Hasenbilder-Streit - Gericht weist Klage ab

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Der Hasenbilder-Streit hat ein Ende: Ein Gericht hat die Klage einer Lehrerin abgewiesen.

Vechta - Der Hasenbilder-Streit hat ein Ende: Ein Gericht hat die Klage einer Lehrerin abgewiesen. Die Frau hatte geklagt, weil eine Schülerin Hasen an die Tafel gemalt hatte. Die ganze Geschichte:

Im Streit um Hasenbilder an der Tafel ist eine Lehrerin vor dem Amtsgericht Vechta gescheitert. Die Pädagogin hatte gegen eine Schülerin auf Unterlassung geklagt. Die Frau wollte Gerüchte stoppen, dass sie beim Anblick von Hasen durchdrehe, und zugleich erreichen, dass die 16-jährige Kim keine Hasenbilder mehr an die Tafel malt. “Die Klage wird abgewiesen“, sagte Richter Hermann Pieper am Dienstag. Gegen die Entscheidung kann die Lehrerin Berufung einlegen.

Eine Lehrerin mit Angst vor Hasen - der Fall hatte deutschlandweit Schlagzeilen gemacht. Die Frau war Thema in Boulevardsendungen im Fernsehen und von Glossen in Zeitungen. Deshalb waren auch zum Prozess-Ende ins niedersächsische Vechta viele Reporter gekommen.

“Das war ein komplizierter Abwägungsprozess“

Richter Pieper jedoch betonte nach der Sitzung, in dem Fall stehe nicht Angst vor Mümmelmännern im Zentrum, sondern Zwist an der Schule. “Es geht nicht um eine Hasenphobie, sondern um Mobbing“, betonte er. Es gehe um einen “Kampf an der Schule“. Zu der Frage, ob die Pädagogin nun wirklich ein Mobbingopfer sei, wollte er sich im Anschluss an die Entscheidung nicht konkret äußern.

Aus dem Abweisen der Klage folge nicht, dass er die Frau nicht für ein Mobbingopfer halte, erläuterte der Jurist, der im Prozess auch Zeugenaussagen zu den Positionen beider Seiten anhörte. “Das war ein komplizierter Abwägungsprozess“, betonte Pieper. Dass der Streit vorbei sei, glaube er nicht. Eine Berufung der Pädagogin halte er für wahrscheinlich.

Nachteile für die Schülerin?

Kim selbst hatte zwar bestritten, Hasen an eine Tafel gemalt zu haben. Aber sie erzählte alte Geschichten über eine Phobie der Lehrerin. Danach sollen Mitschüler ausprobiert haben, wie die Frau auf Hasenbilder reagiert. Im Laufe des Prozesses hatte auch eine Zeugin geschildert, die Lehrerin habe wegen eines Hasen geweint.

Die Klägerin war nicht zur Urteilsbegründung erschienen. Ihren Platz nahmen ihr Mann und ihr Sohn ein, die aber im Gerichtssaal nichts sagen wollten. Eine Stellungnahme ihres Anwalts gab es ebenfalls nicht.

Was die Klage der Pädagogin für die 16-jährige Kim bedeutet, machte ihre Mutter nach der Entscheidung klar. Sie zeigte sich erleichtert über den Ausgang des Prozesses. “Ich hoffe nicht, dass da was nachkommt“, sagte sie auf die Frage, ob ihre Tochter nun Nachteile auf der Schule befürchten müsse.

Trotz Schulwechsel waren beide erneut miteinander konfrontiert

Der Streit habe ihre Tochter nervlich stark belastet. “Das war psychischer Stress“. Sie sei von den Noten her abgerutscht und müsse eigentlich die Klasse wiederholen. “Ich will mich dafür einsetzen, dass sie das nicht muss“, betonte die Mutter.

Enttäuscht sei sie darüber, dass die Lehrerin nicht das Gespräch mit ihrer Tochter und ihr als Mutter gesucht, sondern sofort geklagt habe.

Ins Rollen kam der Fall durch einen Zufall: Denn die Schülerin kannte die Lehrerin von früher von einer anderen Schule - und erzählte vom Hasen-Stress dort. Die Pädagogin hatte 2008 an der Schule im Ort Goldenstedt im Kreis Vechta eine Schülerin wegen ähnlicher Geschichten über Hasenbilder verklagt. Der Rechtsstreit damals endete mit einem Vergleich.

Dann wechselte Kim 2009 von Goldenstedt nach Vechta. Auch die Lehrerin wechselte an ihre Schule dort. Als der Klassenlehrer zum Schuljahresbeginn die Riege der Pädagogen aufzählte und der Name der Klägerin fiel, will die Schülerin “oh, nee“ gesagt haben. Darauf von anderen angesprochen, erzählte Kim ihren neuen Mitschülern, dass die Lehrerin in ihrer alten Schule aus dem Unterricht geflüchtet sei, wenn sie Zeichnungen von Hasen gesehen habe.

dpa

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