In Bordell verprügelt: Opfer wird entschädigt

Düsseldorf - Ein Mann wird in einem Bordell niedergeprügelt. Die Tat wird nicht aufgeklärt, das traumatisierte Opfer soll keine staatliche Entschädigung bekommen. Falsch, sagt das Sozialgericht Düsseldorf:

Wäre ordentlich ermittelt worden, hätte es für den Anspruch gereicht.

Einem im Bordell überfallenen Mann hat das Sozialgericht in Düsseldorf eine Grundrente nach dem Opferentschädigungsgesetz zugesprochen (Az.: S 35 VG 21/10). Er solle monatlich knapp 600 Euro erhalten, entschied das Gericht am Donnerstag - verbunden mit deutlicher Kritik an den Ermittlungen der Kölner Polizei und Staatsanwaltschaft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Kläger war nach eigener Darstellung 2008 in einem Bordell in Köln mit einem Baseballschläger zusammengeschlagen worden. Blutüberströmt und schwer am Kopf verletzt wurde er mit einem Taxi in ein Krankenhaus gebracht. Er hat nach Aussage eines Gutachters eine Erwerbsminderung von 90 Prozent, leidet weiter unter der Gewalttat und ist depressiv.

Die Polizei hatte keinen Täter ermittelt; das Verfahren wurde eingestellt. Deshalb lehnte der Landschaftsverband Rheinland (LVR) als zuständige Behörde eine Opferentschädigung ab. Für den LVR war der Beweis nicht erbracht, dass der 1970 geborene Mann durch einen „vorsätzlichen, rechtswidrigen tätlichen Angriff“ geschädigt wurde. Dagegen ging das Gericht in seinem Urteil wegen unzureichender polizeilicher Ermittlungsarbeit von einer Umkehr der Beweislast zugunsten des Klägers aus.

„Bei ordnungsgemäßen Ermittlungen hätte jedenfalls eine Gewalttat nachgewiesen werden können“, erklärte das Sozialgericht. Dies hätte für einen Anspruch des Klägers ausgereicht.

dpa

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