Gewaltverbrechen an Kindern nehmen deutlich zu

Berlin - 188 Kinder sind im vergangenen Jahr Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, fast 19.000 wurden geschlagen, vergewaltigt oder misshandelt.

Zeichnete die Kriminalstatistik 2008 im Juni noch ein tendenziell positives Bild, so erschreckt nun eine am Donnerstag in Berlin vorgestellte Sonderauswertung des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BdK) und der Deutschen Kinderhilfe. Im Vergleich zu 2007 gab es 9,9 Prozent mehr versuchte oder vorsätzliche Tötungen von Kleinkindern. Die Fälle von Misshandlungen haben sich innerhalb der letzten zehn Jahre gar verdoppelt.

2008 wurden laut Kriminalstatistik 14.821 Kinder unter 14 Jahren Opfer von Gewalt. Da die Statistiker Misshandlungen separat zählen, beträgt die Gesamtzahl von Kindern, denen Gewalt angetan wurde, fast 19.000. Der Pressesprecher des BDK , Bernd Carstensen , warnte angesichts dieser Zahlen davor, nur auf die Zahl tatsächlicher Todesfälle zu achten. Zwar seien 2008 zwei Kinder weniger als 1998 an Gewaltverbrechen gestorben. Aber die Zahl schwer verletzter Kinder, die die Verbrechen überlebten, sei alarmierend hoch.

Experten fordern besseren Kinderschutz

Die Experten übten scharfe Kritik an der Bundesregierung. Das Scheitern des Kinderschutzgesetzes sei ein “absolutes Armutszeugnis“, sagte der Chef der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann. “Die Kuh wäre allerdings noch vom Eis zu bekommen“, fügte er hinzu und forderte, das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg zu bringen. Ehrmann sprach sich zudem für einheitliche Qualitätsstandards der Jugendämter aus. Es sei nicht hinnehmbar, dass in Berlin nicht nach Alkoholismus der Eltern gefragt werde, während dies in München Standard sei.

Studie zeigt Schwierigkeiten bei Präventionsarbeit

Eine erste bundesweite Erhebung des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) ergab, dass Schwierigkeiten beim Aufbau flächendeckender Präventionsangebote bestehen. Bislang unterstützen etwa 50 Prozent der Jugend- und Gesundheitsämter Familien in schwierigen Lebenslagen, um Vernachlässigung und Misshandlungen vorzubeugen. Zwar bemühten sich nahezu alle Ämter, derartige Hilfe zu leisten. Eine Herausforderung sei es aber vielerorts noch, die Angebote dauerhaft zu etablieren.

ap

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