Zahlen zum Nutzerverhalten

Musikindustrie setzt Attacke auf YouTube fort

London - YouTube wird mit dem breiten Song-Angebot von der Musikindustrie schon lange als Hindernis für höhere Einnahmen gesehen. Jetzt schicken beide Seiten Zahlen zum Nutzerverhalten ins Feld.

Kurz vor der erwarteten Präsentation der Vorschläge der EU-Kommission zur Reform des Urheberrechts schießt sich die Musikindustrie weiter auf YouTube ein. Laut einer Umfrage nutzten 82 Prozent die Google-Videoplattform wegen der Musik, erklärte der globale Branchenverband IFPI am Dienstag. „Die Studie unterstreicht die dominierende Position von YouTube unter den Musikdiensten“, betonte IFPI-Chefin Frances Moore. Die Musikkonzerne und zahlreiche Künstler werfen YouTube vor, mit einem breiten kostenlosen Song-Angebot Musik zu entwerten und gemessen an der Nutzerzahl zu wenig Geld an die Branche zu überweisen.

YouTube kontert, man gebe gemäß dem Geschäftsmodell mehr als die Hälfte der Werbeeinnahmen an die Rechteinhaber weiter und gebe ihnen mit Hilfe von Software zum Erkennen geschützter Inhalte genug Kontrolle auch bei von Nutzern hochgeladenen Songs. Die Plattform weigert sich zugleich, Geld für Song-Abrufe ohne begleitende Werbung zu bezahlen.

Musikkonzerne platzieren selbst Songs bei YouTube

Die Google-Tochter entgegnete am Dienstag zu den IFPI-Umfragezahlen, ein durchschnittlicher YouTube-Nutzer verbringe rund eine Stunde im Monat mit dem Musik-Konsum - deutlich weniger als auf reinen Musikplattformen. Zudem gehe weniger als einem Fünftel der Videoabrufe die Suche nach einem konkreten Künstler oder Song voraus. Stattdessen werde die Auswahl größtenteils von Software-Algorithmen bestimmt. Laut der IFPI-Umfrage hatten 81 Prozent angegeben, bei YouTube ihnen bereits bekannte Musik zu hören. Die Musikkonzerne platzieren auch selbst Songs bei YouTube, wie es heißt, um Neuerscheinungen bekannter zu machen.

Derzeit laufen neue Lizenzverhandlungen zwischen den großen Musiklabels und YouTube. Von der EU-Kommission werden demnächst Vorschläge zur Reform des Urheberrechts erwartet, die nach bisherigen Informationen strengere Regeln für Online-Plattformen enthalten können.

Die Umfrage im Auftrag des IFPI in 13 Ländern ergab auch, dass im Schnitt 37 Prozent lizenzierte Musikstreaming-Angebote nutzen, bei denen die Songs direkt aus dem Netz abgespielt werden. Dabei schwankt die Popularität massiv von Land zu Land: An der Spitze stehe Mexiko mit 64 Prozent gefolgt von Schweden mit 61 Prozent der Internet-Nutzer. Die Japaner greifen mit einem Anteil von nur 11 Prozent mit Abstand am seltensten auf Streaming-Musik zu. Deutschland hat mit 32 Prozent die drittniedrigste Streaming-Aktivität nach Kanada mit 27 Prozent.

Tendenz des Streamrippings rückläufig

Der Verband betonte, dass in der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen fast jeder Dritte für einen Abo-Musikdienst bezahle, während es im Durchschnitt der 13 Länder insgesamt nur 18 Prozent seien. Zugleich nutzten aber auch 49 Prozent der 16- bis 24-Jährigen sogenannte Streamripper, mit denen sich online abgespielte Musik zum Beispiel von YouTube speichern lasse.

Der Geschäftsführer des deutschen Branchenverbandes BVMI, Florian Drücke, erklärte, hierzulande sei die Tendenz des Streamrippings zwar rückläufig. Klare rechtliche Rahmenbedingungen zur Frage der Lizenzpflicht von Diensten wie YouTube seien aber letztlich für alle Beteiligten wichtig. „Schranken des Urheberrechts müssen so gestaltet sein, dass es nicht Geschäftsmodellen Vorschub leistet, die letztlich nur schmarotzen und die Kreativen und ihre Partner nicht an den Einnahmen partizipieren lassen.“

dpa

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