Fahndung in der U-Bahn

+
Nach vermissten Kindern wird zukünftig in und um öffentliche Verkehrsmittel gesucht.

Lübeck - Seit wenigen Monaten kooperiert die “Initiative Vermisste Kinder“ mit dem Außenwerbungs-Unternehmen Ströer und der Polizei in Fällen, bei denen es besonders schnell gehen muss.

Das vermisste 13-jährige Mädchen aus Schleswig-Holstein war einer der ersten Fälle für die neue Fahndungsmethode. Wenige Tage nachdem das Mädchen von zu Hause verschwunden war, hatte die Polizei ihr Handy am Düsseldorfer Hauptbahnhof geortet. Die Behörden schalteten die “Initiative Vermisste Kinder“ ein, die das Fahndungsfoto nach einem neuen Sofort-Programm in kurzer Zeit über digitale Werbeanzeigen in Haltestellen, Bussen und Bahnen der Region verbreiten ließ - mit Erfolg.

Gerade wenn Kinder unter 14 Jahren von zu Hause ohne einen Hinweis über ihren Aufenthalt verschwinden, müssen in kürzester Zeit groß angelegte, öffentliche Fahndungen gestartet werden. Neben einer Verbreitung über Fernsehen und Zeitung werden die Bilder nun auch über digitale Flächen in Bahnhöfen, U- und S-Bahnen und auch in Bussen verbreitet. Im Fall des vermissten Mädchens aus Schleswig-Holstein ging der erste Hinweis von einer Frau aus dem Raum Köln ein, die das Mädchen gesehen hatte. “Wir haben dann noch einmal großflächig plakatiert auf den Ausfallstraßen in der Region. Darauf folgte dann der entscheidende Tipp“, sagt Lars Bruhns von der “Initiative Vermisste Kinder“.

Mädchen bei vorbestraftem Sexualstraftäter gefunden

Die Polizei konnte das Mädchen schließlich bei einem vorbestraften Sexualstraftäter auffinden. Er hatte die Minderjährige über ein Chatforum im Internet ausfindig gemacht und sie zu sich gelockt. Die beiden wurden von den Beamten in einem leerstehenden Hotel aufgefunden. Das Mädchen war dem Mann zwar freiwillig gefolgt, dieser machte sich aber wegen Verführung Minderjähriger strafbar.

In Deutschland werden nach Angaben des Bundeskriminalamtes dauerhaft etwa 1.600 Minderjährige gesucht. Von den jährlich 100.000 gemeldeten Vermissten können in 98 Prozent der Fälle die Kinder in kurzer Zeit wieder aufgefunden werden. “Bevor wir eine große Öffentlichkeitsfahndung starten, müssen wir eine Reihe von Punkten abklären“, sagt ein Beamter der Landeskriminalamtes in Hamburg . Aber ab einem bestimmten Punkt könne eine schnelle Suche sehr hilfreich sein.

Von einem Elternteil ins Ausland verschleppt

“600 Fälle von den 1.600 Vermissten im Jahr sind Kindesentführungen, oft nach Streitigkeiten über das Sorgerecht“, erklärt Bruhns von der “Initiative Vermisste Kinder“. Bei Scheidungen von binationalen Ehen komme es häufig vor, dass ein Elternteil die Kinder in sein Herkunftsland entführe. Nach Angabe des Auswärtigen Amts wird in solchen Fällen das Justizministerium eingeschaltet, das versuche, bei den entsprechenden Stellen im Ausland eine Rückführung des Kindes zu erwirken. Zurzeit arbeitet die Initiative an einem weiteren Sofort-Plan, bei dem Bürger mit Hilfe von Telekommunikationsunternehmen kurzzeitig über SMS informiert werden sollen. In den USA habe sich dieses Konzept bereits etabliert, sagt Bruhns. Früher seien dort die Bilder von vermissten Kindern auf Milchtüten abgedruckt worden. Eine Methode, die häufig zum Erfolg geführt habe.

AP

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare