Thomas Anders wettert gegen Bohlen

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Thomas Anders (rechts) ist nicht gut auf Dieter Bohlen zu sprechen.

Hamburg - In wenigen Tagen erscheint die Autobiografie von Thomas Anders. Darin verarbeitet der Musiker insbesondere die Zeit mit Modern Talking. Wie er mit Ex-Bandkollege Dieter Bohlen abrechnet:

Dieter Bohlen hat es schon vor Jahren getan, nun ist Thomas Anders dran: Der Musiker veröffentlicht seine Erinnerungen an die gemeinsame Zeit als Deutschlands erfolgreichstes Pop-Duo und erzählt “die Wahrheit über Modern Talking, Nora und Dieter Bohlen“.

So gegensätzlich wie Lackschuh und Turnschuh auf dem Modern-Talking-Plattencover sollten Thomas Anders und Dieter Bohlen aussehen - und waren es dann auch in der Realität. Der stylishe Popper Anders mit langen Locken, Lipgloss, brutzelbraun und mit Schulterpolstern sowie der kernige, blonde Bohlen in pastellfarbenen Trainingsanzügen. Auf der Bühne gab Modern Talking das Traum-Duo ab. Doch hinter den Kulissen krachte es regelmäßig. Die Streitereien sorgten nicht nur für Schlagzeilen, sondern auch zweimal für das Aus der Band. Seit der letzten Trennung reden sie wieder kein Wort mehr miteinander - aber sie schreiben. Nach Bohlens Bestsellern hat nun Anders die “Wahrheit über Modern Talking, Nora und Dieter Bohlen“ zu Papier gebracht (Veröffentlichung: 21.9.).

“100 Prozent Anders“ hat der 48-Jährige das Buch genannt, mit dessen Erscheinen er sich bewusst lange Zeit gelassen hat. 28 Jahre ist das erste Aufeinandertreffen des Duos, das mehr als 120 Millionen Tonträger verkaufte und gemeinsam Musikgeschichte schrieb, her. Das letzte Aus, mit dem dann auch das erfolgreiche Comeback zu Ende ging, liegt acht Jahre zurück. “Es war für mich ganz wichtig, das Buch nicht sofort nach der Modern-Talking-Trennung zu schreiben“, sagt Anders im dpa-Interview. “Ich wusste, ich werde irgendwann ein Buch schreiben, weil ich so viel erlebt habe. Aber hätte ich das sofort nach dem Ende von Modern Talking geschrieben, hätte man gesagt: Das ist jetzt seine große Vergeltung.“ Außerdem habe er Abstand dazu gebraucht. “Wut ist einfach ein schlechter Ratgeber.“

Dieter Bohlen hat sich unmöglich verhalten

Wie viel Wut dagewesen sein muss, erfährt der Leser gleich im ersten Kapitel der 320 Seiten. “Modern Talking - Mission Impossible“ steht über den Zeilen, in denen Anders sich an jenes Konzert in Rostock erinnert, bei dem Bohlen auf der Bühne das Aus verkündete - und an das letzte Modern-Talking-Konzert, bei dem der “Pop-Titan“ ohne Zugabe weggebraust sei. “Was für ein erbärmlicher Abgang!“, schreibt Anders. Es war das Ende einer Ära, in der sein Ex-Partner eine verwunderliche Wandlung vollzogen habe. “Es gibt wohl in Deutschland keinen Prominenten, der öffentlichkeitsgeiler ist als Dieter“, meint der Sänger.

Gerade in der nächsten Zeit, wenn Bohlen wieder auf RTL das “Supertalent“ sucht, dürfte ihm Aufmerksamkeit wieder gewiss sein. Die hatte der Mann aus Tötensen bei Hamburg seit dem Modern-Talking-Ende ohnehin zuhauf - auch mit seinen Büchern, die zu einem Streit zwischen ihm und Anders vor Gericht führten. Fragt man Anders, der seither als Solokünstler und neuerdings im Duett mit Uwe Fahrenkrog-Petersen auftritt, zu seinem Verhältnis zu Bohlen, antwortet dieser: “Es gibt kein Verhältnis. Wir sind einfach zwei Menschen, die plötzlich zusammenkamen, aber grundverschieden sind.“

Die meisten seiner Lebenserinnerungen kreisen um die Modern-Talking-Zeit. Er erinnert sich an die erste Begegnung (“Dieter Bohlen tritt in mein Leben - und der Wahnsinn hat einen Namen“) und erzählt, dass Bohlen eigentlich gar nicht mit auf der Bühne stehen sollte und auch nicht wollte. Der Erfolg habe sie später beflügelt und manche Probleme zunächst verdrängt, aber Dieter und er seien letztlich eben doch wie Feuer und Wasser. Was in den Anekdoten auch immer wieder deutlich wird. Schöne Phasen hätten sie gemeinsam erlebt, aber immer wieder habe es eben Krach gegeben. Anders: “Insgeheim glaube ich fast, dass bei Dieter zwei Drähtchen im Kopf nicht richtig zusammengelötet sind. Ansonsten ist sein Verhalten nicht zu erklären. Ihm fehlt meines Erachtens ein Gefühls-Gen.“

Nora war krankhaftig eifersüchtig

Noch aufgeheizter wurde die Stimmung in dem Duo, das von 1984 bis 1987 und dann noch einmal von 1998 bis 2003 gemeinsam auftrat, in den 80er Jahren durch Anders' damalige Ehefrau Nora. “Fast schon krankhaft“ eifersüchtig sei sie gewesen, schreibt er. So sei sie etwa bei einem Videodreh strikt dagegen gewesen, dass er allein mit der weiblichen Hauptdarstellerin im Auto fahre. “Nachdem Nora stundenlang herumgequengelt und einen Flunsch gezogen hatte, lag sie irgendwann, für die Kamera unsichtbar, in der “Notbank“ des Ferraris eingekauert zwischen mir und der Schauspielerin, um während des Videodrehs auf mich aufzupassen.“ Bei der Plattenfirma habe sie es zur Bedingung gemacht, dass ihn keine weiblichen TV-Moderatorinnen interviewen durften - so sei etwa eine Sendung mit Desirée Nosbusch geplatzt.

Doch Anders erinnert auch an ihren größten “Gag“: “Die wohl nachhaltigste Duftmarke, die Nora gesetzt hat, war die goldene Kette mit Nora-Anhänger, die ich zu Modern-Talking-Zeiten trug.“ Die Kette liege heute im Safe. Auch lobende und versöhnliche Worte findet Anders für seine Ex-Frau, mit der er gelegentlich noch in Kontakt sei. Anders als mit Bohlen. Doch das sei ihm genauso egal wie Bohlens Reaktion auf das Buch. “Ich weiß nicht, wie er darauf reagieren wird“, sagt Anders. Aber: “Wer so austeilt wie Dieter, der muss auch einstecken können.“

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dpa

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