Aids-Spot mit Adolf Hitler sorgt für Wirbel

Hamburg - Eine Anti-Aids-Kampagne mit Adolf Hitler beim Sex sorgt für Wirbel. Die Schockkampagne soll vor den Gefahren des Virus warnen. Sie ist umstritten.

Die umstrittenen Video-Spots einer Hamburger Werbeagentur in Zusammenarbeit mit dem Verein Regenbogen, die unter dem Motto “Aids ist ein Massenmörder“ auch Josef Stalin und Saddam Hussein zeigen, kursieren seit einer Woche im Internet. “Wir wollten dem Virus ein Gesicht geben und das kann kein schönes Gesicht sein“, sagte Dirk Silz, Geschäftsführer der Agentur das comitee, am Dienstag der dpa.

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Anti-Aids-Kampagne mit Hitler und Stalin

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln bezeichnete den Spot als “geschmacklos und kontraproduktiv für die Prävention“. Mit Schockwerbung erreiche man keine Verhaltensänderung. 

Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) forderte den sofortigen Stopp der Aktion. “Das ist eine der schlimmsten Kampagnen seit dem Ausbruch der HIV-Epidemie“, sagte Carsten Schatz von der Deutschen Aids-Hilfe am Dienstag in Berlin. “Dieser widerliche Spot mit einem Adolf- Hitler-Imitator verhöhnt alle Opfer des Nationalsozialismus und setzt HIV-positive Menschen mit Massenmördern gleich.“

Internationale Empörung

Auch in den USA und Großbritannien empört man sich über die Kampagne. Der Spot “stigmatisiere die Menschen, die HIV-positiv sind und die ohnehin einer großen Diskriminierung und Ignoranz ausgesetzt“ seien, sagte eine Sprecherin des National Aids Trust, der die Aktionen zum Welt-Aids-Tag in Großbritannien koordiniert, dem “Telegraph“. “Dem Verein Regenbogen sollte die Gemeinnützigkeit aberkannt werden, da es hier offensichtlich um Panikmache auf dem Rücken von Menschen mit HIV und Aids geht“, forderte Carsten Schatz.

Die Aids- Hilfe prüfe rechtliche Schritte gegen den Verein. Auch die Deutsche Aids-Stiftung verurteilte die Umsetzung der Kampagne. “Wer HIV- positive Menschen diskriminiert und die große Mehrheit der Bevölkerung verunsichert, gefährdet den bisherigen Erfolg der deutschen Präventionskampagnen“, sagte Ulrich Heide vom Vorstand der Stiftung. Notwendig seien Spots, die über den Schutz vor HIV aufklären und für Solidarität mit den Betroffenen werben.

Macher sind überrascht

Die Macher der Kampagne haben mit so einer massiven Protestwelle wohl nicht gerechnet: “Wir wollen dem Virus ein Gesicht geben und nicht den Menschen, die HIV-positiv sind“, sagte der Vorsitzende des Vereins Regenbogen, Jan Schwertner, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Durch die mediale Reizüberflutung müssten die privaten Aids- Kampagnen zu provokanteren Mitteln greifen, um auf die Bedrohung durch Aids aufmerksam zu machen.

Auch Dirk Silz, Geschäftsführer der Agentur das comitee, verwies auf die Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die mit Gemüse und Kondomen werbe und “viel zu harmlos“ sei. “Langeweile ist immer die schlechteste Werbung“, sagte Silz.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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