Ein Prinz geht fremd

Berlin - Ein “Prinz“ sucht die Gesellschaft feiner Herren: Der Leipziger Sänger Sebastian Krumbiegel hat ein neues Album gemacht - und zwar ohne die Gesangsgruppe Die Prinzen.

Mit drei anderen Musikern, die sich “Die feinen Herren“ nennen, unternahm Krumbiegel einen Ausflug in die Welt des Rock'n'Roll. Stimmlich etwas rauer als mit seinen einstigen Thomanerchor-Kollegen von den Prinzen singt der 43-Jährige in Begleitung von Gitarre, Bass und Schlagzeug über Liebe und Einsamkeit. Eine Prise Gesellschaftskritik mit Stücken wie “Verweigerung“ ist schon von den Prinzen bekannt, mit denen er einst sanft gegen den Kapitalismus anstimmte (“Millionär“).

Das neue Album “Tempelhof“ von der Band namens Sebastian Krumbiegel und die feinen Herren erscheint an diesem Freitag. Bereits bei den Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm 2007 musizierte Krumbiegel mit dem Gitarristen Max Fetzer zusammen. Später kamen noch ein Bassist und ein Drummer zum neuen Bandprojekt hinzu.

Popstars und ihre früheren Berufe

Popstars und ihre früheren Berufe: Trucker, Tankwart, Totengräber

In einem Tonstudio auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin- Tempelhof spielten sie die Lieder live ein - daher auch der Titel des Albums. Tempelhof sei “ein tiefes Wort“, weil es zahlreiche Assoziationen wecke, sagt Krumbiegel im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa: “Jeder denkt an den Flughafen, an die Luftbrücke, vielleicht auch an das Dritte Reich.“ Die eigentliche Bedeutung als Tempel-Hof sei fast schon ein biblisches Wort. Ein wirklicher musikalischer Befreiungsschlag oder gar ein Bruch zur A-capella-Softpop-Tradition der Prinzen ist das neue Album nicht.

Die Lieder sind stimmiger Deutschrock, bei dem wenig Platz ist für unkonventionelle Klänge oder doppelbödige Textstellen. In dem Lied “Durch die Nacht“ etwa heißt es: “Wenn du verlassen bist, wenn du einsam bist, ich bin bei dir, ich tröste dich, weil ich deine Tränen verstehe.“ Die Melodien solcher Liebeslieder sind eingängig, die Textstellen sentimental-prägnant. Krumbiegel und seine Mitstreiter sind mit Begeisterung bei der Sache - über flüchtige Herzschmerz-Stücke und Lieder mit systemkritischen Gemeinplätzen (Konsumwahn, reißerische Zeitungen) kommen sie letztlich aber nicht hinaus. Die meisten Songs sind von Krumbiegel geschrieben worden, “Sei mein Freund“ ist ein Rio-Reiser- Cover.

Unter kreativen Gesichtspunkten sei das neue Bandprojekt für ihn wichtig, sagt Krumbiegel. Und die Prinzen? “Wir sind nicht miteinander verheiratet, wir sind verschiedene Künstler“, sagt er. Er kenne seine Prinzen-Mitsänger schon seit 30 Jahren, da werde zwangsläufig einiges zur Routine. Daher sei es gut für die Band, wenn ihre Mitglieder die “eingefahrenen Gleise“ bisweilen verließen. In anderen Projekten sollten sie “auf die Pirsch gehen und im allerbesten Sinne fremdgehen, um neue Einflüsse für sich selbst und die Band zu kriegen“.

Ein Konkurrenzdenken gebe es zu seinen Ex- Thomanerchor-Kollegen nicht. “Wir sind soweit, uns gegenseitig Freiraum zu lassen und das nicht argwöhnisch zu beäugen.“ Sein Bandprojekt mit den feinen Herren sei zeitlich befristet, sagt er. Nach einer Tournee im März werde er wieder gemeinsam mit den Prinzen singen. Dann gelte es, sich auf ein Jubiläumsjahr vorzubereiten: 2011 feiern Die Prinzen ihr 20-jähriges Bestehen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare