Bayreuther Opernregisseur Wolfgang Wagner gestorben

Bayreuth - Wolfgang Wagner ist tot. Der langjährige Leiter der Bayreuther Festspiele und Enkel Richard Wagners starb am Sonntag im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in Bayreuth.

Sein Tod löste weit über die Opernwelt hinaus Trauer und Betroffenheit aus. Nach Angaben seiner Tochter Katharina ist Wagner friedlich eingeschlafen. Er stand länger als ein halbes Jahrhundert, von 1951 bis Ende August 2008, an der Spitze der weltberühmten Festspiele. Er war damit der dienstälteste Intendant der Welt.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer würdigte Wagner als herausragende Theaterpersönlichkeit. Er habe den Festspielen wie kein anderer seinen Stempel aufgedrückt. In seine Ära fallen rund 1700 Aufführungen am “Grünen Hügel“, zwölf eigene Inszenierungen der Werke seines Großvaters in Bayreuth sowie zahlreiche Gastinszenierungen unter anderem in Dresden, Mailand, Palermo und Tokyo.

Wagner wurde am 30. August 1919 in Bayreuth als Sohn von Siegfried und Winifred Wagner geboren. Gemeinsam mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Wieland baute er nach dem Zweiten Weltkrieg die durch die Nähe seiner Mutter zu den Nationalsozialisten diskreditierten Festspiele wieder auf. Nach dem frühen Tod seines Bruders im Herbst 1966 war er mehr als 40 Jahre lang allein verantwortlich für die Festspiele, die Jahr für Jahr fast 60 000 Musikliebhaber aus aller Welt anziehen. Erst zum 1. September 2008, zwei Tage nach seinem 89. Geburtstag, übergab der Patriarch am “Grünen Hügel“ das Zepter an seine beiden Töchter, die Halbschwestern Eva Wagner-Pasquier (64) und Katharina Wagner (31).

Zu den großen Verdiensten Wolfgang Wagners zählen die Stabilisierung der Festspiele und die wegweisenden Verpflichtungen von Regisseuren wie Patrice Chereau für den “Jahrhundertring“ 1976, Götz Friedrich (“Tannhäuser“) und zuletzt Christoph Schlingensief 2004 (“Parsifal“). Wagner habe die Festspiele in bahnbrechender und zukunftsweisender Manier für hoch talentierte Regisseure aus aller Welt geöffnet sowie große Dirigenten und Solisten nach Bayreuth geholt, stellte Bayreuths Oberbürgermeister Michael Hohl (CSU) dazu fest.

Mit dem Tod von Wolfgang Wagner geht nach Angaben von Festspielsprecher Peter Emmerich ein Zeitalter zu Ende. “Vor seinem Lebenswerk und seiner unglaublichen Persönlichkeit kann man sich nur verneigen“, sagte Emmerich der Deutschen Presse-Agentur dpa. Erst im November 2009 wurde Wagner von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband verliehen. Das ist die zweithöchste Auszeichnung in der Bundesrepublik Deutschland, die nur sehr selten vergeben wird. “Sie haben die Bayreuther Festspiele auf die Weltbühne gehoben“, sagte Seehofer zu der “Kulturinstitution“ Wolfgang Wagner.

Wolfgang Wagner soll im engsten Familienkreis bestattet werden. “Die Familie möchte, dass die Beerdigung Privatsache bleibt“, sagte Festspielsprecher Peter Emmerich. Dies entspreche dem Wunsch des Verstorbenen. Daneben soll es aber auch eine offizielle Gedenkfeier geben. Ein Termin stehe noch nicht fest. Wagners Töchter Eva Wagner- Pasquier und Katharina Wagner informierten am Montag die Beschäftigten im Festspielhaus offiziell über den Tod Wagners. Auf Wunsch der Belegschaft wurde auf dem Festspielhaus die Wagner-Fahne mit Trauerflor auf halbmast gehisst. Die Flagge mit einem roten “W“ auf weißem Grund wird üblicherweise im Sommer während der Festspiele aufgezogen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare