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Trainer Arie van Lent ärgert sich über Spieler, die sich nicht wehren, und sieht den OFC noch im Aufstiegsrennen

„Wischi-waschi gibt es bei mir nicht“

Offenbach - Hans-Jürgen Boysen, Steffen Menze, Wolfgang Wolf, jetzt Arie van Lent. Jeder Trainer der Offenbacher Kickers in der 3. Liga verliert das erste Spiel nach der Winterpause. „Ich war fest überzeugt, dass ich die Serie beende. Aber aufgrund unseres schlechten Spiels hatten wir nicht mehr verdient“, sagt van Lent, sieht seine Mannschaft aber weiter im Aufstiegsrennen.  Von Jochen Koch

© Schüler

Arie van Lent hat in 22 Spielen als Kickers-Trainer 32 Punkte gesammelt, ein Schnitt von 1,45 pro Spiel. Nur Wolfgang Wolf hatte in der 3. Liga eine bessere Quote (1,70) - aber auch einen wesentlich höheren Etat vom Verein erhalten.

War das 0:1 gegen Chemnitz das schlechteste Heimspiel dieser Saison?

Mit eines der schlechtesten. Das war zu wenig. Warum, weshalb, wieso - soll jeder bei sich selbst nachfragen. Die Spieler haben schon gezeigt, dass sie es besser können. Wir müssen uns deutlich steigern.

Warum haben so wenige Spieler ihre Leistung abgerufen?

Wir haben von allem etwas zu wenig gemacht. Läuferisch, in Zweikämpfen, dazu eine hohe Fehlpassquote. Besonders hat mir das Aufbäumen während des Spiels gefehlt. Es ist nicht schlimm, wenn eine Mannschaft mal schlecht spielt, aber ich muss merken, dass von innen etwas kommt, dass sie sich wehrt, das habe ich nicht verspürt. Das muss sich ändern.

Warum findet der OFC kein Rezept, wenn Elton da Costa fehlt oder vom Gegner aus dem Spiel genommen wird?

Er hat eigentlich immer was drauf, was andere nicht können. Durch seine Technik, sein Auge. Er weiß auch, dass er nicht gut gespielt hat und muss nun dafür arbeiten, dass es wieder besser wird.

Ist man zu sehr von einem Spieler abhängig?

Wenn es bei ihm mal nicht läuft, müssen andere aus der Mannschaft diese Lücke auffüllen. Es geht nicht, sich nur auf Elton zu verlassen.

Sie loben Stefan Vogler für seinen kämpferischen Einsatz, für seine Laufstärke. Aber der einzige Stürmer im 4-1-4-1-System schießt keine Tore. Denken Sie an eine Umstellung oder einen Wechsel?

Diese Gedanken mache ich mir. Aber wir spielen nicht mit einer einzigen Spitze. Kai Hesse über rechts und Andre Hahn über links sollen die Spitze immer unterstützen, genau wie Elton da Costa. Wenn die Unterstützung für Vogler vorne fehlt, sieht der auch alt aus. Ich halte weiter an Vogler fest. Genau wie an Pascal Testroet, der auch seine Chance bekommen wird.

Sie haben auf Wintertransfers verzichtet. Ein Risiko?

Wir wussten schon im Sommer, dass wir im Winter nichts machen können. Wir haben uns auch keine Gedanken gemacht, eben weil wir in dieser Lage sind. Und wir sind mit unserer Mannschaft zufrieden, auch wenn wir immer noch im Umbruch sind.

Die Mannschaft hatte in der Vorrunde zwei Schwächephasen gut kompensiert. Haben Sie das Vertrauen, dass man auch das 0:1 gut wegstecken wird?

Wir können nicht jedes Spiel gewinnen, wir werden immer wieder mal verlieren. Unser Ziel muss sein, mehr Stabilität zu bekommen. Also schneller vom Misserfolg umzuschalten. Ich hoffe, dass diese schlechten Phasen noch kürzer werden.

Der Rückstand auf Platz 1, 2 und 3 beträgt acht, sechs und fünf Punkte. Ist der OFC noch im Aufstiegsrennen?

Ja. Wir werden die Saison jetzt bestimmt nicht hergeben. Wischi-waschi gibt es bei mir nicht. Wir möchten bis zum Ende, wenn es wirklich entschieden wird, oben dran bleiben. Dafür dürfen wir jetzt den Abstand nicht größer werden lassen.

Auch Platz vier hat mit dem Einzug in den DFB-Pokal einen besonderen Anreiz.

Ja klar, wir sollten zusehen, dass wir es in den DFB-Pokal schaffen. Das wäre für den Verein eine schöne Zusatzeinnahme, und die brauchen wir.

Wie sehr beeinflussen Diskussionen über Finanzprobleme, wie bei der Nachlizenzierung, die Mannschaft?

Das Positive daran ist, dass wir vom DFB grünes Licht bekommen haben. Es ist wichtig, zu wissen, dass der Verein bis zum Saisonende alles in trockenen Tüchern hat. Ich weiß nicht, ob das die Mannschaft belastet hat. Wichtig ist doch, dass die Spieler pünktlich ihre Gehälter bekommen, und das war immer der Fall.

Wie wichtig wird das Spiel am Samstag bei RW Oberhausen?

Sehr wichtig. Zum einen wegen der Punkte, und dass wir wieder zeigen, was wir wirklich drauf haben.

Schauen Sie in der Tabelle auch mal nach unten?

Aufpassen muss man immer, weil die Liga so kurios ist. Das sieht man am SV Wehen Wiesbaden. Die hatten ganz andere Ziele und auf einmal sind sie Siebzehnter. Wir machen uns da keine Sorgen, haben das aber im Auge. Oberhausen hat sechs Punkte Rückstand und will unbedingt da unten raus. Da sollten wir schon gewarnt sein, was uns am Samstag erwarten wird.

1994 sind zwei junge Spieler zu Werder Bremen gekommen. Mario Basler, heute Trainer bei Rot-Weiß Oberhausen, und Arie van Lent. Wie waren die drei gemeinsamen Profijahre mit Basler?

Er hat meistens gespielt, ich kaum.

Es gab bestimmt einige interessante Erlebnisse.

Oh ja. Wir mussten schon das eine oder andere Mal schmunzeln. Mario ist eben wie er ist. Er war schon immer ein Typ.

Ihr Vertrag in Offenbach läuft bis 2013. Wann trainieren Sie einen Zweitligisten?

Ich bin wirklich gerne in Offenbach. Wir haben hier einen Plan. Wir wussten, dass die Umsetzung holprig wird, aber wir ziehen das richtig durch. Ich bin froh, dass mein Vertrag bis 2013 läuft. Wenn man den in Offenbach zu Ende bringt, wäre das doch eine Sensation (lacht). Die 2. Liga mit Offenbach, das wäre das Beste. Aber man braucht Geduld. Nichts geht von heute auf morgen.

Quelle: op-online.de

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