Oxford Universität

Coronavirus: Lebenserwartung drastisch gesunken? Experten mit neuer Studie

Die Corona-Pandemie setzt den Menschen wohl noch gravierender zu, als bisher gedacht. Eine Bevölkerungsgruppe ist besonders betroffen.

Die Welt befindet sich im zweiten Jahr der Corona-Pandemie. Das Covid-19-Virus hat seit seiner Entdeckung massive Auswirkungen auf den privaten und beruflichen Alltag sowie das öffentliche Leben. Immer wieder mussten in den letzten beiden Jahren Schulen geschlossen und Seniorenheime für Besucher abgeriegelt werden. Doch dann kam die Corona-Impfkampagne und obwohl in vielen Regionen wie Baden-Württemberg die Infektionszahlen weiterhin hoch* sind, machte die Aussicht auf eine immunisierte Bevölkerung Hoffnung. Wie echo24.de* jetzt allerdings berichtet, scheint das Coronavirus noch eine weitere besorgniserregende Auswirkung auf die Menschen zu haben.

Die Universität Oxford hat jetzt im Zuge einer Studie erforscht, inwieweit das Virus Einfluss auf die Lebenserwartungen hat und die Ergebnisse sind erschreckend. Demnach sank die Lebenserwartung im Jahr 2020 in 27 von 29 untersuchten Staaten. Mit dabei viele Europäische Staaten, Chile und China. José Manuel Aburto, Co-Autor der Studie, sagte gegenüber dem International Journal of Epidemiology: „Sowohl Frauen als auch Männer in Chile, England/Wales, Belgien, Spanien und Slowenien verzeichneten Verluste von mehr als einem ganzen Jahr der Lebenserwartung.“ Für Deutschland gab das Statistische Bundesamt an, die Sterblichkeit im Vergleich zu 2019 sei insbesondere bei über 75-jährigen Männern und Frauen angestiegen.

Coronavirus: Lebenserwartung „wie zuletzt im Zweiten Weltkrieg“ gesunken

Diese Zahl klingt zwar erst mal nicht so dramatisch, doch der Forscher macht im weiteren Verlauf deutlich, ein solcher Rückgang der Lebenserwartung in nur einem einzigen Jahr sei zuletzt während des Zweiten Weltkriegs beobachtet worden. Außerdem zeige sich eine Besonderheit: Bei Männern sei die Lebenserwartung in der Corona-Pandemie weitaus deutlicher gesunken, als bei Frauen. Es gibt zudem geografische Unterschiede.

Insbesondere bei den über 75-Jährigen ist die Lebenserwartung im Zuge der Corona-Pandemie gesunken.

Während in Europa vor allem die Sterblichkeit bei über 60-Jährigen zugenommen habe, seien in den USA vor allem Menschen im „erwerbsfähigen Alter unter 60 Jahren“ von der gestiegenen Sterblichkeit im Zusammenhang mit dem Coronavirus betroffen, erklärte Co-Autorin Ridhi Kashyap ebenfalls im International Journal of Epidemiology. Demnach sank die Lebenserwartung von Männern in den USA 2020 um 2,2 Jahre im Vergleich zu 2019.

Corona-Pandemie: Lebenserwartung wohl auch in Zukunft noch von Covid-19 beeinflusst?

Insgesamt sind die Autoren der Studie zur Lebenserwartung in der Corona-Pandemie der Meinung, die Narben, die Covid-19 im allgemeinen Gesundheitszustand der Bevölkerung hinterlassen hat, könnten noch eine ganze Weile anhalten. Dabei seien auch die Nachwirkungen des Long Covid-Syndroms nicht außer Acht zu lassen. Außerdem seien die Gesundheitssysteme während der Pandemie überlastet gewesen. Deshalb seien andere Krankheiten oft zu spät behandelt worden.

Definition „Lebenserwartung“

Die Lebenserwartung bezeichnet das Alter, das ein Neugeborenes vermutlich erreicht, falls die Todeszahlen sich weiter so entwickeln, wie zum Zeitpunkt seiner Geburt. In Deutschland lag die Lebenserwartung im August 2021 laut Angaben des Statistischen Bundesamts für Jungen bei 78,6 Jahren und für Mädchen bei 83,4 Jahren. Bekannt war zudem, dass 2020 die Sterblichkeit im Vergleich zu 2019 insbesondere bei über 75-jährigen Männern und Frauen anstieg.

Generell setzt die Deutsche Bundesregierung weiterhin auf die Corona-Impfungen, um diesen erschreckenden Trend einzudämmen und die Pandemie schnellstmöglich unter Kontrolle zu bringen. Denn viele Experten und Politiker wie Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bezeichnen die Ausbreitung des Virus mittlerweile als „Pandemie der Ungeimpften“*.

In der aktuellen Corona-Verordnung des Südwestens* wurde deshalb die sogenannte 2G-Regel verankert, die viele Einschränkungen für Ungeimpfte mit sich bringt. Inwieweit diese Maßnahmen aber noch Einfluss auf die Lebenserwartung in Deutschland nehmen können, geht aus der Oxford-Studie nicht hervor. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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