Superunterhalter und Quotengarant: Abschied von Peter Alexander 

Peter Alexander starb im Alter von 84 Jahren

Wien - Peter Alexander war der Superstar des vergangenen Fernsehjahrhunderts: Schauspieler, Sänger, Showmaster und Schwiegermutter-Traum. Mit 84 Jahren starb er in Wien. Ein Rückblick auf sein Lebenswerk:

Egal ob Oma, Mama oder Tochter: Entertainer Peter Alexander hat Generationen von Fernsehzuschauern begleitet. Als es noch überschaubar viele Sender gab, war der charmante Österreicher mit dem treuen Blick dauerpräsent auf den Bildschirmen. Mit seinem Tod am Samstag ist nun auch eine lustig-heile Fernsehwelt endgültig Geschichte.

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Ob in Filmen wie “Im Weißen Rössl“ oder “Bonjour, Kathrin“ in den 50er und 60er Jahren, Liedern wie “Die kleine Kneipe“ in den 70ern oder mit seiner “Peter Alexander Show“ bis in die 90er - Alexander war stets die fesche, aber nie zu freche Identifikationsfigur in Nachkriegsdeutschland. “Er war wie gemacht für diese Zeit nach dem großen Krieg... Ein charmanter Typ, dem man alles verzeihen konnte, so wie man sich so gerne verziehen hätte“, schrieb die Grazer “Kleine Zeitung“ am Sonntag.

Peter Alexander: Bilder aus seinem Leben

Peter Alexander: Bilder aus seinem Leben

Mit seinem Universaltalenten und seinem Dauereinsatz prägte Alexander wie kaum ein anderer die deutschsprachige Unterhaltungsindustrie. Er besang rund 120 Schallplatten, spielte in mehr als 50 Filme und bestritt Hunderte eigene Shows oder Gastauftritte. “Menschenskind, warst du aber fleißig“, schrieb er selbst rückblickend in einem Vorwort seiner Biografie.

Seinen Erfolg verdankte der am 30. Juni 1926 geborene Künstler einer Mischung aus großer Begabung und harter Arbeit. “Einen wie ihn kann es nie wieder geben“, beklagte die Zeitung “Kurier“. Schon als kleiner Junge in Wien begeisterte sich der Sohn eines Bankbeamten für das Singen und für die Musik Richard Wagners. Als Soldat kam er in Kriegsgefangenschaft in Großbritannien. In dieser Zeit soll er die Menschen in den Lagern mit seinem komödiantischen Talent unterhalten haben.

Nach seiner Rückkehr tauschte Alexander gegen den Willen des Vaters das Medizinstudium gegen eine Schauspielausbildung, unter anderem am renommierten Max-Reinhardt-Seminar.

Sein großer Durchbruch schaffte er nach mehreren Theaterengagements Anfang der 50er Jahre als Schlagersänger (“La bella Musica“) und Schauspieler. Nachgeholfen hatte da auch seine spätere Frau Hilde, die er bei einem Wiener Agenten kennenlernte. “Sie hatte eine sichere Hand, ich verdanke ihr mehr als 50 Prozent meine Karriere“, soll er einmal über seine “Schnurridiburr“ gesagt haben. Mit Schmäh und bubenhafter Art spielte sich der braunhaarige Frauenschwarm in Musik- oder Heimatstreifen wie “Charley's Tante“ oder “Hurra, die Schule brennt“ schnell in die Herzen der Zuschauer.

Als Entertainer holte er Weltstars wie Liza Minelli, Mireille Mathieu, Tom Jones oder Johnny Cash in seine Shows, in denen er auch mit Parodien wie denen des Rateteams “Was bin ich“ überzeugte. Seine unzählbaren Erfolge brachten ihm den Spitznamen “Peter der Große“ ein. Zahlreiche Auszeichnungen wie sechs Bambis und vier Goldene Kameras folgten.

Von den Kritikern war Alexander nicht immer wohlgelitten, weil er dem Publikum gab, was es wollte: Leichte Unterhaltung. In einem “Spiegel“-Interview beschrieb er seine Fans selbst einmal als “bürgerlich, nett und anständig“. Über sich selbst sagte er, er sei mit eher schlichtem Gemüt gesegnet. Seinen großen Vorbildern wie Frank Sinatra und Dean Martin entsprach der Showstar nur zum Teil. “Während das 'Rattenpack' (Eigendefinition) Fässer von Whisky leerte und zahllose Groupies ins Bett zerrte, nippte Peter Alexander bloß artig am Veltliner (Weißwein)“, schreibt die “Kleine Zeitung“.

Mit dem Wandel der Unterhaltungsindustrie und dem Aufstieg der Privatsender trat der einstige öffentlich-rechtliche Quotengarant endgültig Mitte der 90er von der Bühne. Denn das war nicht mehr seine Welt: “Das Fernsehen ist so brutal, ordinär und billig geworden. In wenigen Jahren sind so ziemlich alle Tabus gefallen, und der gute Geschmack ist auf der Strecke geblieben“, klagte er 2001.

Seinen Lebensabend überschatten zwei schwere Schicksalsschläge, nach denen er immer zurückgezogener lebte: 2003 stirbt seine Frau, 2009 kommt seine Tochter Susanne in Thailand bei einem Autounfall ums Leben. Berichte über seine Trauer ließ Alexander damals sogar per Gerichtsbeschluss untersagen. Nur 2006 lässt er sich noch einmal zu einem öffentlichen Auftritt überreden und schickt der “Traumschiff“-Gala eine Videobotschaft. Darin wendet sich der Jahrhundert-Showstar singend zum letzten Mal an seine Fans: “Dankeschön, es war bezaubernd. Dankeschön, wenn wir auch auseinander gehen...“

dpa

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