TV-Team macht den Test

ARD-Check: Deichmann ist wirklich so billig, aber ...

Kaum zu glauben, das steckt hinter den günstigen Schuhen bei Deichmann.

München - Deichmann ist für viele Deutsche der beliebteste Händler für Schuhe. Nun hat ein ARD-Team Preise, Qualität, Stylefaktor und Arbeitsbedingungen unter die Lupe genommen. Mit überraschenden Ergebnissen.

Deutschland ist als Nation der Sparer bekannt und das nicht nur im Sinne von Geld beiseite legen, sondern auch hinsichtlich dem Wunsch, Dinge günstig zu erwerben. Dies zählt oft für Lebensmittel, noch öfter aber auch für Kleidung und Schuhe. Bei letzterem ist nach wie vor Deichmann eine der beliebtesten Anlaufstellen, um neue Treter zu bekommen. Nun hat ein ARD-Team den Händler unter die Lupe genommen und nach vier verschiedenen Kriterien getestet.

Unter dem Titel "Der Deichmann-Check" wurde das Ergebnis am Montagabend im Ersten ausgestrahlt. Die Reporter untersuchten dabei, wie sich Deichmann in Sachen billigster Preis, vergleichbare Qualität, Stylefaktor und schließlich Fairness schlug. Das Ergebnis: In einigen Kategorien hält Deichmann was es verspricht, in anderen besteht aber noch Nachholbedarf.

Preisvergleich: Ist Deichmann wirklich der billigste Schuhhändler?

Für diese Kategorie verglichen die Tester Deichmann mit den beliebtesten Mitbewerbern: Den vor allem in den letzten Jahren immer erfolgreicher agierenden Versandhändler Zalando, dazu noch Reno und Görtz. Für Männer, Frauen und Kinder wurden jeweils die zwei billigsten Paare von Halbschuhen, Pumps, Sandalen und Sneakers gesucht. Das Ergebnis: In Sachen Eigenmarken und No-Name-Schuhen war Deichmann tatsächlich jeweils der billigste unter den Wettbewerbern, selbst Zalando konnte da nicht mithalten.

Doch bekanntermaßen gibt es bei Deichmann ja auch Markenschuhe von Adidas und Nike vor allem im Sportbereich. Auch hier sind die eigens für Deichmann produzierten Modelle billiger als vergleichbare Schuhe bei anderen Händlern. Das Preisversprechen geht bei Deichmann also voll und ganz auf.

Qualität: So gut sind die Schuhe von Deichmann

Um den Schuhen auf die Sohle zu fühlen, wurden sie verschiedenen mittelfristigen Tests ausgesetzt. Die Reporter ließen zwei Bedienungen einen Monat lang mit dem einen Fuß Deichmann-Modelle und mit dem anderen Markenschuhe tragen. Hierbei wurden Sneakers und Ballerinas getragen. Mit der selben Vorgehensweise testete ein Tänzer-Paar Pumps und Halbschuhe. Nach einem Monat wurden die Träger nach ihren Eindrücken gefragt. Das Ergebnis war jeweils ähnlich: Beim ersten Anziehen trugen sich die Deichmann-Schuhe ähnlich gut oder sogar besser als ihre Marken-Konkurrenz. Bei längerer Belastung gab die günstigere Fußbekleidung dann aber auch stärker nach.

Die kurzzeitige Fähigkeit zur Belastung wurde anhand von Sportschuhen veranschaulicht. Hierbei sollten Amateur-Fußballer die Modelle von Adidas und Nike von Deichmann und die teuren Vergleichstreter der Marken testen. Hierbei kam heraus, dass die teureren Schuhe zwar in Sachen Halt am Fuß, Gefühl am Ball und Bequemlichkeit beim Laufen besser abschnitten, aber eben nicht deutlich besser. Der höhere Preis ist eher schwer vertretbar. Schließlich wurden die Schuhe auch noch im Labor getestet: Beim Dauer-Test schnitten günstig und teuer gleichgut ab, beim Obermaterial mussten sich die Nike-Vertreter der Adidas-Konkurrenz geschlagen geben.

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Ebenfalls im Labor wurde der Fähigkeit zur Schweißabsorption der Schuhe auf den Grund gegangen. Hierbei stellte sich heraus, dass Deichmann-Produkte nach längerer Nutzung nicht mehr riechen als die Marken-Modelle. Allerdings: Bei den Billig-Tretern wurde der Schweiß nicht vernünftig abgebaut. Zitat der Testerin: "Der Träger schwimmt im eigenen Saft." Deichmann äußerte sich dazu wie folgt: "Ihr Laborbefund deckt sich nicht mit unseren eigenen Untersuchungen und unserem Kundenecho zu Tragekomfort und Produktzufriedenheit"

In Sachen Qualität kam das ARD-Team entsprechend zu dem Ergebnis: Durchwachsen.

Stylefaktor: Kann Deichmann auch edel?

Um zu testen, wie gut Deichmann-Schuhe wirklich ankommen, nahmen die Tester jeweils ein Edel-Modell des Händlers und ließen es die Leute auf der Straße mit denen von teureren Mittbewerbern a la Boss, Hilfiger und Gabor vergleichen. Solange den zufällig ausgewählten Testern klar war, welche Marke sie vor sich hatten, wählten sie auch meistens das Markenmodell. Deichmann bekam zwar für den Style immer wieder Punkte, war jedoch insgesamt abgeschlagen.

Ein Soziologe erklärte diesen Trend mit dem Image von Deichmann, was primär auf den billigen Preis ausgelegt ist: Deichmann wolle den Mainstream-Kunden und ihm den "deutschen Volksschuh" verkaufen. Für edle Anlässe wird dieses Image aber dann zum Problem, wenn die Marke bekannt ist. Deswegen machten die Reporter den selben Test noch einmal, ohne allerdings den Leuten zu verraten, was für eine Marke sie da vor sich hatten. Das überraschende Ergebnis: Nun lagen die Deichmann-Schuhe auf einem Niveau oder zumindest nicht weit hinter der Marken-Konkurrenz. Der Stylefaktor von Deichmann ist also: unterschätzt.

Ist Deichmann auch fair zu seinen Arbeitern?

Der vierte und letzte untersuchte Punkt beschäftigte sich dann mit der Fiarness bei Deichmann: Das Selbstbild der Firma spiegelt sich dabei in einem Verhaltenskodex wieder: Löhne für die Arbeiter sollen mindestens gesetzlichen Vorgaben entsprechen und nicht nur das: Das Gehalt soll ein "menschenwürdiges Leben und gewisses frei verfügbares Einkommen" für die Arbeiter - auch in der Herstellung - ermöglichen. Seit 2015 wird dies zudem durch Kontrollen vor Ort überprüft.

Das ARD-Team machte sich daraufhin auf den Weg nach Rumänien, wo die Mindestlöhne deutlich niedriger sind als in Deutschland. In einer Schuhfabrik wurden dort Arbeiter ausgemacht, die offenbar für Deichmann Schuhe produzierten. Wirklich mit den Reportern reden wollte aber keiner der Angestellten. Immerhin konnte ein Vertrag fotografiert werden der zeigte: Zwar ist der Lohn der Arbeiter über dem Mindestlohn und sie bekommen auch Essensmarken. Aber: Viele machen Überstunden, um ihr Leben finanzieren zu können. 180 Euro verdienen die Schuhbauer ohne Überstunden, mit diesen kommen sie auf 300.

Was zunächst nach einem annehmbaren Gehalt klingt, verblasst wenn man sich die Lebenskosten anschaut. Denn diese sind mit denen in Deutschland durchaus vergleichbar. Ein Einkauf bei einem Lebensmitteldiscounter war sogar 3 Euro teurer als in Deutschland. In der Folge müssen viele Arbeiter Schulden aufnehmen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen die Reporter bei der Untersuchung einer Fabrik in Mazedonien. Ein Offizieller von Deichmann sagte darauf angesprochen: "Kein großer Lohn aber einer mit dem man über die Runden kommen kann."

Das Ergebnis für das Kriterium Fairness bei Deichmann: Ausbaufähig.

"Der Deichmann-Check" in der ARD: Das sind die Ergebnisse

Das Reporter-Team der ARD zeigte also, dass Deichmann wie versprochen tatsächlich die billigsten Schuhe verkauft. Und zwar sowohl bei Eigenmarken, als auch bei Produkten mit bekannteren Namen. Allerdings können die selbst hergestellten Schuhe in Sachen Haltbarkeit nicht mit den Markentretern mithalten. Im Stylefaktor ist Deichmann auf Schlagdistanz zu edleren Wettbewerbern, zumindest so lange die Marke keine Rolle spielt. Dass die günstigen Schuhe dann aber doch einen Preis haben, zeigt sich bei der Bezahlung der Arbeiter. Hier hat Deichmann Nachholbedarf.

bix

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