Fall Kassandra: In Velbert herrscht die Angst

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Stadt in Angst: Eine Mutter geht in Velbert-Neviges (Kreis Mettmann) mit ihrem Sohn in Richtung einer Kindertagesstätte. Diese Kita grenzt an die Halle, hinter der die Polizei in der Nacht zum 15. September 2009 die lebensgefährlich verletzte neunjährige Kassandra gefunden hatte.

Velbert - Der mutmaßliche Peiniger der neunjährigen Kassandra sitzt hinter Gittern - doch das idyllische Velbert-Neviges bei Essen ist von einer Rückkehr zur Normalität weit entfernt.

Vor dem Spieltreff “Treff 51“, aus dem Kassandra verschwand, stehen auch am Montag Streifenwagen. Vor der Grundschule auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat die Polizei ebenfalls Posten bezogen.

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Ein 14-jähriger Schüler wird verdächtigt, Kassandra vor drei Wochen brutal misshandelt und lebensgefährlich verletzt in einen Gully-Schacht geworfen zu haben. Er war am vergangenen Freitag festgenommen worden. Die Ermittler hatten Faserspuren von seiner Kleidung an der Jacke des Mädchens gefunden. Außerdem hatten Zeugen den Jugendlichen zur fraglichen Zeit in der Nähe des Tatorts gesehen. Kassandra ist außer Lebensgefahr, konnte aber zu dem grausamen Geschehen noch nicht befragt werden.

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“Er war immer sehr unruhig. Er hat viel gelogen“, sagt Daniel Koge, Zivildienstleistender im Jugendtreff, über den Verdächtigen, der als verhaltensauffällig gilt. Oft sei der 14-Jährige, der die Tat abstreitet, in Rangeleien verwickelt gewesen und habe schließlich Hausverbot in dem Treff erhalten. Mit ungutem Gefühl erinnert sich der “Zivi“ an die vergangene Woche: An einer Bushaltestelle war er dem 14-Jährigen begegnet: “Er hat sich total normal verhalten. Er hat sogar noch gefragt, wann der Jugendtreff wieder stattfindet.“

Auch eine Realschülerin kennt den Verdächtigen: “Der war immer sehr auffällig. War in den Pausen immer an anderen Schulen, hat sich mit anderen Kindern geprügelt.“ Mitschüler bestätigen die Beobachtung: “Er hat sich in den Pausen immer geprügelt. Manchmal im Ernst, manchmal im Spaß.“

„Das ist eine Riesenschweinerei“

Besonders die Jugendlichen in Velbert schütteln den Kopf über die grausame Tat. “Es ist eine Riesenschweinerei“, schimpft ein Auszubildender. Der 17-Jährige und sein Freund können nicht glauben, dass ein 14-Jähriger “eine so schlimme Tat alleine vollbringt.“

Gerüchten, der Schüler habe einen erwachsenen Mittäter gehabt, tritt am Montag jedoch ein Polizeisprecher entgegen: “Es gibt keine Hinweise auf einen Komplizen. Der 14-Jährige ist am Tatort immer nur alleine gesehen worden.“ Unter den gut 19 000 Einwohnern von Velbert- Neviges brodelt dennoch die Gerüchteküche. “Er wurde zu der Tat verführt“, raunt ein älterer Herr. “Nichts ist mehr so wie vorher“, sagt der Rentner.

Gefühl von Sicherheit ist verschwunden

In dem beschaulichen Stadtteil, früher allenfalls durch seinen Wallfahrtsdom bekannt, ist man misstrauisch geworden. Das Gefühl von Sicherheit ist verschwunden. Eltern, die ihre Kinder in den Kindergarten bringen, hetzen vorbei. Eine Gruppe von Schulkindern passiert das Sportgelände, auf dem sich Kassandras Martyrium ereignete. “Unsere Eltern haben panische Angst um uns“, meint ein Mädchen. Deshalb dürfen die Kinder nur in der Gruppe zur Schule gehen.

“Der Schock ist schon sehr groß, dass so etwas passiert. Und dass ein 14-Jähriger so etwas macht, er ist doch noch ein Kind! Das ist schockierend“, sagt Svetlana Schmidt (38), Mutter eines siebenjährigen Grundschülers. “Mein Sohn hat seitdem Angst - er will nicht mehr alleine vor die Tür und will, dass ich ihn abhole. Alle haben Angst um ihre Kinder, weil es jedem Kind passieren kann.“

Von Maryam Schumacher

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