Jennifer: Ministerium sieht Fehler bei Schulleitung

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Die 13-jährige Jennifer wurde in diesem Wohnhaus in Lübbenow jahrelang eingesperrt.

Potsdam - Möglicherweise hätte das Leiden der jahrelang versteckten Jennifer in der Uckermark verhindert werden können, wenn nicht eine Schuldirektorin ihre Meldepflichten vernachlässigt hätte.

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Denn das Schulamt war über Jennifers Fehlen im Unterricht nicht informiert worden, nachdem ihre Eltern mit dem angeblichen Brief einer anderen Schule der Direktorin gezeigt hatten, dass sie sich für Jennifer um einen Platz in einer Förderschule bemühten. Entsprechende Einzelheiten gab das brandenburgische Bildungsministerium in Potsdam nach einer Befragung der Schuldirektorin am Donnerstag bekannt. Die Staatsanwaltschaft will das Schreiben jetzt prüfen.

“Der Direktorin waren die Eltern als engagiert und vertrauenswürdig bekannt. Ein weiteres Kind der Familie besuchte bereits die Grundschule in Werbelow“, sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Den Brief der Waldhofschule Templin habe die Direktorin zum Anlass genommen, dem Schulamt zu verschweigen, dass die heute 13-Jährige nicht zum Schulunterricht kam. “Die Versäumnisse sind halbwegs nachvollziehbar, aber bleiben ein Fehler.“ Zu möglichen Konsequenzen für die Direktorin machte Breiding keine Angaben.

An der Waldhofschule war der Brief, in dem eine Aufnahme Jennifers abgelehnt worden sein soll, bis zum Mittwoch nicht bekannt. “Das Schreiben kommt nicht von uns“, sagte der Direktor der Waldhofschule, Wilfried Steinert, der dpa. “Wir haben gestern eine Kopie des Briefs erhalten und sie geprüft.“ Das Schreiben enthalte eine falsche Adresse der Schule, und es fehle der sonst übliche Briefkopf. Der Inhalt sei wirr und schwer verständlich.

Steinert sagte weiter, Jennifers Eltern hätten sich in seiner Schule nie um einen Platz bemüht. Dabei seien die Chancen gut gewesen. “Wir sind zwar mehr als ausgelastet, bemühen uns aber sehr, geistig behinderte Kinder grundsätzlich aufzunehmen.“

Von einem Sprecher der Kreisverwaltung Uckermark hieß es, die “hausinterne Untersuchung“ des Falls Jennifer sei abgeschlossen. Das Ergebnis werde in der Woche vom 17. bis 21. August dem Ältestenrat und am 27. August dem Jugendhilfeausschuss vorgestellt. Personelle Veränderungen in der Leitung des Sozialdezernats und des Jugendamtes seien aus Sicht des Landrats Klemens Schmitz (parteilos) nicht nötig.

Neun Jahre lang soll die geistig behinderte Jennifer von ihren Eltern zu Hause versteckt worden sein. Das Mädchen hatte nie eine Schule besucht und war nach einem anonymen Hinweis Mitte Juli aus der Familie geholt worden. Der Fall war vor gut einer Woche in der Öffentlichkeit bekanntgeworden. [Tatort]: Ortsteil Lübbenow, 17337 Gemeinde Uckerland [Kreisverwaltung]: Karl-Marx-Straße 1, 17291 Prenzlau [Waldhofschule]: Röddeliner Str. 36, 17268 Templin dpa ans yybb z2 goe/du

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