Klinik darf Arzt wegen zweiter Ehe kündigen

Düsseldorf - Ein Chefarzt hatte nach gescheiterter Ehe erneut geheiratet. Daraufhin kündigte ihm sein katholischer Arbeitgeber. Zu Recht, befand das Landesarbeitsgericht. Trotzdem darf er weiterarbeiten.

Verstoß gegen die katholischen Sitten: Dem Chefarzt eines katholischen Krankenhauses darf gekündigt werden, wenn er ein zweites Mal heiratet. Das hat das Landesarbeitsgericht am Donnerstag in Düsseldorf mit Hinweis auf das in der Verfassung verankerte Selbstbestimmungsrecht der Kirche betont. Dennoch scheiterte der katholische Klinikträger mit dem Versuch, den Krebsspezialisten wegen dessen zweiter Ehe loszuwerden, weil der Arbeitgeber es mit dem weltlichen Recht nicht so genau nahm. Die Kündigung des 48-jährigen Professors sei unwirksam, weil andere Chefärzte des Klinikverbunds in ähnlichen Fällen unbehelligt blieben, befand das Gericht. Dies widerspreche dem Gleichbehandlungsgrundsatz (Az.: 5 Sa 996/09).

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Zweite Ehe: Chefarzt gekündigt

Außerdem habe der Arbeitgeber die eheähnliche Gemeinschaft des Chefarztes vor der zweiten Heirat über einen längeren Zeitraum geduldet. Deswegen sei es unverhältnismäßig gewesen, wegen der zweiten Heirat sofort zur härtesten Maßnahme zu greifen und zu kündigen. Der Arbeitgeber prüft nun, vor das Bundesarbeitsgericht zu ziehen. Professor Romuald A. zeigte sich nach dem Urteilsspruch sichtlich erleichtert: “Ich gehe jetzt in die Klinik und mit Freude meiner Arbeit nach. Die Patienten werden es dem Richter danken.“ Was für ihn das Schlimmste gewesen sei, will eine Reporterin wissen: “Diese Doppelmoral“, entfährt es dem Mediziner. Sein Anwalt hatte auf 13 ähnliche Fälle hingewiesen, in denen geschiedene Chefärzte auch bei der zweiten Hochzeit unbehelligt geblieben seien. Außerdem habe der Arbeitgeber schon 2006 Hinweise über die “wilde Ehe“ des Professors erhalten, ohne sich darum zu scheren. Es habe auch eine anonyme Anzeige gegen den Arzt gegeben, in der der Vorwurf erhoben worden sei.

Ein ehemaliger Geschäftsführer der Klinik sagte aus, es habe bereits 2006 Gerüchte von der “wilden Ehe“ gegeben. Er habe sich aber nicht mehr darum gekümmert, weil er bald aus dem Dienst ausgeschieden sei. Der Anwalt der Klinikträgerin, der Caritativen Vereinigung, hatte argumentiert, es sei etwas Anderes, ob ein protestantischer oder ein katholischer Chefarzt erneut heirate. Für die katholische Kirche sei eine katholische Ehe naturgemäß besonders schützenswert. Er zitierte Matthäus: “Was Gott gegeben hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“ Entsprechend werde auf die Loyalität der katholischen Mitarbeiter besonders geachtet. Auch die Beteiligung an einer Abtreibung und der Kirchenaustritt seien Kündigungsgründe. Das Gericht sah das anders: Da die katholische Sitten- und Glaubenslehre in allen Arbeitsverträgen mit gleichlautenden Worten als Grundlage verbindlich festgeschrieben sei, müsse sich der Arbeitgeber auch bei allen daran halten. Das Erzbistum Köln teilte mit, das Landesarbeitsgericht habe das kirchliche Selbstbestimmungsrecht bestätigt - insoweit sei das Urteil begrüßenswert. Die kirchenkritische Organisation “Christus oder Kirche“ wies daraufhin, dass auch der neue Bundespräsident Christian Wulff als Katholik zum zweiten Mal verheiratet ist.

dpa

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