"Knöllchen-Horst" beim Rasen geblitzt

Osterode - Knöllchen-Horst ist Kult. Der Frührentner geht in seiner Heimatstadt seit Jahren auf Falschparker-Jagd. Jetzt ist er selbst dran. 10 Euro soll er für zu schnelles Fahren zahlen.

Falsches Parken führt in Osterode am Harz unweigerlich zur Anzeige, selbst wenn Politessen überhaupt nicht im Einsatz sind. Der Grund ist Knöllchen-Horst. Ein unter diesem Spitznamen berüchtigter Frührentner macht seit Jahren auf eigene Faust Jagd auf Verkehrssünder. Etwa 14.000 Anzeigen hat er in den vergangenen Jahren wohl schon geschrieben, schätzt Osterodes Kreisrat Gero Geißlreiter. Für bundesweite Schlagzeilen sorgte der Frührentner, als er im Sommer 2008 sogar die Besatzung eines Rettungshubschraubers wegen “behindernden Parkens“ auf dem Gehweg anzeigte. Der Helikopter hatte einen Einsatz und stand auf dem Bürgersteig.

Ein nicht ganz grundloser Sinneswandel

Doch mit der Jagd auf echte und vermeintliche Missetäter im Straßenverkehr ist jetzt Schluss - zumindest vorerst. Knöllchen-Horst will Pause machen und sein ungeliebtes Treiben “auf unbestimmte Zeit“ einstellen, teilte der Frührentner in einem Schreiben mit, das er auch der Straßenverkehrsbehörde und der Polizei zukommen ließ. Statt Verkehrsordnungswidrigkeiten zu verfolgen, will er sich künftig lieber “um rechtswidrige Abfallgebührenbescheide“ kümmern. Am Telefon plaudert der Frührentner offen über sein Hobby. “Das stimmt, dass ich in nächster Zeit keine Falschparker mehr aufschreibe. Aber später vielleicht wieder“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Beim Landkreis Osterode vermutet man einen anderen Grund für den Sinneswandel. Knöllchen-Horst sei selbst mit der Straßenverkehrsordnung in Konflikt geraten, sagt Geißlreiter. Er wurde im März dieses Jahres geblitzt. Auf einer Landesstraße war der Frührentner in einer Tempo-50-Zone mit 63 Stundenkilometern unterwegs. Geradestehen für sein - auch im Bild festgehaltenes - eigenes Fehlverhalten im Straßenverkehr mag Knöllchen-Horst allerdings nicht. Das Verwarnungsgeld in Höhe von 10 Euro zahlte er jedenfalls nicht. Und gegen den Bußgeldbescheid in gleicher Höhe plus 23,50 Euro Bearbeitungsgebühr legte er kommentarlos Widerspruch ein.

Stattdessen geht der selbst ernannte Verkehrssünder-Jäger gegen Verantwortliche des Landkreises wegen der “Verletzung des Rechts am eigenen Bild“ vor. Eine entsprechende Strafanzeige liege seiner Behörde vor, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, Hans Hugo Heimgärtner. Kommentieren will er die Angelegenheit aber nicht. “Die Akte wird bearbeitet wie jede andere auch.“

dpa

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