„Keine stationäre Einweisung...“

Für Corona-Patienten: Morphium-Vorrat aufstocken? Klinik gibt bedrückende Empfehlung an Ärzte heraus

Morphium und Betäubungsmittel sollen Ärzte laut der Empfehlung einer Uni-Klinik vorrätig haben - für Covid-19-Patienten. Bekämpfen lässt sich die Krankheit damit nicht.

  • Das Papier „Handlungsempfehlung COVID-19-Ausbruch im Pflegeheim“ enthält Empfehlungen für Ärzte.
  • Hausärzte sollen demnach ausreichend Morphium und starke Betäubungsmittel vorrätig haben.
  • Die Uni-Klinik Heidelberg äußert sich zu den bedrückend wirkenden Handlungsempfehlungen.
  • Alle weiteren Entwicklungen in der Corona-Krise lesen Sie im aktuellen Ticker für Deutschland.

Heidelberg - 465 weitere Todesfälle in Deutschland. Diese Zahl, gemeldet von den Gesundheitsämtern, gab das Robert-Koch-Institut (RKI) für die vergangenen 24 Stunden (Stand Montag, 11. Januar) bekannt. Dazu kommen für denselben Zeitraum 16.946 Corona*-Neuinfektionen.

Angesichts der schon seit einiger Zeit steigenden Zahlen gibt die Uni-Klinik Heidelberg laut der Bild eine Empfehlung an Ärzte heraus, die auf den ersten Blick bedrückend wirkt: Ärzte sollen ausreichend Morphium (Morphin) und starke Betäubungsmitteln vorrätig haben. Zurück geht die Empfehlung auf ein Papier mit dem Titel „Handlungsempfehlung COVID-19-Ausbruch im Pflegeheim“, das bereits seit Dezember gilt. Die „Koordinierungsstelle Pflegeheime“ in Heidelberg hat das Schreiben an Hausärzte und die Leitungen von Pflegeheimen im Rhein-Neckar-Kreis weitergereicht.

Coronavirus: Hausärzte fehlt es offenbar an schweren Schmerz- und Betäubungsmitteln - Empfehlung herausgegeben

Ziel des Papiers ist es, einen Überblick aus den bisherigen Erfahrungen mit Covid-19* zu geben. Was dabei wohl auffiel, ist, dass es oftmals an schweren Schmerz- und Betäubungsmitteln fehlt. Das Papier empfiehlt den Hausärzten die „Vorhaltung von begrenztem Vorrat Morphin und Tavor Expidet 1mg sublingual“. Zuletzt habe es hier offenbar Engpässe gegeben.

Doch wie können mit Morphium und Tavor Covid-19-Erkrankungen* behandelt werden? Morphium zählt zu den Opiaten und gehört dem Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge zur Gruppe der stark wirkenden Opioide der Stufe III. Es ist als Schmerzmittel bei starken und stärksten Schmerzen zugelassen. Bei Tavor handelt es sich um ein verschreibungspflichtiges Schlaf- und Beruhigungsmittel (ein sogenannter Tranquilizer), das zur Behandlung von Epilepsien, als Narkosemittel und zur Beruhigung eingesetzt wird.

Corona in Deutschland: Uni-Klinik Heidelberg äußert sich zu Empfehlung - „Einige Patienten im Pflegeheim...“

Handelt es sich also bei den Stoffen um Mittel, die nur zur Schmerzbekämpfung, nicht aber zur Bekämpfung von Covid-19-Patienten eingesetzt werden? Laut der Bild wies die Uni-Klinik Heidelberg jene Fragen zurück. „Einige Patienten im Pflegeheim und/oder deren Betreuer entscheiden, dass sie im Falle einer Covid-19 Erkrankung* im Pflegeheim hausärztlich behandelt werden wollen, und dass sie selbst im Falle einer Verschlechterung keine stationäre Einweisung wünschen“, zitiert das Blatt die Pressestelle der Klinik. Bei eben diesen Patienten sollen Schmerzen gelindert und betäubt werden. (nema)

Abseits dieser wohl eher bedrückenden Nachrichten geht in Sachen Impfungen* in Deutschland einiges voran. Alle Entwicklungen in der Bundesrepublik lesen Sie immer aktuell in unserem Impf-Ticker für Deutschland. (*Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks)

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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