Katastrophe im News-Ticker

Hochwasser in Rheinland-Pfalz: Zwölf Todesopfer in Pflegeheim - Bewohner klammerte sich stundenlang an Fenster

Unwetter in Rheinland-Pfalz: Ein Polizist verschafft sich im Kreis Ahrweiler einen Überblick über das Hochwasser.
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Das Hochwasser hat ihn Rheinland-Pfalz zahlreiche Existenzen zerstört.

Noch immer sind die Rettungskräfte in Rheinland-Pfalz rund um die Uhr im Einsatz. Die Zahl der Todesopfer steigt weiter an. Unzählige Menschen werden weiter vermisst. Der News-Ticker.

  • Nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Todesopfer weiter gestiegen. Unter den Toten sind auch 12 Bewohner eines Pflegeheims in Sinzig. (siehe Erstmeldung; Update 17.09 Uhr)
  • Die Polizei warnt vor offenliegenden Stromleitungen und Falschmeldungen im Internet.
  • Merkel zeigte sich vor Ort betroffen (Update 18. Juli, 16.13 Uhr)
  • Dieser News-Ticker zur Hochwasser-Katastrophe in RLP ist beendet.
    Die Fortsetzung ab dem 19. Juli finden Sie hier.

Update vom 19. Juli, 07.53 Uhr: Deutschland hat mit einer schweren Unwetter-Katastrophe zu kämpfen. Viele Menschen verloren durch das Hochwasser in NRW, Rheinland-Pfalz oder auch Bayern ihr Zuhause oder sogar ihr Leben. Doch wurde die Bevölkerung nicht genug vor der Flutwelle gewarnt? Kritik an Innenminister Horst Seehofer und dem Katastrophenschutz wird derzeit laut. Auch die Times kritisierte die deutschen Behörden.

Hochwasser in Rheinland-Pfalz: Zwölf Todesopfer in Pflegeheim - Bewohner klammerte sich stundenlang an Fenster

Update vom 18. Juli, 16.13 Uhr: Inzwischen hat sich die Wetterlage in Rheinland-Pfalz entspannt. Was bleibt, sind Tonnen an Müll und Schlamm. Die Ausmaße sind verheerend. Viele Anwohner stehen buchstäblich vor den Trümmern ihrer Existenz. Andere suchen immer noch verzweifelt nach ihren Angehörigen. Aus Hubschraubern wurden am Sonntag Luftbildaufnahmen des betroffenen Gebiets angefertigt. Das Absuchen des gesamten Geländes soll am Sonntag bis zum Einbruch der Dunkelheit abgeschlossen sein.

Neben freiliegenden Stromleitungen warnte die Polizei auch vor Falschmeldungen bezüglich der Katastrophe: So gebe es „keine Flutwelle oder Dammbruch in Sinzig, Ahrweiler oder Umgebung“, hieß es in einer Mitteilung. Aus Angst vor Plünderungen und wegen Hochwassertouristen soll die Polizeipräsenz erhöht werden.

Hochwasser in Deutschland: Nach den Überschwemmungen beginnt der Wiederaufbau - Bilder von Schlamm und Trümmern

Rheinland-Pfalz kämpft mit den Hochwasser-Folgen: Merkel entsetzt „kaum Worte für die Verwüstung“

Nach einem Besuch im Ort Schuld in Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD)* sprach Kanzlerin Angela Merkel am (CDU) Sonntag von einer „surrealen, gespenstischen Situation“ und ergänzte: „Die deutsche Sprache kennt kaum Worte für die Verwüstung, die angerichtet ist.“

Update vom 18. Juli, 6.55 Uhr: Schwere Unwetter hatten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine Schneise der Verwüstung hinterlassen - mehr als 150 Menschen kamen ums Leben. Danach traf es den Süden Deutschlands: Der Landkreis Berchtesgadener Land rief nach sintflutartigen Regenfällen den Katastrophenfall aus.* Am Sonntag will Bundeskanzlerin Angela Merkel die am schwersten getroffenen Gebiete in der Eifel besuchen.

Merkel werde sich in der Gemeinde Schuld, die besonders getroffen wurde, ein Bild der Lage machen, wie die Staatskanzlei in Mainz mitteilte. Im Anschluss (14.30 Uhr) ist ein Pressestatement in Adenau geplant - gemeinsam mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und weiteren rheinland-pfälzischen Ministern.

Mindestes 110 Menschen sterben bei Hochwasserkatastrophe in Ahrweiler

Nach der Hochwasserkatastrophe im Kreis Ahrweiler in Reinland-Pfalz hat sich die Zahl der Todesopfer bis Sonntagmorgen auf 110 erhöht. Ebenso wurden 670 Personen verletzt, wie die Polizei mitteilte. Die Zahl der Toten und Verletzten könnte sich aber weiter erhöhen. In einer Vielzahl der umliegenden Gemeinden gibt es auch weiterhin weder Strom noch Telefonempfang. Ebenso sind weiterhin eine Vielzahl der Straßen im Ahrtal gesperrt.

Update 19.17 Uhr: In dem vom Hochwasser massiv betroffenen Trierer Stadtteil Ehrang sind die Aufräumarbeiten ein gutes Stück vorangekommen. „Den Feuerwehren und dem THW gelang es, rund 650 von 700 betroffenen Häuser leer zu pumpen“, teilte die Stadt am Samstagabend mit. Derzeit werde davon ausgegangen, dass keines der Häuser einsturzgefährdet sei, diese Einschätzung könne sich aber noch ändern.

In Trier-Ehrang war am Donnerstag die Kyll über die Ufer getreten und hatte große Teile des Stadtteils überschwemmt. Etwa 1000 Einwohner waren nach Angaben der Stadt Trier in Sicherheit gebracht worden. Zudem mussten ein Altenheim und ein Krankenhaus evakuiert werden. Am Samstag konnten die ersten Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

Rheinland-Pfalz: Todeszahl in Ahrweiler steigt weiter

Update vom 17. Juli, 17.09 Uhr: Im Raum Ahrweiler in Rheinland-Pfalz erhöhte sich die Todeszahl im Zusammenhang mit der Hochwasserkatastrophe auf 98, wie die Polizei Koblenz am Nachmittag bekanntgab. Die Zahl der Verletzten stieg demnach auf 670.

Steinmeier zeigt sich in Rheinland-Pfalz von Hochwasserkatastrophe betroffen

Update vom 17. Juli, 16.25 Uhr: In Ahrweiler suchen Feuerwehrleute Haus für Haus weiter nach Vermissten ab. „Alles ist möglich. Wir wissen nicht, was wir in den Kellern finden“, sagt ein Feuerwehr-Abschnittsleiter am Samstag. „Leider müssen noch deutlich mehr Tote befürchtet werden.“

Schlamm bedeckt in Ahrweiler alles -Teilen noch immer ohne Strom und Wasser

Schon bis Samstagmittag hatte die Polizei mehr als 90 Todesopfer im Großraum Ahrweiler gemeldet. Das bei Ausflüglern beliebte Städtchen Bad Neuenahr-Ahrweiler mit Gründerzeit-Bäderarchitektur, Fachwerkviertel und mittelalterlicher Stadtmauer ist in der Nähe des Flüsschens Ahr ein langgezogenes Trümmerfeld. Die Wassermassen sind hier inzwischen zurückgegangen. Doch der Schlamm bedeckt immer noch alles. Direkt an der Stadtmauer berichtet ein Anwohner von einer angeschwemmten 70-jährigen Toten, die erst nach vielen Stunden abgeholt werden konnte - die kämen mit den Toten nicht nach, schätzt der Bürger die Lage ein. Durch die zerstörten Brücken und Straßen bräuchten auch Krankenwagen teils eine Dreiviertelstunde, um zum örtlichen Krankenhaus zu gelangen. Auch am Samstagvormittag gibt es in Teilen der Stadt weder Strom noch Leitungswasser.

Die Menschen in den Hochwassergebieten vertrauten darauf, dass die jetzt gezeigte Solidarität auch weiter bestehe, wenn die Tragödie nicht mehr die Titelseiten der Tageszeitungen bestimme, sagt Bundespräsident Steinmeier über die Betroffenen. „Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, dass ein wenig von der Not der Menschen hier in den betroffenen Regionen gelindert wird“, sagt er und verwies auf Spendenkonten.

Polizei sucht mit Hubschraubern nach Opfern in Ahrweiler

Update vom 17. Juli, 15.21 Uhr: Der Kreis Ahrweiler ist von der Hochwasser-Katastrophe besonders schwer getroffen. Immer noch gibt es zahlreiche Vermisste, weitere Todesfälle werden erwartet.

In den besonders schwer zugänglichen Regionen im Raum Ahrweiler will die Polizei nun mit Hubschraubern nach weiteren Opfern der Flut suchen. Das Gebiet werde in Sektoren eingeteilt, und es würden Luftaufnahmen gemacht, teilte die Polizei in Koblenz am Samstag mit. Die Sektoren würden dann von Einsatzkräften systematisch abgesucht. Die Suche soll Sonntagabend bis zum Einbruch der Dunkelheit abgeschlossen sein. Über weitere Suchen werde dann entschieden.

Update vom 17. Juli, 12.45 Uhr: „Großes Kompliment an das Krisenmanagement hier in der Region! Die vielen Helfer, die Tag und Nacht gearbeitet haben“ betonte Manu Dreyer via Twitter in Kordel, einem vom Unwetter schwer betroffenen Ortsgemeinde in Rheinland-Pfalz. Das Land werde 50 Millionen zur Katastrophenhilfe bereitstellen und arbeite eng mit dem Bund zusammen. Die Ministerpräsidentin wird sich am Abend mit einer Ansprache im SWR an die Bürger der betroffenen Gebiete wenden.

Hochwasser in Rheinland-Pfalz: Zwölf Todesopfer in Pflegeheim - Bewohner klammerte sich stundenlang an Fenster

Update vom 17. Juli, 11.15 Uhr: Während immer mehr Opfer und Verletzte der Hochwasser-Katastrophe im Westen von Deutschland geborgen werden, kommen auch immer mehr traurige Details des Unglücks ans Licht. In Sinzig, Kreis Ahrweiler, sind auch 12 von 35 Bewohnern einer Pflegeeinrichtung für geistig Behinderte ums Leben gekommen (Siehe Erstmeldung unten). Der Fall sorgt für Bestürzung.

Vier Stunden habe sich ein Bewohner am Fenster über Wasser gehalten, berichtet eine Anwohnerin gegenüber Bild. „Nur sein Kopf ragte über dem Wasser. Ich sah ihn und konnte ihm nicht helfen. Er schrie um sein Leben. Es war unfassbar schlimm, weil ich nicht eingreifen konnte.“ Auf Twitter fordern einige Nutzer, Inklusion und Barrierefreiheit bei Rettungswegen und Notfallkonzepten zu überdenken.

Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz: 12 Bewohner eines Pflegeheims ertranken am Freitag in den Fluten.

Hochwasser in Rheinland-Pfalz: Polizei warnt vor Lebensgefahr an Stromleitungen

Update vom 17. Juli, 10.54 Uhr: Die Hochwasser-Katastrophe ist auch in Rheinland-Pfalz noch lange nicht vorbei, auch wenn sich die Wetter-Lage langsam stabilisiert. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste, teilweise sogar Taucher, sind im Einsatz um die Verletzten zu bergen und die Trümmer der Katastrophe zu beseitigen.

Was bleibt sind die zerstörten Überreste von Häusern, Straßen, ganzen Orten und eben auch freiliegende Stromleitungen. Ein gefährlicher Zustand, vor dem die Polizei Koblenz am Samstagvormittag alle Betroffenen im Katastrophengebiet warnt: „Halten Sie großräumig Abstand und bringen Sie sich nicht in Gefahr!“ Unter Umständen können Stromleitungen noch aus mehreren Metern auch ohne direkten Kontakt lebensgefährlich sein.

Hochwasser in Rheinland-Pfalz: Zahl der Todesopfer könnte weiter steigen - Tragische Details aus Pflegeheim

Erstmeldung: Ahrweiler/Koblenz - Die Polizei Koblenz meldete am Samstagmorgen erneut schockierende Zahlen zum Hochwasser in Rheinland-Pfalz. „Bei der Unwetterkatastrophe sind nach derzeitigem Stand (Samstag, 17.07.2021 / 05:00h) über 90 Personen ums Leben gekommen.“ Es sei zu befürchten, dass noch weitere Todesopfer hinzukommen. Dem Polizeipräsidium liegt laut ihrem Pressebericht die Meldung über insgesamt 618 verletzte Personen vor. Auch hier könne sich die Zahl allerdings weiter erhöhen.

Rettungs- und Suchkräfte waren der Polizei zufolge die ganze Nacht im Einsatz und suchen weiter nach Vermissten. In vielen der betroffenen Orte sei das Telefon- und Stromnetz weiterhin ausgefallen. Am Freitag hatte Innenminister Roger Lewentz (SPD) noch von 63 Todesopfern gesprochen. Die Zahl der Verletzten lag am Freitag noch bei 362.

Meldung von Vermissten:

Angehörige, Freunde oder Bekannte, die jemanden vermissen, können sich unter der Rufnummer 0800 6565651 bei der Polizei melden. Die Hotline sei rund um die Uhr erreichbar und nehme jeden Hinweis entgegen.

Unwetter in Rheinland-Pfalz: Zahl der Todesopfer steigt weiter - Unwetter traf Pflege-Einrichtung

In Rheinland-Pfalz ist der Kreis Ahrweiler Schwerpunkt der Katastrophe. Videos zeigen das Ausmaß der Katastrophe Vorort*. Unter den Toten sind zwölf Bewohner einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung in Sinzig, an der Mündung der Ahr in den Rhein. „Das Wasser drang innerhalb einer Minute bis an die Decke des Erdgeschosses“, sagte der Geschäftsführer des Landesverbands der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz, Matthias Mandos.

Die Nachtwache habe es noch geschafft, mehrere Bewohner in den ersten Stock des Wohnheims zu bringen. „Als er die nächsten holen wollte, kam er schon zu spät.“ Am Freitag war an dem Gebäude eine etwa drei Meter hoch reichende Schlammschicht zu sehen, die über die Fenster des Erdgeschosses reichte.

Unwetter in Rheinland-Pfalz: Polizei im Dauereinsatz - Wetter bleibt unbeständig

Die Polizei war in der Nacht nach Angaben des Präsidiums mit vielen Einsatzkräften in den betroffenen Ortslagen im Einsatz. Durch das Unwetter seien viele Straßen im Ahrtal weiterhin gesperrt oder nicht mehr befahrbar. Die Polizei bittet darum, das Ahrtal weiträumig zu umfahren. Rettungswege müssen für Rettungskräfte frei gehalten werden.

Die Wetterlage hat sich inzwischen entspannt. Es bleibt aber wechselhaft, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Daher könne es auch weiter zu örtlichen Gewittern* mit Starkregen kommen. Erst am Wochenende sollen die Niederschläge* aufhören. Die Landesregierung beschloss die Einrichtung einer Stabsstelle Wiederaufbau. Die Bundesregierung will in der kommenden Woche über Aufbauhilfen für Bürger und Kommunen in den Überschwemmungsgebieten entscheiden. (dpa/vs)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.DIGITAL

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