Party-Bilder lassen aufschrecken

Schwappt zweite Corona-Welle von Mallorca nach Deutschland? Virologe und Weltärzte-Chef mit Befürchtungen

Eine zweite Corona-Welle scheint derzeit ganz weit weg zu sein. Doch mit der Rückkehr der Party-Urlauber auf Mallorca könnte sie nach Deutschland schwappen. Konsequenzen gefordert.

  • Derzeit urlauben viele Deutsche auf Mallorca und anderen Balearen-Inseln.
  • Damit steigt die Gefahr eines neuen Corona-Hotspots nach dem Vorbild von Ischgl.
  • Nun werden bereits Konsequenzen für die Rückkehrer in den Raum geworfen.

Update vom 20. Juli: Die Zwangsschließung von Bars auf Mallorca hat eine Debatte um den Party-Tourismus am Ballermann angestoßen. Der Tourismusminister geht gegen Party-Exzesse vor.

Schwappt zweite Corona-Welle von Mallorca nach Deutschland? Virologe und Weltärzte-Chef mit Befürchtungen

Erstmeldung vom 14. Juli:

München - Es sind bange Blicke, die derzeit in Richtung Balearen gehen. Die Bilder von feiernden Massen, die auf den spanischen Urlaubsinseln ohne An- und Abstand jegliche Corona-Hemmungen abgelegt zu haben scheinen, haben vor allem Deutschland aufgeschreckt. Denn überwiegend sind es eben Touristen aus der Bundesrepublik, die auf den Party-Trip nach Mallorca oder eine der Nachbarinseln auch während der Pandemie nicht verzichten wollen.

Und natürlich kommen sie dann auch irgendwann wieder zurück in ihre Heimat. Hoffentlich kerngesund. Dass der eine oder andere Urlauber aber das unliebsame, weil offenkundig hochansteckende Coronavirus Sars-CoV-2* einschleppen könnte, liegt quasi auf der Hand. Gerade, wenn auf der Bierstraße und anderen Party-Meilen auf Masken und Abstand gepfiffen wird. Auch wa.de* berichtete über die Schließungen am Ballermann. Urlauber sprachen über ihre Erfahrungen vor Ort*.

Corona-Welle von Mallorca? Spahn warnt vor „zweitem Ischgl“

Gesundheitsminister Jens Spahn warnt angesichts der sich verbreitenden Feier-Fotos bereits: „Wir müssen aufpassen, dass der Ballermann nicht ein zweites Ischgl wird.“ Bekanntlich war der auch bei Deutschen beliebte österreichische Skiort der erste und wohl folgenschwerste Corona-Hotspot in Europa. Unmengen an Infektionen gingen auf Ischgl-Urlauber zurück. Und das beileibe nicht nur in Deutschland: Jeder Dritte Corona-Kranke in Dänemark und ein Sechstel aller Infektionsfälle in Schweden hatten ihren Ursprung dort.

Nun lässt sich zweifellos festhalten: Was Ischgl für die Skifahrer bedeutet, stellt Mallorca für die deutschen Party-Urlauber im Sommer dar. Entsprechend betont Spahn auch: „Wir dürfen das Erreichte nicht gefährden.“ Denn zur Wahrheit gehört eben auch: Obwohl Deutschland die Anfangsphase der Pandemie relativ glimpflich überstanden hat, kann es jederzeit einen Rückschlag geben. Zumal etwa Spanien noch deutlich mehr unter dem Coronavirus zu leiden hat.

Vorsorge-Maßnahmen: An diesem Restaurant können sich Gäste die Hände desinfizieren.

Corona-Welle von Mallorca? Virologe erwartet nach Urlaubssaison Anstieg der Infektionen

Das hat wohl auch Friedemann Weber im Blick, wenn er an die Folgen des Urlauberandrangs auf Mallorca und Co. denkt. „Abgesehen davon, dass die Partys nicht in geschlossenen Räumen stattfinden, sind das die perfekten Bedingungen für Superspreading-Events“, schlussfolgert der Virologe der Universität Gießen bei Focus Online. Er wäre „überrascht, wenn es nach der Urlaubssaison keinen Anstieg der Infektionen geben würde“.

Immerhin wurden die Corona-Regeln für die Balearen mit Wirkung von diesem Montag (13. Juli) an überarbeitet und damit verschärft. Wobei diese Maßnahmen nicht nur auf die ausufernden Partys am Wochenende zurückzuführen sein sollen.

Corona-Welle von Mallorca? Maskenpflicht ab sofort - Geldstrafen aber erst eine Woche später

Nun gilt eine Maskenpflicht* für alle Menschen ab sechs Jahren „zu jeder Zeit sowohl im öffentlichen Raum oder im Freien und auch in öffentlich genutzten geschlossenen Räumen“. Verstöße haben Geldstrafen „bis zu 100 Euro“ zur Folge. Allerdings werde laut Mallorca Zeitung erst ab 20. Juli - also eine Woche nach Inkrafttreten der Verordnung - kassiert. Vorher sollen Maskenverweigerer lediglich entsprechend informiert und verwarnt werden.

Außerdem gibt es wie bei jeder Regel Ausnahmen. Am Strand, an der Uferpromenade oder in der Natur bestehe keine Pflicht zur Bedeckung von Mund und Nase, solange der Abstand zu anderen Personen eingehalten werden kann. Gleiches gelte für Schwimmbäder und Pools. Und wer isst, trinkt oder raucht, darf dies natürlich auch unmaskiert tun.

Corona-Welle von Mallorca? Zweifel an Kontrollen der Regel-Einhaltung

Interessant zu beobachten wird nun sein, wie strikt die Einhaltung der Regeln wirklich kontrolliert wird und ob Verstöße auch rigoros geahndet werden. Kritik an den Maßnahmen regt sich bereits bei deutschen Stars*, die sich gerne auf der Insel aufhalten. Frank Winkler, Sprecher des Nachbarschaftsvereins Playa de Palma, hat da wohl angesichts der bisherigen Erfahrungen seine Zweifel. Laut „ARD“ moniert er angesichts der Feiern auf der Bierstraße am vergangenen Wochenende: „Wenn keiner da ist, der dafür sorgt, dass die Anweisungen umgesetzt werden, dann brauche ich die auch gar nicht erst zu erlassen.“ 

Untätigkeit wollen sich die mallorquinischen Behörden, die natürlich um die übergeordnete Rolle des Tourismus in ihrer Heimat wissen, aber nicht vorwerfen lassen. Es habe 51 Eingriffe in Lokalen gegeben, 24 Verstöße gegen die Corona-Regeln seien festgestellt worden.

Achtung, Kontrolleure unterwegs: Die Polizei überwacht die Einhaltung der Corona-Regeln- bislang mit überschaubarem Erfolg.

Corona-Welle von Mallorca? „Touristen tun so, als wäre nie irgendetwas passiert“

Wirklich beruhigend klingt das nicht. Und so wettert auch Winkler in Richtung Landsleute: „Ich verstehe diese Art von Touristen nicht, die hierher kommen und einfach so tun, als wäre nie irgendetwas passiert.“ Für ihn sei dieses Verhalten „einfach verantwortungslos. Und das lässt natürlich die Deutschen in einem sehr schlechten Licht dastehen.“

Über Konsequenzen für die Rückkehrer aus dem „Risikogebiet“ (O-Ton Karl Lauterbach) wird bereits laut nachgedacht. So plädiert Frank Ulrich Montgomery, Vorstandschef des Weltärztebunds, im „Deutschlandfunk“ für eine zweiwöchige Quarantäne nach dem Ende eines Balearen-Urlaubs, denn: „Ein verrückter Urlauber am Ballermann kann doch nicht hinterher seine ganze Community gefährden.“

Corona-Welle von Mallorca? Urlauber feiern erst unter Massen und sollen dann in Quarantäne

Das wirkt schon wie eine Art Strafe, die aber in warme Worte verpackt werden könnte. Schütze deine Liebsten, indem du deine sozialen Kontakte für einen gewissen Zeitraum auf ein absolutes Minimum beschränkst. Und es wäre der größtmögliche Kontrast zu dem Partyurlaub unter Massen zuvor.

Zu dem Quarantäne-Vorschlag hat sich Spahn noch nicht geäußert. Doch der CDU-Politiker würde sich dem wohl alles andere als widersetzen. „Wir sollten uns nicht in falscher Sicherheit wiegen“, mahnt der 40-Jährige, denn trotz der erfolgreichen Entwicklung darf Deutschland natürlich keinesfalls einem solchen Trugschluss aufsitzen. Spahn stellt unmissverständlich klar: „Die Gefahr einer zweiten Welle ist real.“ Eine Botschaft für Mallorca, aber auch ganz Deutschland. (mg) *merkur.detz.de, kreiszeitung.de und wa.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Alle Entwicklungen in Europa sowie Übersee erfahren Sie in unseren News-Tickern. Manche Corona-Patienten leiden monatelang unter Symptomen - doch eine Sache ist für die Psyche wohl noch verheerender.*

Illegale Corona-Partys deutscher Touristen ziehen harte Konsequenzen nach sich: Mallorca ordnet die Zwangsschließung aller Lokale am „Ballermann“ an. Münchner Infektiologe sieht die Entwicklungen auf Mallorca mit gemischten Gefühlen. Droht durch den Ballermann eine zweite Welle auch in Deutschland. Ein Jugendlicher ist in der Mongolei nach Fleischverzehr an einer altbekannten Infektionskrankheit gestorben.

Rubriklistenbild: © dpa / Clara Margais

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