Höchststrafe für Mörder von Marwa El-Sherbini

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Der Mörder der Ägypterin Marwa El-Sherbini wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Dresden - Der Russlanddeutsche Alex W. ist wegen Mordes an der Ägypterin Marwa El-Sherbini zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Das Urteil für den Mörder der Ägypterin Marwa El-Sherbini ist größtenteils mit Erleichterung aufgenommen worden. “Wir sind stolz auf unser Rechtssystem und unsere unabhängige Justiz“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Axel Köhler, am Mittwoch in Dresden. Als klares Zeichen für die arabische Welt und für Muslime in Deutschland wertete die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU) die lebenslange Haftstrafe für den Angeklagten Alex W. In der Heimat der getöteten 31-Jährigen äußerten einige Menschen aber auch radikale Ansichten. 

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“Für Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit ist kein Platz in unserem Land“, erklärte Staatsministerin Böhmer in Berlin. Sie sprach von der “Tat eines Einzelgängers“. Die Richter hatten den Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren praktisch ausgeschlossen. “Das belegt: Solche Gewaltverbrechen werden in Deutschland mit aller Konsequenz bestraft“, sagte Böhmer.

Der ägyptische Botschafter in Deutschland, Ramzy Ezzeldin Ramzy, war zufrieden mit dem Urteil. Man habe die Höchststrafe gefordert und die Höchststrafe bekommen, sagte er. “Der deutsche Rechtsstaat hat damit eine klare Antwort auf diese abscheuliche Tat gefunden“, sagte der Sprecher der sächsischen Regierung, Johann-Adolf Cohausz.

Der Zentralrat der Muslime nannte das Urteil sehr sorgfältig und abwägend. “Wir müssen jetzt hoffen, dass sich so etwas nicht wiederholt.“ Die Politik forderte Köhler auf, etwas gegen die Islamfeindlichkeit in der Gesellschaft zu unternehmen. “Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Islamfeindlichkeit sind eine Schande für eine Kulturnation wie die Deutschen“, sagte er.

Von einem Urteil mit Signalwirkung für die Gesellschaft sprach die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth: “Die Dresdner Richter machen deutlich, dass der Rechtsstaat mit der ganzen Härte des Gesetzes gegen Straftaten vorgeht, die durch Rassismus, Rechtsextremismus und Islamophobie motiviert sind“, erklärte sie.

Auch der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, begrüßte das Dresdner Urteil. Er habe allerdings bei der Urteilsverkündung einen Vertreter der Bundesregierung vermisst, vor allem auch weil die Reaktionen in Deutschland unmittelbar nach der rassistischen Tat sehr zögerlich waren.

„Gefängnis ist zu wenig“

In der Heimat von Marwa El-Sherbini und ihrer Familie gab es unterschiedliche Reaktionen. Während viele Landsleute die nach deutschem Recht zulässige Höchststrafe begrüßten, reagierten einige Ägypter drastisch. “Das war ein absolut abscheuliches Verbrechen. Gefängnis ist zu wenig. Er hätte hingerichtet werden sollen“, sagte Hanan Mohammed Mostafa, eine 54 Jahre alte Krankenschwester, der dpa. Auch Osama Tharwat, ein 23 Jahre alter Koch, sah die Bestrafung von Alex W. als zu gering an.

“Es war ein schändliches Verbrechen. Er hätte hingerichtet werden sollen, vor allem weil er auch einem ungeborenen Kind das Leben genommen hat.“ Sein 20 Jahre alter Kollege Ahmed Said reagierte gemäßigter: “Es war das richtige Urteil. Die Bestrafung ist dem Verbrechen angemessen.“ In Ägypten gibt es noch die Todesstrafe.

Der Professor Nabil Hilmi von der Universität Zagazig sagte: “Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist nicht ausländerfeindlich und auch die deutsche Regierung ist es nicht“, sagte er. Menschen, die andere Menschen wegen ihrer Herkunft oder ihrer Religionszugehörigkeit diskriminierten, seien überall zu finden, fügte er hinzu, “auch bei uns in Ägypten“.

dpa

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