Haftstrafe für tödliche Gruppentherapie mit Drogen 

Berlin - Zu vier Jahren und neun Monaten Haft ist ein Berliner Psychotherapeut wegen einer tödlichen Gruppentherapie mit illegalen Drogen verurteilt worden. Mit Einschränkungen darf er aber weiter heilen.

Das Landgericht Berlin verhängte am Montag zudem ein dauerhaftes Berufsverbot. Demnach darf der 51-Jährige künftig nicht mehr als niedergelassener Arzt und Psychotherapeut, wohl aber in Kliniken arbeiten.

Der Angeklagte hatte die Tat gestanden und bereut. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt. Vom Vorwurf des versuchten Mordes wurde er freigesprochen. Im September 2009 waren bei einer sogenannten psycholytischen Therapie, bei der illegale Drogen wie Ecstasy verabreicht werden, zwei Menschen gestorben. Ein weiterer Patient war ins Koma gefallen und überlebte nur knapp.

Das Gericht warf dem Psychotherapeuten schwerwiegende Verstöße gegen seine ärztlichen Pflichten vor. “Schlimmer geht's nicht“, sagte der vorsitzende Richter Ralph Ehestädt. Da der Psychotherapeut nach wie vor an der gefährlichen und nicht anerkannten Therapieform festhalte, sei ein Berufsverbot nötig, sagte der Richter weiter. Eine zukünftige “Tätigkeit in einem Team in einem Krankenhaus“ sei aber möglich, da es dort “nicht zu solchen Vorfällen kommen“ könne, hieß es in der Urteilsbegründung. Auch dass der 51-Jährige mehr als zwei Jahrzehnte “beanstandungsfrei“ als Arzt gewirkt habe, sei berücksichtigt worden.

Zeugen hätten ihn als einfühlsamen Therapeuten beschrieben. Der Verteidiger des Angeklagten sagte im Anschluss an die Urteilsverkündung, es sei noch nicht entschieden, ob sein Mandant Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen werde. Die Staatsanwaltschaft, die acht Jahre Haft gefordert hatte, kündigte an, eine Revision zu prüfen.

DAPD

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