Unternehmen fassen wieder Mut

Ifo: Wirtschaft im September viel optimistischer

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Im August war das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer deutlich gefallen. Foto: Peter Kneffel

In Industrie, Handel und auf dem Bau laufen die Geschäfte rund. Und vollere Auftragsbücher sorgen allenthalben für Zuversicht - der Ifo-Index legt kräftig zu. Aber die Anleger bleiben skeptisch.

München (dpa) - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September überraschend stark verbessert - quer durch alle Branchen. Das wichtigste Konjunkturbarometer, der Ifo-Geschäftsklimaindex, schnellte überraschend um 3,2 auf 109,5 Punkte nach oben - das ist der höchste Stand seit gut zwei Jahren.

Industrie, Handel und Bauunternehmen berichteten von besseren Geschäften und zeigten sich für die kommenden Monate viel optimistischer. Ifo-Institutspräsident Clemens Fuest sagte am Montag in München: "Die deutsche Wirtschaft erwartet einen goldenen Herbst."

In der Industrie habe die Auftragslage angezogen, die Firmen rechneten wieder mit mehr Exporten und hätten ihre Produktionspläne nach oben korrigiert, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Der Schock des Brexit-Votums sei offensichtlich verdaut, und von Unsicherheit vor der US-Präsidentenwahl im November sei nichts zu spüren. Die Geschäftserwartungen der Industrieunternehmen hätten sich so stark verbessert wie zuletzt nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009.

Aber auch im Handel und auf dem Bau stehen die Zeichen weiter auf Aufschwung. "Die Geschäfte laufen", sagte Wohlrabe. Die Löhne sind gestiegen, die Beschäftigungsperspektiven sind gut, das beflügelt den Konsum. "Der Einzelhandel möchte mehr ordern. Die Verkaufspreise sollen anziehen." Einzelhandel und Großhandel zeigten sich mit der aktuellen Geschäftslage zufriedener und gehen zuversichtlicher in den Herbst.

Das Bauhauptgewerbe setzt seinen Höhenflug fort. "Die Einschätzungen der aktuellen Lage waren noch nie so gut. Für die kommenden Monate rechnen die Unternehmen sogar mit einer weiteren Verbesserung", sagte Fuest. Staat, Firmen und Privatleute bauten, sagte Wohlrabe. Für Flüchtlinge und Zuwanderer werde Wohnraum gebraucht, und angesichts der Nullzinsen legten auch Investoren Geld weiterhin in "Betongold" an.

Die Börse zeigte sich aber unbeeindruckt, der Dax gab am Montag zunächst nach. Analysten erklärten das mit Gewinnmitnahmen nach der starken Vorwoche, aber auch mit den US-Wahlen und dem Ölpreis. Volkswirte zeigten sich überrascht von dem starkem Anstieg des Ifo-Index nach dem ebenfalls starken Rückgang im August. Für den Index werden rund 7000 Unternehmen zu ihrer derzeitigen Geschäftslage und ihren künftigen Erwartungen befragt.

DZ-Bank-Volkswirt Michael Holstein sagte, viele Unsicherheiten für die Weltwirtschaft blieben. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte, das "starke Plus sollte nicht den Blick darauf verstellen, dass das Ifo-Geschäftsklima lediglich die Rückgänge der Vormonate ausgeglichen hat". ING-Diba-Volkswirt Carsten Brzeski erklärte, ob das der Start für einen goldenen Wirtschaftsherbst sei oder nur ein Strohfeuer, sei offen.

Ifo-Pressemitteilung mit Grafiken und Zeitreihen

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