Mustafa Kaplan

"Anspruch auf ein faires Verfahren": Darum vertritt NSU-Opferanwalt den Neonazi Stephan Ernst

Stephan Ernst soll Regierungspräsident Walter Lübcke getötet haben. Nun hat sich der Hauptverdächtige im Prozess einen zweiten Anwalt genommen: Mustafa Kaplan.
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Stephan Ernst soll Regierungspräsident Walter Lübcke getötet haben. Nun hat sich der Hauptverdächtige im Prozess einen zweiten Anwalt genommen: Mustafa Kaplan.

Der Tatverdächtige im Mordfall Walter Lübcke, Stephan Ernst, hat sich einen zweiten Verteidiger genommen: NSU-Opferanwalt Mustafa Kaplan - darum hat er das Mandat übernommen.

  • Stephan Ernst hat sich einen zweiten Verteidiger genommen
  • Mustafa Kaplan wird den Hauptverdächtigen im Mordfall Walter Lübcke vertreten
  • Der neue Verteidiger geriet 2018 ins Visier von Neonazis
  • Mustafa Kaplan äußert sich zur Übernahme des Mandats

Update, 17.02.2020, 19.29 Uhr: Der Kölner Rechtsanwalt Mustafa Kaplan hat sich erstmals zu der Frage geäußert, warum er die Verteidigung des Hauptverdächtigen Stephan Ernst im Mordfall Walter Lübcke übernommen hat.

Mordfall Walter Lübcke: Darum verteidigt NSU-Opferanwalt Stephan Ernst 

Gegenüber dem „Spiegel“ sagte der 51-Jährige, dass moralische Überlegungen keine Rolle gespielt hätten: „Es geht allein darum, dass Herr Ernst einen Anspruch auf ein faires Verfahren hat, auf bestmögliche Verteidigung, ohne Ansehen der Person. Das ist ein rechtsstaatliches Prinzip, auf das ich sehr stolz bin.“

Mordfall Walter Lübcke: NSU-Opferanwalt Kaplan besucht Stephan Ernst im Gefängnis

Die Nachricht, dass Kaplan Ernst im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke neben dem Dresdner Juristen Frank Hannig vertreten wird, hatte Beobachter verwundert. Im NSU-Prozess hatte das Grünen-Mitglied ein Opfer der rechtsterroristischen Zelle vertreten. Kaplan besuchte Stephan Ernst am Mittwoch (12.02.2020) im Gefängnis in Wehlheiden: „Wir haben uns zwei Stunden unterhalten.“ 

Mordfall Walter Lübcke: Gehört der NSU-Opferanwalt zur Taktik von Stephan Ernst?

Danach sagte der gebürtige Türke zu, der auch schon den türkischen Präsidenten Recep Erdogan gegen den ZDF-Satiriker Jan Böhmermann vertreten hatte. Es könne durchaus sein, dass Ernst ihn auch aus taktischen Erwägungen engagiert habe, sagte er dem „Spiegel“: „Es ist natürlich möglich, dass meine türkische Vita eine Rolle spielt. Was aber auch legitim wäre. 

Ähnlich wie bei einem Sexualstraftäter, der sich von einer Frau verteidigen lässt.“ Von Rechten war Kaplan früher immer wieder bedroht worden. Nun sagt er: „Ich bin kein Szeneanwalt, das gilt in alle politischen Richtungen.“

Mordfall Walter Lübcke: NSU-Opferanwalt vertritt Neonazi - Stephan Ernst nimmt sich zweiten Verteidiger

Erstmeldung, 13.02.2020, 10.28 Uhr: Überraschung im Mordfall Walter Lübcke: Der tatverdächtige Stephan Ernst hat sich offenbar einen zweiten Verteidiger genommen. Stephan Ernst habe dem Kölner Anwalt Mustafa Kaplan die Vollmacht erteilt, „ihn als weiteren Verteidiger im Verfahren zu vertreten“, heißt es in einer Pressemitteilung seines bisherigen Anwalts Frank Hannig. 

Mordfall Walter Lübcke: Frank Hannig und Mustafa Kaplan werden Stephan Ernst vertreten

Hannig bleibt auch weiterhin Verteidiger von Ernst. Kaplan werde „als Strafverteidiger mit erheblichen Erfahrungen auch in Großverfahren die rechtsstaatlich erforderliche Verteidigung gemeinsam mit dem bisherigen Pflichtverteidiger garantieren“, heißt es weiter. 

Der neue Verteidiger Mustafa Kaplan geriet 2018 selbst ins Visier von Neonazis und erhielt Drohmails. Mustafa Kaplan hatte im NSU-Prozess ein Opfer des Bombenanschlages der Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos vertreten. 

Die Rechtsterroristen hatten am 9. Juni 2004  einen Sprengsatz vor einem türkischen Friseursalon gezündet. Die Bombe war mit Nägeln gespickt. Mehrere Menschen wurden bei dem Anschlag zum Teil schwer verletzt. 

Mordfall Walter Lübcke: Mustafa Kaplan geriet 2018 selbst ins Visier von Neonazis

Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sollen zwischen 2000 und 2007 acht türkisch- und einen griechischstämmigen Zuwanderer getötet haben. Als zehntes Opfer soll das Duo eine deutsche Polizistin getötet haben. Beate Zschäpe soll den beiden anderen mutmaßlichen Tätern geholfen haben. 

Sie wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten Suizid begangen. Die NSU-Taten gelten als größte rechte Mord- und Anschlagsserie der Bundesrepublik Deutschland.

Mustafa Kaplan vertrat auch den türkischen Präsidenten Erdogan* im Streit um das Schmähgedicht von Jan Böhmermann.

Stephan Ernst befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Das hatte der Bundesgerichtshof entschieden. Der mutmaßliche Waffenhändler Elmar J. wurde aus der Haft entlassen. Die Anklage gegen Stephan Ernst soll nach HNA-Informationen Ende dieses Monats erfolgen.

Video: Mahnwache nach Tod von Walter Lübcke 

Von Kathrin Meyer und Jan Wendt

*HNA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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