Die Hitze macht der Bahn zu schaffen

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Ein ICE 2. Ein solches Modell war am Sonntag mit defekter Klimaanlage unterwegs.

Berlin - Die Hitze macht der Bahn Ärger. Die Behörden ermitteln, der Fahrgastverband fordert eine ICE-Generalüberholung, und Reisende müssen wegen defekter Kühlung in etlichen Waggons schwitzen.

Überlastete Klimaanlagen, entnervte Fahrgäste: Die Bahn steht wegen der Hitzewelle am Pranger. Nach massiven Problemen am Wochenende will der Konzern die Kühltechnik der ICE-Züge besonders überprüfen. Bundespolizei und Eisenbahn-Bundesamt nahmen Untersuchungen auf. Unter die Lupe kommt auch der ICE, in dem neun Schüler einen Hitzekollaps erlitten hatten. Das Bundesverkehrsministerium und die Gewerkschaft Transnet forderten Konsequenzen. Der Fahrgastverband Pro Bahn bemängelte das Krisenmanagement.

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Auch am Montag gab es bundesweit Schwierigkeiten mit aufgeheizten Waggons. Ein Bahnsprecher sagte in Berlin, bei der nächtlichen Wartung der ICE in den Werkstätten würden die Klimaanlagen mit einem extra Blick genauer überprüft. Damit solle sichergestellt werden, dass kein Zug mit gestörter Kühlung auf die Gleise rolle. Zugbegleiter seien zudem nochmals sensibilisiert worden, auf Unregelmäßigkeiten zu achten. Es würden mehr Getränke mitgenommen, mit denen sich Reisende erfrischen können. Komplette Zugausfälle seien vorerst nicht bekanntgeworden.

Wieder Klimaanlage in IC ausgefallen

Aber schon am Montag fiel nach Augenzeugenberichten in mehreren Wagen eines IC von Berlin nach Amsterdam die Klimaanlage aus. Nachdem der Zug mehrmals die Fahrt unterbrechen musste, sei er in Hannover komplett gestoppt worden. “In einigen Wagen herrschten Temperaturen von über 40 Grad“, sagte die Reisende Kathrin Wunderer, die mit vier Kindern ins westfälische Rheine unterwegs war. Einige ältere Fahrgäste seien in Wagen mit funktionierender Klimaanlage umgesetzt worden. “Kollabiert ist niemand.“

Ein angekündigter Ersatzzug, der in Hannover bereitgestellt werden sollte, sei gestrichen worden. Die Fahrgäste wurden auf eine Regionalbahn nach Hamm verwiesen. “Die war aber überfüllt, da standen die Leute wie die Ölsardinen in den Gängen. Ein Zusteigen war nicht möglich“, berichtete Wunderer. Viele Fahrgäste mussten dann am Bahnsteig warten. “Die Stimmung unter den Reisenden war matt. Sie hatten keine Energie mehr, um sich aufzuregen.“

Vorwürfe wegen zu alter Züge

Am Wochenende hatte die Bahn drei überhitzte ICE stoppen müssen. Etliche Schüler waren in den Wagen zusammengebrochen. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte, die Klimaanlagen-Defekte seien ein hausgemachtes Problem. “Es waren alles Züge des Typs ICE 2. Das sind Züge, die jetzt 15 Jahre alt sind“, sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann. Eine Generalüberholung sei dringend nötig. Die Bahn hatte bereits zuvor eine Modernisierung der ICE-2-Flotte für rund 100 Millionen Euro angekündigt. Fatal sei der Umgang mit Störungen, sagte Naumann. “Was die Bahn noch immer nicht gelernt hat, ist, mit Krisen umzugehen“, sagte Naumann. “Wenn es kritisch wird, muss man einen Zug auch mal anhalten und nicht nur, wenn er nicht weiterfahren kann, sondern auch, wenn im Inneren Dinge des Komforts nicht mehr stimmen.“

Das Eisenbahn-Bundesamt will Fahrzeuge und betriebliche Abläufe prüfen, wie ein Behördensprecher sagte. Untersucht werde auch, ob es früher bereits solche Vorfälle gegeben habe. Die Bundespolizei ermittelt in dem Zusammenhang wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung. Das Bundesverkehrsministerium dringt auf Konsequenzen. Derartige Mängel müssten bei künftigen ICE-Generationen beseitigt sein, sagte eine Sprecherin. Auch der Aufsichtsrat des bundeseigenen Konzerns werde sich mit dem Thema beschäftigen. Die Gewerkschaft Transnet forderte ebenfalls Gegenmaßnahmen. “Die Ursachen müssen schleunigst erforscht und beseitigt werden“, sagte der Vorsitzende Alexander Kirchner nach Angaben seines Sprechers. Er warnte zugleich vor Vorverurteilung der Zugbegleiter. “Sie haben einen harten Job und leiden auch unter den Problemen.“

Die Sophie-Scholl-Gesamtschule in Remscheid will nach dem Hitzekollaps von neun Schülern von der Bahn Schadenersatz fordern. Das Unternehmen habe den Vertrag auf Beförderung der Schüler nicht erfüllt, sagte Schulleiterin Brigitte Borgstedt am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa. “Die Beförderung endete im Desaster, und das nicht nur einmal.“ Neben den drei überhitzten ICE wurden weitere Probleme bekannt. Ein Korrespondent der dpa berichtete von einem IC von Passau nach Hamburg, in dem am Sonntag in mehreren Wagen die Klimaanlage versagt hatte. Im Intercity 2311 von Westerland nach Köln sei am Sonntag die Klimaanlage ausgefallen, sagte der 37-jährige Kölner Matthias Bosmann am Montag der dpa. Er habe selbst in dem Zug gesessen. Einige Wagen seien wegen Hitze geschlossen worden, Fahrgäste hätten auf andere Waggons ausweichen müssen. “Es war ein Riesenchaos.“

dpa

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