Dänemark: Zu Besuch bei den Royals

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Das "Frederik-VIII.-Palais".

Kopenhagen - Wer würde sich nicht gern mal ein bisschen “bei Königs“ umschauen? Täglich 2000 bis 3000 Dänen lassen sich bis Mai diese Chance nicht entgehen und strömen zum Kopenhagener Schloss.

Der “Frederik VIII.-Palais“ ist die künftige Heimstatt von Kronprinz Frederik (41), Prinzessin Mary (37) und ihren Kindern Christian (4) und Isabella (2). “Prinzessin Mary hat sich wirklich von Beginn an in alles hier am entschlossensten reingehängt, von den Farben an der Wand, bis zur Entscheidung, was ihr eigenes Arbeitszimmer wird“, berichtet Fremdenführerin Inger Højberg. Sie führt eine Gruppe von 25 entspannt, aber auch hochkonzentriert durch das Palais wandelnden Rentnern.

Noch ist die Thronfolger-Familie nach der Total-Renovierung dieses 1749 gebauten Teils von Schloss Amalienborg mitten in Kopenhagen nicht eingezogen. Möbel gibt es auch noch nicht, und der ganz private zweite Stock ist aus dem Besuchsprogramm ausgespart. Immerhin aber bekommt man bei der Besichtigung gezeigt, wo die “Vormieter“, König Frederik IX. (1899-1972) und Königin Ingrid (1910-2000), erst ihr gemeinsames eheliches Schlafzimmer hatten und dann die getrennten. Und der Rundgang zum Preis von 40 Kronen (gut fünf Euro) gibt einen guten Einblick in den Wohnstandard sowie den Einrichtungsgeschmack von Dänemarks vermutlich nächstem Königspaar.

200 Millionen Kronen (27 Millionen Euro) spendierte der Staat aus dem Steuersäckel, damit sich Frederik, Mary, Christian und Isabella hier vom Sommer an standesgemäß wohlfühlen. Man müsse das dänische Königshaus wie jedes andere Unternehmen auch durch ein “zeitgemäßes Branding“ modernisieren, hat die gebürtige Australierin und gelernte PR-Frau Mary Donaldson kurz nach ihrer Hochzeit mit Frederik gesagt. Das frisch renovierte Schloss zeigt, was die Prinzessin meint: Als allseits bestaunten Clou hat das Thronfolgerpaar zehn namhafte dänische Künstler engagiert, die auf kompletten Wandflächen oder, wie der weltberühmte Olafur Eliasson, in einem Treppenaufgang moderne Kunst schaffen durften. Das nötige Kleingeld über 22 Millionen Kronen (drei Millionen Euro) hat sich das Thronfolgerpaar, ebenfalls “zeitgemäß“, von einer Versicherung als Sponsor geben lassen.

Nun ziert eine komplette Wand des Arbeitszimmers von Kronprinz Frederik ein sehr buntes, auf die Tapete gemaltes Riesen-Bild von Tal R. Im Empfangssaal sind gleich drei Wände für ein monumentales Wandgemälde genutzt. Jesper Christiansen hat hier auch die Cover von Lieblingsplatten der künftigen Bewohner an die Wand gemalt: Led Zeppelins “Mothership“ mag der Thronfolger besonders gern, “Yellow Submarine“ von den Beatles ist Prinzessin Marys Favorit.

Beide erwiesen sich während der Dekoration als betont “aktive“ Bauherrn. Den Maler Kaspar Bonnén wiesen sie an, einen von ihm schon in sein Wandgemälde im Speisezimmer hineingemalten, ruhenden Kopf wieder zu übermalen - er schaffe zu viel Unruhe beim Essen.

John Kørner musste sein 7 mal 3 Meter großes Wandgemälde für das “Vorgemach zum Tafelsaal“ gleich wieder komplett einrollen und sitzt nun an einer neuen Version. “Es hat ihnen einfach nicht gefallen. Sie fragten, ob ich es nicht fertig malen könnte, und ich musste sagen: Das ist fertig“, berichtete Kørner in der Zeitung “Politiken“. Dabei hatte er schon den “Wunsch“ Marys nach der Grundfarbe blau geschluckt, obwohl er sonst immer nur in Gelb malt.

Auch die von einer anerkannten Landschaftsarchitektin bestellte Gartenanlage lehnten Frederik und Mary rundheraus ab. Vorerst können sie deshalb bei schönem Wetter mit ihren Kindern nur die großzügige Terrasse zum Kopenhagener Hafen hin nutzen. “Paparazzi-sicher gestaltet“, sagt die Fremdenführerin. Auch sie findet den öffentlichen Einblick in das private Wohnleben des Prinzenpaares letztlich zu begrenzt, wenn sie die Ausschmückung des “Lese- und Musikzimmers“ erklärt: “Was die dann hier wirklich anstellen, erfahren wir ja doch nicht. Und wir dürfen auch nicht fragen.“

dpa

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