Keine Konsequenzen für Mittenwalder Missbrauchskandal

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Die Bundeswehr fordert Konsequenzen für den Missbrauchskandal bei den Gebirgsjägern.

Berlin/Mittenwald - Das Verteidigungsministerium lehnt Konsequenzen für den Mittenwalder Missbrauchskandal ab. Der Grund: "Allgemeine Verfehlungen gibt es nicht." Der Bundeswehrverband sieht das anders.

Das Verteidigungsministerium will zunächst keine Konsequenzen aus der Aufdeckung der schikanösen Aufnahmerituale bei der Bundeswehr im oberbayerischen Mittenwald ziehen.

“Allgemeine Konsequenzen könnte es nur geben, wenn es allgemeine Verfehlungen gibt“, sagte am Mittwoch ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. “Dafür gibt es überhaupt keine Hinweise.“

Der Sprecher wies darauf hin, dass die Vorgänge bei den Hochgebirgsjägern in Mittenwald derzeit vor Ort aufgeklärt werden.

Bundeswehrverband vertritt andere Meinung

Der Bundeswehrverband hat Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal in der Kaserne im oberbayerischen Mittenwald gefordert.

“Eins ist klar, es muss hier ganz deutlich und auch mit aller Konsequenz gehandelt werden“, sagte der Verbandsvorsitzende Ulrich Kirsch am Mittwoch im Fernsehsender N24.

“Wenn sich das alles so bestätigt, wie es sich heute darstellt, dann müssen die zur Rechenschaft gezogen werden, die das gemacht haben, und auch diejenigen, die weggeschaut haben.“

Bei den oberbayerischen Gebirgsjägern sollen junge Soldaten mit entwürdigenden Mutproben und Aufnahmeritualen schikaniert worden sein.

Qualen für einen Aufstieg in der Hierarchie

Diese mussten bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweineleber essen, um in einer internen Hierarchie aufsteigen zu können, berichtete ein ehemaliger Rekrut in einer Beschwerde an den Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe. Auch würden Soldaten gezwungen, sich vor Kletterübungen vor den versammelten Kameraden zu entkleiden.

Ein Sprecher der für die Gebirgsjäger zuständigen Einheit bestätigte der dpa einen Bericht der “Süddeutschen Zeitung“ über entsprechende Vorfälle. Demnach hatten sich die Rituale zwischen Mannschaftsdienstgraden vollzogen. Ältere Soldaten hätten dies von jüngeren verlangt, “um als echte Gebirgsjäger zu gelten“. Vorgesetzte seien nicht beteiligt gewesen.

dpa

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