Kritiker wollen Renovierung der Karlsbrücke stoppen

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Das Wahrzeichen der Stadt Prag: Die Karlsbrücke.

Prag - Kritiker gehen in Prag auf die Barrikaden. Sie fordern einen sofortigen Stopp der Renovierungsarbeiten an der Karlsbrücke. Sie sehen das Wahrzeichen in Gefahr und wollen retten, was zu retten ist.

Hochwasser, Feuer und Krieg hat sie in den vergangenen 650 Jahren überstanden, doch jetzt bedrohen ausgerechnet Renovierungsarbeiten die Prager Karlsbrücke. Das sehen zumindest die zahlreichen Kritiker so, die sich für den Erhalt des tschechischen Nationalheiligtums einsetzen. Sie fordern den sofortigen Stopp der Arbeiten, damit überprüft werden könne, wie der Schaden an dem UNESCO-Weltkulturerbe noch zu begrenzen sei.

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Es besteht zwar Einigkeit darüber, dass die Brücke dringend erneuert werden muss. Seit der letzten Restaurierung in den 1970er Jahren haben Regen und Schnee dem Bauwerk zugesetzt - obwohl die damaligen Arbeiten das eigentlich hätten verhindern sollen. Ein Blick auf die abgenutzten und nachgedunkelten Sandsteinquader deutet darauf hin, was die Nässe in dem Konstrukt angerichtet hat.

Knapp neun Millionen Euro sind für die Reparaturen veranschlagt. Über die Ausführung der Arbeiten streiten sich das Bauunternehmen und Konservatoren aber seit mindestens zwei Jahren. Damals stellte das Kulturministerium der 2007 begonnenen Restaurierung ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Die Arbeiten hätten die “Authentizität des Bauwerks erheblich beschädigt“, hieß es in einem Bericht der Behörde. Die neuen Steinblöcke passten nicht zu den alten, dadurch sei der ästhetische und künstlerische Wert bedroht.

“Die reparieren die Karlsbrücke wie eine Autobahn“

“Die reparieren das Bauwerk so, als handele es sich um eine beliebige Autobahnbrücke“, sagt Martin Kadrman von der Initiative Rettet die Karlsbrücke. Er wirft der Baufirma SMP CZ vor, einen größeren Teil der historischen Steine durch Nachbildungen ersetzt zu haben als angegeben. Außerdem seien einige der Originalsteine spurlos verschwunden.

Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück. “Wir müssen einen Weg finden, den historischen Wert der Steine und die Funktionstüchtigkeit der Brücke unter einen Hut zu bringen“, verteidigt Unternehmenssprecher Pavel Kamenik die Vorgehensweise. Schließlich solle garantiert werden, dass das Bauwerk nicht in ein paar Jahren schon wieder repariert werden müsse. Es ist kein Wunder, dass sich an der Karlsbrücke ein solcher Streit entfacht.

“Sie ist nicht wie irgendeines der anderen 273 offiziellen Denkmäler, sondern ein nationales Wahrzeichen“, sagt Nadezda Goryczkova, Generaldirektorin des Nationalen Denkmalamts. Der Stellenwert der Brücke erklärt sich aus ihrer Geschichte. Die Errichtung begann 1357 unter Kaiser Karl IV., der als “Vater der tschechischen Nation“ verehrt wird. Später wurden 30 mehrheitlich barocke Statuen auf der gotischen Balustrade errichtet - bis heute prägen sie den Charakter der Brücke, über die jedes Jahr Hunderttausende Touristen schlendern.

Der Legende nach kehrt Wenzel von Böhmen eines Tages zurück

Eine der Statuen zeigt den sagenumwobenen Ritter Bruncvik, dessen Zauberschwert angeblich in die Brücke eingemauert wurde. Der Heilige Wenzel, Nationalpatron von Böhmen, wird der Legende nach zurückkehren, wenn die Zeiten ganz schlecht werden. Dann wird er das Schwert aus dem Bauwerk ziehen und den Böhmen zu ihrem Recht verhelfen.

Ganz so schlimm sieht es derzeit auch nach Ansicht der ärgsten Kritiker noch nicht aus. Für landesweites Aufsehen sorgt der Fall aber schon. Die Initiative Rettet die Karlsbrücke zeigte das Bauunternehmen wegen der angeblich vermissten Steine an. Der Stadtverwaltung droht eine Strafe in Höhe von 155.000 Euro, sollte die Aufsichtsbehörde nachweisen können, dass die Prager Beamten die Bauarbeiten nicht ausreichend überwachten.

Es ist trotz aller Kritik aber kaum zu befürchten, dass die Touristen eine falsch restaurierte Karlsbrücke meiden könnten. Bei eisigem Wind und Schnee bahnt sich die 20 Jahre alte Studentin Annie Schwartz ihren Weg über das Prager Wahrzeichen. “Ich finde die Brücke schön“, sagt die Amerikanerin.

DAPD

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