Diva wieder da: Shirley Bassey beglückt ihre Fans

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Shirley Bassey begeisterte ihre Fans bei einem Live-Konzert.

London - Wie tritt eine 72-jährige Dame wohl auf die Bühne? Wenn es Shirley Bassey ist, natürlich in einem hautengen silbernen Glitzerkleid mit Schlitz bis zur Hüfte und waghalsigen Pumps.

Und es ist ein dramatischer Auftritt, wenn sie sich mit ihrem Bond-Song “Diamonds Are Forever“ stimmgewaltig auf der Bühne zurückmeldet. Die walisische Sängerin weiß, dass ihre Fans deshalb gekommen sind: “Ich werde ein paar alte Lieder singen“ - das Publikum in London jubelt. “Aber ich muss auch ein paar neue Lieder spielen“ - das Publikum jubelt nur ein kleines bisschen weniger laut.

Bassey beging mit dem ausverkauften Konzert im kleinen Londoner Roundhouse am Freitagabend gleich zwei Feiertage: Zum einen ihr 50- jähriges Bühnenjubiläum - vor einem halben Jahrhundert landete sie ihren ersten Nummer-Eins-Hit. Zum anderen stellte sie ihr neues Album “The Performance“ vor, das Anfang November herauskommt.

Es ist ihr erstes Studioalbum seit 20 Jahren - “ich meine CD, nicht Album“, verbessert sie sich, “das macht mich moderner.“ Modern ist daran aber vor allem, dass Stars wie die Pet Shop Boys, Take-That-Sänger Gary Barlow oder auch die Rockbands Kaiser Chiefs und die Manic Street Preachers Lieder geschrieben haben.

Einige Songs wie “After The Rain“ oder “Performance“ sind sanft - hymnentauglich werden sie mit Basseys dramatischer Stimme. Das Publikum hält immer wieder den Atem an. Es sind jedoch ihre alten Hits wie “Big Spender“, “Kiss Me Honey Honey“ oder “I Am What I Am“ bei denen die etwa 3000 Zuschauer aus dem Häuschen sind.

Und dann natürlich “Goldfinger“ aus dem gleichnamigen Bond-Film mit Sean Connery, das sie als Zugabe spielt. “Das ist es, was ich hören wollte“, sagt Michael East, der wie viele Fans schon etwas ergraut ist.

“Sie ist mein Jahrgang - aber diese Stimme hört sich doch nicht wie die einer 72-Jährigen an. Wahnsinn.“ Bassey ist immer noch eine Entertainerin erster Klasse. Ihr Publikum unterhält sie mit sexy Hüftschwung und Witzchen. Kokett spricht sie über ihre “Toy Boys“ und flirtet mit den Männern im Publikum und im BBC-Orchester, das sie begleitet.

Auch wenn sie die Sexy-Nummer privat nicht mag (“ich präsentiere meine Möpse nicht, wenn ich nicht auf der Bühne bin. Sie sind für die Arbeit da“, sagte sie in einem aktuellen Interview des “Guardian“), es wirkt bestens bei der Show. “Sie spielt diese Rolle perfekt“, meint Nick Hodgson, Schlagzeuger der Kaiser Chiefs, nach dem Konzert.

Auch der Rocker hat für Bassey einen Song geschrieben. Neu ist es nicht, dass Bassey um jüngere Zuhörer aus anderen Genres wirbt: Unvergessen ist ein Auftritt vor zwei Jahren bei dem Rockfestival in Glastonbury. Damals kam sie mit Diamanten besetzten Gummistiefeln. Nicht ungewöhnlich für eine Frau, der nachgesagt wird, sie habe die größte Privatsammlung von Diamanten in Großbritannien.

Steht Bassey auf der Bühne - charmant und gut gelaunt - gerät fast in Vergessenheit, dass ihr Privatleben alles andere als einfach war. Ihr nigerianischer Vater verschwand, als sie zwei war. Ihre erstes Kind bekam sie mit 16. Ihr erster Mann starb an einer Überdosis. Ihre jüngere Tochter wurde tot in einem Fluss gefunden, Ursache unklar. Doch heute ist das Geschichte.

Bassey hat rund 135 Millionen Platten verkauft, hat drei Bond-Titelsongs aufgenommen, ist eine der erfolgreichsten Künstlerinnen Großbritanniens und von der Queen mit dem Titel “Dame“ geehrt, lässt sich sich nur noch Dame Shirley nenne. Doch für ihre Fans ist das Wichtigste: Sie ist wieder da.

Annette Reuther

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