„Wirklich besondere Helden sitzen nicht auf der Couch“

Nach Corona-Spot der Regierung: Klinik nimmt Video auf die Schippe – deutliche Botschaft

Eine Klinik gibt in einem lustigen Video eine Antwort auf den Spot der Bundesregierung zu Corona-Helden. Diese birgt auch eine deutliche Botschaft.

Kennen Sie schon den Corona-Spot der Bundesregierung? Wenn nicht, können und sollten Sie das hier jetzt nachholen. Denn kaum eine Kampagne der Regierung verbreitete sich so schnell, wie die Videos unter dem Motto „#besonderehelden“. Und kaum eine sorgte für so viel Kritik - und für so viel Zuspruch gleichzeitig. Mit einer lustigen Antwort des Klinikums Esslingen dürfte die Diskussion nun noch eine neue Wende bekommen. Denn das Video des Krankenhauses regt zum Nachdenken an, wie echo24.de* berichtet.

Corona-Spot der Bundesregierung: Klinik nimmt Video mit lustiger Antwort auf die Schippe

Aber alles von vorn: Regierungssprecher Steffen Seibert teilte am vergangenen Wochenende via Twitter zwei Clips mit dem Hashtag #besonderehelden, die umgehend polarisierten. Die Botschaft von beiden ist klar: Wer zuhause bleibt, wird in der Corona-Pandemie zum Wellenbrecher und damit zum besonderen Helden.

#besonderehelden

- Unter diesem Hashtag veröffentlichte die Bundesregierung mittlerweile drei Corona-Spots.

- Produziert wurden die Videos von der von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf gegründeten Firma Florida Entertainement.

- Die Clips sollen ein humoristischer Appell an die persönlichen Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie sein.

Umgesetzt wurde die Botschaft von Florida Entertainment. Die Produktionsfirma, die in erster Linie für die Sendungen von und mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf verantwortlich ist, ist bekannt für die Extraportion Humor. Doch beim Thema Corona hörte der bei vielen offenbar auf.

Corona-Spot: Bundesregierung wirbt mit Humor fürs Nichtstun

In einem der Spots ist ein fiktiver älterer Mann zu sehen. In einer Art Dokumentation beschreibt er rückblickend, wie er die zweite Welle „damals in diesem Corona-Winter 2020“ erlebt hat. „Eine unsichtbare Gefahr bedrohte alles, woran wir glaubten“, beschreibt der Mann im Video die Corona-Situation in Deutschland.

Das Schicksal des Landes habe plötzlich auch in seinen Händen gelegen. Und was habe er getan? „Nichts. Absolut gar nichts.“ Mit Nichtstun sei man zum besonderen Helden geworden. „Tage- und nächtelang blieben wir auf unserem Arsch zu Hause und kämpften gegen die Ausbreitung des Coronavirus.“

Corona-Spot der Bundesregierung erntet Kritik und Lob - Appell ist klar

Doch genau darüber konnten längst nicht alle lachen. Schließlich müssen viele wegen Kurzarbeit, geschlossenen Läden, Homeschooling und anderen Widrigkeiten um ihre Existenz bangen oder arbeiten am Limit zwischen Job und Kinderbetreuung. Dazu kommt die Angst um die eigene Gesundheit.

„Werde auch du zum Helden und bleib zu Hause.“

Corona-Spot der Bundesregierung

Während in Deutschland auch viel Kritik geübt wurde, konnte man im Ausland viel über die sich auch dort verbreiteten Corona-Spots, der Bundesregierung lachen. Hier kam der durchaus satirische Appell, der auch am Ende der Videos zu sehen ist besser an. „Werde auch du zum Helden und bleib zu Hause.“

Antwort auf Corona-Spot der Bundesregierung: Klinik mit lustigem Video

Nun bekommt die Diskussion um die Corona-Spots noch eine andere Dimension. Zu verdanken ist das einem Video, das sich das Klinikum Esslingen ausgedacht hat. Es nimmt die Spots der Bundesregierung auf die Schippe - und verdeutlicht doch zugleich die grundlegende Botschaft.

Das Klinikum Esslingen zeigt in einem Antwort-Video auf den Corona-Spot der Bundesregierung wer die wirklichen Helden sind.

Genau wie im Corona-Spot der Bundesregierung ist auf dem Youtube-Clip der Klinik aus Esslingen in Baden-Württemberg ein Herr zu sehen, der einen fiktiven Rückblick wagt. Sogar mit fast den gleichen Worten.

Corona-Spot: Klinik Antwortet mit lustigem und deutlichem Video auf Clip der Bundesregierung

„Ich glaube das war im Winter 2020 als das ganze Land auf uns schaute“, liest Dr. Christian Schneckenburg vor. Schneckenburg heißt im wahren Leben Christian von Schnakenburg und ist Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik Esslingen. Er ahmt den älteren Herrn im Corona-Spot der Regierung nach.

„Eine unsichtbare Gefahr bedrohte alles, woran wir glaubten“, sagt von Schnakenburg im Video. Doch ab einem Punkt unterscheidet sich sein Text deutlich von dem im Corona-Spot der Bundesregierung: „Also fassten wir unseren Mut zusammen und taten, was von uns erwartet wurde: das einzig Richtige. Wir arbeiteten uns den Arsch auf.“

Corona-Spot der Bundesregierung: Klinik antwortet mit Video - Situation der Ärzte beleuchtet

Von Schnakenburg erläutert, wie die Ärzte und das Klinikpersonal um das Überleben der Patienten in der Corona-Pandemie kämpfen „tags, nachts“ und in allen Bereichen.

Im Video des Klinikums Esslingen sind dazu Bilder der Ärzte und Pfleger bei der Arbeit zu sehen. „Wirklich #BesondereHelden sitzen nämlich nicht nur auf der Couch“, heißt es in der Beschreibung des Youtube-Videos.

Corona-Spot der Bundesregierung: Klinik liefert humorvolle, aber deutliche Antwort

Dennoch: Kritik an den Corona-Spots der Bundesregierung soll es ausdrücklich nicht üben. Das schreibt die Stuttgarter Zeitung mit Bezug auf die Pressesprecherin des Esslinger Klinikums.

Im Video der Esslinger Klinik sind die wirklichen Helden der Corona-Pandemie zu sehen.

Einen Seitenhieb konnte sich das Klinik-Personal aber offenbar auch nicht verkneifen. „Wir haben hier im Klinikum Massen an Helden. Das wurde in dem Video der Bundesregierung vergessen“, zitiert die Stuttgarter Zeitung die Pressesprecherin.

Corona-Spot der Bundesregierung: Botschaft deutlich

Die Botschaft des Corona-Spots der Bundesregierung unterstützt die Persiflage dennoch voll und ganz: Wer zuhause bleibt und hilft, die Pandemie einzudämmen, entlastet letztlich auch die Ärzte.

Ob nun gemocht oder nicht - mit der Verbreitung des Videos des Klinikums Esslingen bleiben auch die Corona-Spots der Bundesregierung im Gespräch.

„Schmunzeln muss ich nicht, wenn ich an diese Zeit zurückdenke“, sagt von Schnakenburg im Video des Esslinger Klinikums. Vielleicht dient Humor aber in diesem Fall als der bessere Appell, als die auch in Baden-Württemberg immer noch alarmierenden Zahlen der Corona-Neuinfektionen* und der Intensivauslastung der Krankenhäuser*. Denn, so heißt es in beiden Videos: „Das war unser Schicksal. Damals - im Corona-Winter 2020.“ *echo24.de ist Teil des Ippen Digital Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Screenshot Youtube/Klinikum Esslingen

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