Apotheker versorgte Frankfurter Drogenszene mit Pillen

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Ein Apotheker hat die Frankfurter Drogenszene über mehrere Jahre illegal mit Heroin-Ersatzpillen versorgt.

Frankfurt/Main - Ein Apotheker hat die Frankfurter Drogenszene über mehrere Jahre illegal mit Heroin-Ersatzpillen versorgt.

Die Staatsanwaltschaft durchsuchte am Montag die Geschäftsräume und die Wohnung des 50-Jährigen sowie acht weitere Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet, wie die Behörde mitteilte. Der Schaden für die Krankenkassen geht nach vorläufigen Schätzungen in die Hunderttausende. Insgesamt gibt es etwa 15 Beschuldigte.

Den Ermittlungen zufolge betrieb der Mann einen schwunghaften Handel mit Rohypnol-Tabletten, die in der Szene als Heroinersatz gehandelt werden. Der Apotheker gab die Pillen ohne Rezept ab. Im Gegenzug erschlichen sich seine Abnehmer bei verschiedenen Ärzten Rezepte für teure Medikamente und übergaben sie dem 50-Jährigen. Er rechnete diese teure Arznei - zum Beispiel für HIV-Patienten und Diabetiker - bei den Krankenkassen ab, bei denen der Schaden in die Hunderttausende geht. In Wahrheit gab er aber die teuren Medikamente nicht heraus. Teilweise handelte es sich bei den Rezepten um Fälschungen.

Große Gewinnspanne

Die Gewinnspanne war groß: Im Tausch gegen ein Rezept über Medikamente im Wert von 3.000 Euro erhielt ein Kunde zum Beispiel 1.000 Rohypnol-Tabletten, die nur knapp 700 Euro wert sind. “Dieser Tauschhandel hatte für die Abnehmer den Vorteil, dass sie Rohypnol ohne Einsatz finanzieller Mittel beschaffen konnten“, sagte die Staatsanwältin Hildegard Becker-Toussaint. Gegen den Apotheker wird wegen Betrugs und Drogenhandels ermittelt. Der Mann ist nicht in Haft und sollte am Montag vernommen werden. Das Amtsgericht Frankfurt verhängte gegen ihn ein vorläufiges Berufsverbot. Die Ermittler kamen ihn mit Hilfe von Hinweisen aus der Drogenszene auf die Schliche. Außerdem machte eine frühere Mitarbeiterin Angaben bei der Polizei. 

ap

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