Verschlüsselte Daten gefunden

Weitere Ermittlungen gegen Lübcke-Tatverdächtigen: Schoss Stephan Ernst auf Lehrer?

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Walter Lübcke - Hauptverdächtiger Stephan E.

Der Tatverdächtige im Fall Walter Lübcke könnte auch für einen Mordversuch an einem Lehrer aus Kassel verantwortlich gewesen sein. Die Bundesanwaltschaft ermittelt.

  • Mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke könnte auch für Anschlag auf Lehrer verantwortlich sein
  • Anfangsverdacht gegen Stephan Ernst aus Kassel
  • Ermittler sollen verschlüsselte Datei gefunden haben

Kassel – Im Februar 2003 wurde in Kassel (Hessen) auf einen Lehrer in seiner Wohnung geschossen. Das Projektil durchschlug das Kunststoffrollo des Küchenfensters und verfehlte den Mann nur um wenige Zentimeter. „Haarscharf dem Tod entkommen“ stand damals über dem Artikel in der HNA*. 

Kassel: Neue Ermittlungen gegen Stephan Ernst, den mutmaßlichen Mörder von Walter Lübcke

Jetzt ermittelt die Bundesanwaltschaft, ob Stephan Ernst aus Kassel, der mutmaßliche Mörder des Regierungspräsidenten Walter Lübcke, auch für diese Tat verantwortlich sein könnte. Das bestätigte ein Sprecher gegenüber der HNA*. Es handele sich um einen Anfangsverdacht.

Die Ermittlungen sollen andauern, bislang hätten sich aber keine weiteren bedeutsamen Verdachtsmomente ergeben. Nach Informationen von NDR und Spiegel, die gestern zuerst über die neuen Erkenntnisse berichtet hatten, sollen die Ermittler auf dem Laptop von Stephan Ernst eine verschlüsselte Datei mit einem Namen des damaligen Opfers gefunden haben.

Kassel: Mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke - Foto des Opfers auf Computer von Stephan Ernst gefunden

Darin sollen Name, Adresse und Hinweise auf seine Funktion in einer antifaschistischen Organisation und in einem Bündnis gegen Rechtsextremismus gespeichert gewesen sein. Die Datei soll 2002, also im Jahr vor dem Mordversuch, angelegt worden sein. Auch ein Foto des Opfers soll sich demnach in der Datei auf dem Computer befunden haben.

Der Kasseler Lehrer kam bei dem Attentat am frühen Morgen des 20. Februars mit dem Schrecken davon. Er hatte sich damals und auch heute gegen Rechtsextremismus engagiert. Wenige Wochen nach dem Mord an Walter Lübcke sagte der Pädagoge in einem Gespräch mit der HNA, dass ihm die Mitglieder der rechten Szene in Kassel durchaus ein Begriff seien. Stephan Ernst habe er aber nie persönlich getroffen. 

Kassel: Mordversuch an Lehrer - Polizei ermittelte nach Anschlag

Ob die Kugel damals tatsächlich ihm galt, konnte nie abschließend geklärt werden. Der Pädagoge hatte aber damals schon gesagt, dass er Drohungen aus der rechten Szene erhalten habe. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelte damals gegen Unbekannt. Gegenüber der HNA* sagte der Lehrer 2003, dass er einen Anschlag durchaus für denkbar halte.

Er glaube nicht, dass es ein Mordanschlag sein sollte, aber es solle ihm Angst einjagen, so der Pädagoge. Er äußerte schon 2003 aufgrund seiner politischen Aktivitäten den Verdacht, dass es eine politisch motivierte Tat gewesen sein könnte.

Kassel: Mutmaßlicher Mörder von Walter Lübcke - Tatwaffe wurde im Depot von Stephan Ernst gefunden

Die Polizei hatte nach dem Anschlag ermittelt, dass der oder die Täter das Küchenfenster von einem Fußweg aus unter Beschuss genommen hatten. Zur Waffe hieß es damals, dass es sich um eine großkalibrige Waffe gehandelt haben soll. Walter Lübcke soll mit einem kurzläufigen Revolver der Marke Rossi erschossen worden sein. Der Waffe wurde im Depot von Stephan Ernst gefunden. Seit wann er die Waffe besaß und wie er in ihren Besitz kam, ist noch immer unklar.

Kassel: Stephan Ernst, der mutmaßlicher Mörder von Walter Lübcke, weist Vorwürfe zurück

Frank Hannig, einer der Verteidiger von Stephan Ernst aus Kassel sagte zu den neuen Ermittlungen gegenüber dem Spiegel: „Unser Mandant weist diese Vorwürfe empört zurück.“ Stephan Ernst soll keine Kenntnis von dem Ermittlungsverfahren haben und den Generalbundesanwalt aufgefordert haben, ihn darüber zu informieren.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt seit seiner Festnahme im Mordfall Walter Lübcke noch in einem dritten Fall gegen Stephan Ernst. Er soll 2016 einen Asylbewerber mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt haben.

Video: Hauptverdächtiger im Mordfall Lübcke beschuldigt Bekannten

Von Kathrin Meyer

Der mutmaßliche Lübcke-Mörder Stephan Ernst bleibt weiter in Untersuchungshaft. Das geht aus einem Beschluss des Bundesgerichtshofes (BGH) hervor. Nach dem Mord an Walter Lübcke, Regierungspräsident von Kassel, hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen Stephan E. und seinen mutmaßlichen Helfer erhoben.

Bundesjustizminsterin Christine Lambrecht spricht bezüglich des Mords an Walter Lübcke von einer „Zäsur“. Die Tat zielte laut der CDU-Politikerin auf die ganze Gesellschaft.

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