Kind stirbt nach Zahnarztbesuch - Prozess

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Der Mediziner Ronald R. (M.) steht zwischen seinen Anwälten Oliver Hampel (li.) und Annette Clement-Sternberger im Landgericht in Halle/Saale.

Halle - Wegen Karies zum Zahnarzt - eigentlich ein Routine-Fall. Doch der zwei Jahre alte Hannes macht den Mund nicht auf, bekommt eine Vollnarkose und ist zwei Tage später tot. Der Prozess:

Mit dem Tod eines Zweijährigen nach einer Zahnarztbehandlung in Zeitz (Sachsen-Anhalt) beschäftigt sich seit Dienstag das Landgericht Halle. Der Junge war im Januar 2009 zwei Tage nach einer Vollnarkose beim Zahnarzt gestorben. Angeklagt ist ein Anästhesist, der für die Narkose ein Gerät verwendet haben soll, das für ein Kind in diesem Alter nicht geeignet ist. Dadurch soll der Arzt nicht bemerkt haben, dass der Junge zu wenig Sauerstoff bekam. Das Kind war nach der Vollnarkose nicht mehr wach geworden.

Die Mutter kann den Tod ihres Jungen noch 19 Monate später nicht fassen. “Es ist doch kein Verbrechen, zum Zahnarzt zu gehen“, sagte die 46-Jährige schluchzend und zitternd als erste Zeugin vor Gericht. Sie habe ihren Sohn eigentlich gar nicht in der Praxis behandeln lassen wollen, sondern in einer Klinik. Doch in der Zahnarztpraxis sei ihr gesagt worden: “Das Bissel wird nicht im Krankenhaus gemacht.“

Der 53-jährige Arzt, der die Aussage der verzweifelten Mutter regungslos verfolgte, äußerte sich zunächst nicht zum Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge. “Er bedauert den Tod des kleinen Hannes zutiefst. Es ist ihm bewusst, dass das Leid der Eltern unermesslich ist“, hieß es in einer Erklärung, die die Verteidigung verlas. Der Angeklagte habe 30 Jahre lang als Narkosearzt gearbeitet - auch mit Kindern -, ohne dass es einen Zwischenfall gegeben habe. Er habe das Leben des Kindes unter keinen Umständen gefährden wollen. Hannes' Mutter sagte, ihr Junge habe bei seiner Zahnärztin nicht den Mund aufmachen wollen. Deshalb habe sie ihn an einen Spezialisten überwiesen. Die Frau berichtete, dass ihr neun Jahre alter Sohn noch immer sagt: “Ich will Hannes wiederhaben!“

Der Vertreter der Eltern, die in dem Prozess als Nebenkläger auftreten, warf dem Arzt massives Fehlverhalten vor. “Es ist mit Kanonen auf Spatzen geschossen, wenn Sie bei einem Kleinkind mit leichtem Zahnschaden Vollnarkose geben“, sagte Rechtsanwalt Frank Teipel. Das von dem Angeklagten eingesetzte Narkosegerät sei zudem völlig veraltet gewesen, weil es noch aus DDR-Zeiten stamme und keine TÜV-Zulassung gehabt habe.

Für den Fall einer Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge ist laut Strafgesetzbuch eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren möglich. Die Verteidigung ließ bereits erkennen, dass es sich für sie um - weniger schwerwiegende - fahrlässige Tötung handle. Das Gericht hat vorerst Verhandlungstermine bis 9. September anberaumt.

dpa

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