Impfstrategie sieht drei Gruppen vor

Corona-Impfungen starten! Impfstrategie steht fest: Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Corona-Impfungen sollen auch in Deutschland ganz bald möglich sein, aber nicht sofort für alle. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärt, wie die Impfung ablaufen soll.

  • Das Bundesgesundheitsministerium rechnet zum Jahresbeginn 2021 mit Corona-Impfungen.
  • Eine nationale Impfstrategie gibt es zum Coronavirus in Deutschland schon.
  • Wer sich wann gegen Covid-19 impfen lassen kann, ist auch bereits durchgesickert.

Update 18. Dezember: Die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA steht kurz bevor. Bereits am Montag könnte es laut echo24.de* so weit sein, so dass am 27. Dezember die ersten Menschen in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft* werden können.

Wie Bundesgesundheitsminister Jena Spahn betont, haben grundsätzlich alle Menschen, die in Deutschland leben, einen Anspruch auf eine - freiwillige - Impfung gegen Covid-19. Da jedoch nicht sofort genügen Impfdosen bereitstehen, könne man nicht alle gleichzeitig impfen.

Coronavirus: Impfung erfolgt in drei Gruppen

„Wir werden dabei zuerst denjenigen einen Schutz anbieten, die ihn auch besonders benötigen“, erklärte Spahn laut dem SWR. Heißt: Zunächst werden Bewohner von Pflegeheimen und über 80-Jährige geimpft sowie die Menschen, die sie pflegen. Jeder zweite Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus betreffe Menschen über 80, betont der Bundesgesundheitsminister.

Laut Spahn wird diese erste Phase etwa ein bis zwei Monate dauern, danach könnte man mehr Menschen impfen. Anders als von der Ständigen Impfkommission empfohlen, will der Bundesgesundheitsminister die Impfung in drei Gruppen unterteilen.

Impfgruppen laut Jens Spahn

1. Gruppe: Neben den Bewohnern von Pflegeheimen und über 80-Jährigen sowie den Menschen, die sich um diese kümmern, sollen auch Krankenhausmitarbeiter, die sich leicht mit dem Coronavirus anstecken können, zuerst geimpft werden. Dazu zählen Mitarbeiter der Intensivstation oder Notaufnahme. Zu dieser ersten Gruppe gehören etwa sieben Millionen Menschen.

2. Gruppe: Die zweite Gruppe umfasst Personen ab 70 Jahren, Demenzkranke, Menschen mit Trisomie 21 sowie Transplantationspatienten. Außerdem sollen Bewohner von Obdachlosen oder Asylunterkünften sowie enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen geimpft werden. Auch Ärzte mit Patientenkontakt, deren Ansteckungsrisiko aber nicht besonders hoch ist, sollen zu dieser Gruppe gehören.

3. Gruppe: Hierzu gehören Menschen über 60 sowie chronisch Kranke. Darunter fallen beispielsweise Patienten mit Diabetes, Herzschwäche, Krebs, schwerem Übergewicht oder Asthma.

Coronavirus: Hausärzte üben Kritik an Spahns Impfstrategie

Vom baden-württembergischen Verband der Hausärzte kam bereits Kritik an der Aufteilung des Gesundheitsministers. Gegenüber dem SWR betonte Verbands-Chef Berthold Dietsche, dass die Hausärzte den ganzen Tag Kontakt mit hoch ansteckenden Erkrankten hätten.

Auch Personen „in besonders relevanter Position in staatlichen Einrichtungen“ wie Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer und Erzieher würden bevorzugt gegen Covid-19 geimpft. Das gilt laut SWR aber auch für Apotheker, Lokführer, Busfahrer, Beschäftigte im Einzelhandel sowie Beschäftigte im medizinischen Bereich, die bis dahin noch nicht geimpft worden sind. Aber: Noch kann der Impfstoff nicht verabreicht werden. Zunächst muss die EMA den Impfstoff offiziell in der EU zulassen. Anschließend werden die Impfchargen vor der Auslieferung noch vom zuständigen Paul-Ehrlich-Institut geprüft und freigegeben.

Corona-Impfung in Deutschland: Wann sind Sie an der Reihe? Impfstrategie steht fest

Erstmeldung, 9. Dezember: Die einen wollen sie unbedingt, die anderen gar nicht. Die Rede ist von einer Impfung gegen Covid-19. Im weltweiten Kampf gegen das Coronavirus könnte sie die Lösung für das Ende der Pandemie sein. In Deutschland rechnet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn damit, dass zum Jahresbeginn 2021 die ersten Corona-Impfungen durchgeführt werden können. Bis Sie, lieber Leser und liebe Leserin, sich auch persönlich gegen Corona impfen lassen können, kann es aber deutlich länger dauern, wie echo24.de* berichtet.

Coronavirus: Das ist die Impfstrategie der Bundesregierung für Deutschland

Das Bundesgesundheitsministerium hat bereits Anfang November die grobe Idee zur nationalen Impfstrategie im Zusammenhang mit dem Coronavirus vorgelegt. Diese sieht die Impfungen gegen Covid-19 in Phasen vor.

Phase 1a - gezielte, zentralisierte Verimpfungfür vulnerable Bevölkerungsgruppen, noch wenig Impfstoff verfügbar
Phase 1b - erweiterte, zentralisierte Verimpfungfür exponierte und vulnerable Bevölkerungsgruppen, mehr Impfstoff verfügbar
Phase 2 - breite, dezentrale Routine-Verimpfungfür erwachsene Allgemeinbevölkerung, Impfstoff großflächig verfügbar

Zu Beginn der Corona-Impfungen in der ersten Phase sollen diese in den vorbereiteten Impfzentren* stattfinden. Das ist mehreren Faktoren geschuldet. Zum einen steht anfangs noch nicht ausreichend Impfstoff für alle Bürger zur Verfügung.

Zum anderen muss das voraussichtlich in Deutschland als Erstes zur Verfügung stehende Präparat der Mainzer Firma Biontech und deren US-Partner Pfizer, das auch bei den ersten Impfungen in Großbritannien eingesetzt wird, unter komplexen Bedingungen gelagert werden. Es benötigt langfristig eine Kühlung unter minus 60 Grad Celsius.

Corona-Impfung: Biontech und Pfizer haben Antrag auf Zulassung in der EU gestellt

Neben Biontech und Pfizer, die auch bereits eine Zulassung eingereicht haben, hat die EU-Kommission aber auch Verträge mit AstraZeneca, CureVac, Johnson & Johnson, Moderna und Sanofi-GSK geschlossen. Darüber hinaus hat Deutschland auch direkte Verträge. Sollten nach und nach mehr Impfstoffe und eine größere Anzahl an Dosen zur Verfügung stehen, könnte Phase 2 der nationalen Impfstrategie im Kampf gegen das Coronavirus eingeläutet werden.

Die Corona-Impfungen sollen zum Jahresbeginn 2021 beginnen können.

Laut Angaben von CureVac könnte das Präparat des Tübinger Unternehmens beispielsweise für eine deutlich vereinfachtere Logistik sorgen, weil es auch bei Kühlschrank-Temperaturen dauerhaft stabil bleiben soll. Doch der Curevac-Impfstoff* soll erst Mitte 2021 zur Verfügung stehen und auch dann anfangs erst in geringeren Mengen.

Corona-Impfung: Wann Deutschland damit rechnen kann - und wann jeder Einzelne

Mit den zugesicherten Lieferungen könnte Deutschland über den gesamten Zeitraum 170 Millionen Menschen mit je zwei Dosen Impfstoff gegen das Coronavirus versorgen. Das berichtet das Handelsblatt mit Bezug auf ein entsprechendes Regierungspapier, das der Zeitung vorliegt.

Demnach soll das Präparat von Biontech und Pfizer, das einige Nebenwirkungen hervorrufen kann, voraussichtlich ab dem 30. Dezember für Corona-Impfungen zur Verfügung stehen. Das US-Unternehmen Moderna könnte Mitte Januar nachziehen. Doch auch hier gilt: Die insgesamt über Verträge zugesicherten rund 84 Millionen Dosen werden erst nach und nach zur Verfügung stehen.

Laut eigenen Hochrechnungen von Bildplus (Bezahlartikel, Anm.d.Red.) könnten die Corona-Impfungen deshalb in Deutschland erst Ende 2021 tatsächlich für jeden zugänglich sein. In jedem Fall sind Massenimpfungen durch Hausärzte wohl nicht vor Mitte des kommenden Jahres denkbar.

Corona: Wann Sie sich gegen das Virus impfen lassen können

Wie aus einem am Montag verschickten Entwurf der Ständigen Impfkommission (Stiko) hervorgeht, wird es eine klare Priorisierung nach Alter und nach Berufsgruppen geben, wer zuerst und wer als Letztes eine Corona-Impfung erhält. Dazu können Länder und medizinische Fachgesellschaften nun noch Stellung nehmen - wegen besonderer Eilbedürftigkeit bis diesen Donnerstag, 10. Dezember.

Impfgruppen laut Entwurf der Stiko:

1. Impfgruppe mit „sehr hoher“ Priorität: ca. 8,6 Millionen Menschen, Ältere über 80 Jahre, Pflegeheimbewohner, Personal mit hohem Infektionsrisiko, Menschen mit besonders hohem Risiko für schwere oder tödliche Krankheitsverläufe, Personen in medizinischen Einrichtungen wie Notaufnahmen und in der Betreuung von Corona-Patienten, Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu Risikogruppen in der Behandlung von Blutkrebs und der Transplantationsmedizin, Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege sowie andere Beschäftigte in Senioren- und Pflegeheimen mit Kontakt zu Bewohnern

2. Impfgruppe mit „hoher“ Priorität: etwa 6,7 Millionen Menschen, Senioren zwischen 75 und 80 Jahre, Menschen mit Demenz oder geistiger Behinderung in Einrichtungen sowie dort tätiges Personal

3. Impfgruppe mit „moderater“ Priorität: etwa 5,5 Millionen Menschen, Ältere zwischen 70 und 75, Vorerkrankte mit erhöhtem Risiko und ihre engsten Kontaktpersonen, Menschen in Asylbewerber- und Obdachlosenunterkünften, enge Kontaktpersonen von Schwangeren, Personal mit moderatem Infektionsrisiko in medizinischen Einrichtungen und Kliniken sowie Personal in Gesundheitsämtern

4. Impfgruppe mit „erhöhter“ Priorität: etwa 6,9 Millionen Menschen, Senioren zwischen 65 und 70, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Menschen mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen wie Saisonarbeiter, Beschäftigte in Verteilzentren oder in der fleischverarbeitenden Industrie

5. Impfgruppe mit „gering erhöhter“ Priorität: Menschen zwischen 60 und 65 Jahre, Personal in „Schlüsselpositionen“ der Landers- und Bundesregierungen, Beschäftigte im Einzelhandel sowie in der „kritischen Infrastruktur“ wie Feuerwehr, Bundeswehr, Polizei, Öffentlicher Personennahverkehr und Abfallwirtschaft

6. Impfgruppe mit „niedriger“ Priorität: etwa 45 Millionen Menschen, alle übrigen Personen unter 60 Jahren

Es ist die Basis für die geplante Empfehlung der Stiko, die aber erst nach einer Zulassung des ersten Impfstoffs in Deutschland erfolgen soll. Endgültig festlegen soll die Impf-Prioritäten dann eine Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums, die noch im Dezember kommen soll.

Corona-Impfung: Letzte Impfgruppe vielleicht erst 2022 dran?

Wahrscheinlich scheint aber, dass zunächst etwa 8,6 Millionen Menschen in Deutschland Zugang zu einer Corona-Impfung erhalten. Frühestens ab dem zweiten Quartal 2021 dürfte dann für die Impfgruppe mit „hoher“ Priorität genug Impfstoff gegen Covid-19 zur Verfügung stehen.

Die Impfgruppen drei bis sechs dürften nach und nach ab dem Sommer 2021 bei den Corona-Impfungen berücksichtigt werden. Bis dahin könnten diese schon durch Hausärzte funktionieren.

Gesunde Personen, die jünger als 60 Jahre alt und nicht in einer der genannten Berufsgruppen tätig sind, erhielten laut Stiko-Entwurf als letzte eine der freiwilligen Corona-Impfung*. Dies könnte sich je nach Zulassung, Produktion und Lieferung der Impfstoffe bis ins Jahr 2022 ziehen. *echo24.de ist Teil des Ippen Digital Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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