sicherheitsgefühle erschüttert und ein Gefühl des Ausgeliefertseins hinterlassen.“

Die Medien kommen in der am 18. Mai geführten Umfrage ebenfalls schlecht weg: Fast zwei Drittel der Befragten finden nicht, dass die Presse die Sorgen und Nöte der Bevölkerung ausreichend abbildet. Und sieben von zehn Deutschen schließlich halten die steuerliche Abgabenlast für unfair verteilt.

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Quelle: op-online.de

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